Bitcoin wird knapp: OTC-Bestand crasht auf Rekordtief

Bitcoin gibt heute erneut deutlich nach und fällt zeitweise wieder unter die Marke von 62.000 US-Dollar. Damit bleibt die technische Ausgangslage weiterhin angeschlagen: Der Bärenmarkt ist intakt, Bitcoin notiert mehr als 50 Prozent unter dem Allzeithoch von rund 126.000 US-Dollar aus Oktober 2025 und kommt auf Wochensicht kaum vom Fleck. Zwar halten die Käufer bislang den Bereich um 60.000 US-Dollar, doch ein dynamischer Befreiungsschlag fehlt weiter. Umso spannender ist nun eine Entwicklung auf der Angebotsseite: Die verfügbaren Bitcoin-Bestände auf OTC-Desks fallen weiter und könnten damit langfristig konstruktiv wirken.
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Bitcoin-OTC-Bestände auf Rekordtief: Warum das bullisch wirken kann
Eine aktuell viel diskutierte Entwicklung betrifft die Bitcoin-Bestände auf OTC-Desks. OTC steht für „Over the Counter“ und beschreibt außerbörsliche Handelsplätze, über die vor allem größere Investoren Bitcoin kaufen oder verkaufen können, ohne direkt den offenen Spotmarkt zu bewegen. Institutionelle Käufer nutzen solche Desks häufig, um große Positionen aufzubauen, ohne sofort sichtbaren Kaufdruck an Börsen wie Coinbase oder Binance auszulösen.
Laut den im Markt kursierenden CryptoQuant-Daten sind diese OTC-Bestände zuletzt deutlich gefallen. Während 2021 noch mehr als 550.000 BTC auf solchen Desks gelegen haben sollen, wird der aktuelle Bestand nur noch auf etwa 100.000 bis 150.000 BTC geschätzt. Bereits frühere CryptoQuant-Auswertungen zeigten eine klare Verknappung der OTC-Liquidität, nachdem die Bestände im Herbst 2025 auf rund 156.000 BTC gefallen waren.
Das ist kein direkter Kurstrigger, aber ein relevantes Setup. Denn je weniger Bitcoin außerhalb der Börsen verfügbar sind, desto stärker müssen neue Käufer bei steigender Nachfrage auf den offenen Markt ausweichen. Dort kann Kaufdruck unmittelbarer auf den Preis wirken. Besonders wichtig wäre dies, wenn ETF-Zuflüsse, institutionelle Nachfrage oder makroökonomische Entspannung zurückkehren.
Kurzfristig bleibt Bitcoin dennoch angeschlagen. Der Abwärtstrend ist intakt, die Zone um 60.000 US-Dollar bleibt entscheidend. Doch angebotsseitig verbessert sich das Bild: Wenn liquide BTC-Bestände weiter austrocknen, könnte schon moderate neue Nachfrage ausreichen, um den Markt wieder spürbar zu bewegen.
Wintermute: Bitcoin spürt die Neubewertung der Risikomärkte zuerst
Der Krypto-Market-Maker Wintermute bewertet die aktuelle Lage bei Bitcoin weiterhin vorsichtig. Zwar habe sich der Markt nach dem jüngsten Rücksetzer zunächst stabilisiert, doch von einer echten Trendwende könne noch keine Rede sein. Entscheidend sei, dass Bitcoin und andere Kryptowährungen die Neubewertung der Risikomärkte bereits vorweggenommen hätten. Während Aktienmärkte nicht unmittelbar auf das Scheitern des Iran-Deals reagieren konnten, handelte Krypto auch am Wochenende weiter – und bekam den Risikoabschlag sofort zu spüren.
Aus Sicht von Wintermute belastet vor allem der makroökonomische Hintergrund. Die US-Notenbank habe sich zuletzt klar falkenhafter positioniert. Die Zinsspanne blieb zwar unverändert, doch der Dot Plot deutet nun eher auf eine Zinserhöhung als auf eine baldige Lockerung hin. Für einen Markt, der neue Liquidität über ETFs, Stablecoins und institutionelle Käufer benötigt, ist das ein schwieriges Umfeld. Genau diese Kapitalflüsse seien aktuell noch nicht stark genug, um eine nachhaltige Erholung zu tragen.
Positiv sei immerhin, dass die Positionierung bereinigt wurde. Rund 600 Millionen US-Dollar an Long-Positionen wurden liquidiert, während Short-Liquidationen deutlich geringer ausfielen. Das spricht für einen erneuten Leverage-Reset. Zudem sei die Sorge um Strategy als möglichen Zwangsverkäufer vorerst vom Tisch, da Michael Saylor zuletzt wieder Bitcoin gekauft habe.
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Dennoch bleibt Wintermute nüchtern: Bitcoin hält sich zwar über den Tiefs im niedrigen 60.000er-Bereich, doch ohne strukturell bessere Zuflüsse dürfte der Markt bestenfalls in einer Range handeln.
„Die Kehrseite der Medaille ist, dass die Marktpositionierung defensiv ausgerichtet ist. Die Hebelverhältnisse wurden bereinigt, die Stimmung ist schlecht, der Überhang durch MicroStrategy ist abgebaut, und der BTC-Kurs hielt sich im unteren 60.000er-Bereich – trotz einer restriktiven Haltung der Fed und eines gescheiterten Friedensabkommens. Wenn der Markt derart angeschlagen ist, bedarf es keiner großen Impulse für eine Erholung; schon ein moderater PCE-Wert am Freitag oder Fortschritte bei den Verhandlungen unter Vermittlung Katars könnten ausreichen. Eine solche Erholung wäre jedoch eher als kurzfristiger Trade zu sehen und nicht zwangsläufig als endgültige Bodenbildung.“
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