Strategy unter Druck: CryptoQuant fordert Kurswechsel bei Bitcoin-Strategie

CryptoQuant hat Strategy (ehemals MicroStrategy) öffentlich empfohlen, seine Bitcoin-Käufe zu pausieren und stattdessen die Barreserven zu stärken. Die Empfehlung kommt nicht aus dem Vakuum – sie ist die logische Konsequenz einer Kapitalstruktur, die unter steigendem Dividenden- und Zinsdruck zunehmend an Spielraum verliert. Damit rückt erstmals eine prominente On-Chain-Analyseplattform in offene Opposition zu dem Akkumulationsmodell, das Strategy seit 2020 definiert hat.
Dividendendruck trifft auf schwindende Liquidität
Das Kernargument von CryptoQuant ist konkret: Die jährlichen Dividendenverpflichtungen auf die STRC-Vorzugsaktien (Strategy Preferred, eine Klasse börsennotierter Vorzugsaktien mit fester Ausschüttung) sind laut CryptoQuant-Research für 2025 auf rund 1,2 Mrd. US-Dollar angestiegen. Gleichzeitig hat die Cash-Coverage-Ratio – das Verhältnis verfügbarer Barmittel zu diesen Verbindlichkeiten – ein Allzeittief erreicht. Die freien Barreserven sind nach vorliegenden Daten um rund 38 Prozent geschrumpft.
Strategy hat darauf bereits reagiert, zumindest teilweise: Über ein At-the-Market-Aktienprogramm (ATM, also ein fortlaufendes Aktienverkaufsprogramm am offenen Markt) wurde eine USD-Reserve von rund 1,44 Mrd. US-Dollar aufgebaut, die Dividenden- und Zinszahlungen für mindestens zwölf, perspektivisch 24 Monate abdecken soll. CryptoQuant-Gründer Ki Young Ju und Research-Chef Julio Moreno betrachten das als notwendigen ersten Schritt – aber noch nicht als ausreichende Antwort auf das strukturelle Problem.
Vom aggressiven Akkumulator zum defensiven Kapitalverwalter
Die Zahlen illustrieren, wie dramatisch sich das Kauftempo bereits verändert hat. Im November 2024 erwarb Strategy laut CryptoQuant noch rund 134.000 BTC in einem einzigen Monat. Ein Jahr später, im November 2025, waren es noch etwa 9.100 BTC – und Anfang Dezember kaufte das Unternehmen gerade noch 135 BTC. Das ist kein taktisches Innehalten; das ist struktureller Rückzug.

Seit 2020 hatte Strategy seine gesamte Kapitalallokation darauf ausgerichtet, überschüssige Liquidität, Fremdkapital und Aktienneuemissionen in Bitcoin umzuwandeln. Das machte das Unternehmen zum größten börsennotierten BTC-Holder weltweit. Genau dieser Ansatz steht jetzt unter Druck – nicht wegen des Bitcoin-Preises allein, sondern wegen der Eigenverpflichtungen, die Strategy in der Wachstumsphase eingegangen ist.
CryptoQuant fordert neben dem Kaufstopp auch einen grundlegenden Paradigmenwechsel im operativen Rahmen: weg vom Prinzip „kaufe, wann Kapital verfügbar ist“, hin zu einem modellbasierten Kaufregime mit definierten Einstiegskriterien. Darüber hinaus plädieren Ki Young Ju und Moreno explizit für eine Verkaufsstrategie für den nächsten Bullrun – also für gezielte Teilverkäufe nahe zyklischer Hochs, um Rücklagen für spätere Reakkumulation aufzubauen. Das wäre ein radikaler Bruch mit dem bisherigen „never sell“-Mantra des Unternehmens.
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Marktreaktion: Mizuho sieht Bärenmarkt-Signal
Die Investmentbank Mizuho bestätigte nach Bekanntwerden der USD-Reserve zwar ihr Outperform-Rating auf die Strategy-Aktie (MSTR), interpretierte die Maßnahme aber ebenfalls als Signal, dass das Management intern mit einem länger anhaltenden Seitwärts- oder Abwärtstrend bei Bitcoin kalkuliert. Das ist bemerkenswert: Die bullishste institutionelle Stimme zur Strategy-Aktie liest die Reservebildung als defensiven Schachzug, nicht als Stärkedemonstration.
Relevant ist das auch für die übergeordnete Bitcoin-Marktstruktur. Strategy war in der letzten Akkumulationsphase einer der größten institutionellen Käufer am Spotmarkt – ein Faktor, der das verfügbare OTC-Angebot spürbar verknappt hat. Ein dauerhafter Rückzug dieses Nachfrageankers, kombiniert mit potenziellen Teilverkäufen im nächsten Zyklushoch, würde die Angebots-Nachfrage-Dynamik am Markt neu kalibrieren.
Was als nächstes zählt
Die entscheidenden Datenpunkte werden die kommenden SEC-Filings liefern: Die quartalsweisen 10-Q-Berichte sowie mögliche 8-K-Meldungen (außerordentliche Pflichtveröffentlichungen bei wesentlichen Ereignissen) geben Aufschluss über die tatsächliche Cash-Position, den BTC-Bestand und den Stand der Dividendenverpflichtungen. Ebenso relevant ist, ob Strategy das ATM-Aktienprogramm ausweitet oder einschränkt – beides wäre ein direktes Signal über den Kurs der Kapitalallokation.
Kurzfristig dürfte der Markt genau beobachten, ob Strategy die von CryptoQuant geforderte Transition zu einem regelgebundenen Kauf- und Verkaufsframework tatsächlich vollzieht. Bleibt das Unternehmen bei einem Ad-hoc-Ansatz, wächst das Risiko, dass die Cash-Coverage-Ratio weiter fällt – ausgerechnet in einer Marktphase, in der Bitcoin-Preisrückgänge die Bilanz zusätzlich belasten könnten. Sollte Strategy dagegen den Schritt zu institutionell sauberer Kapitalsteuerung vollziehen, wäre das ein strukturelles Reifesignal – aber vermutlich kein kurzfristiger Kurstreiber.
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