Ripple: Neue XRPL-Änderungen XLS-65 und XLS-66 für Banken

Ripple hat offiziell zwei wichtige Änderungen für den XRP Ledger (XRPL) vorgeschlagen: XLS-65 und XLS-66. Diese Erweiterungen zielen darauf ab, eine festverzinsliche Kreditinfrastruktur für Institutionen direkt im Ledger zu verankern. Nach der Veröffentlichung von Rippled v3.1.0 Ende Januar 2026 hat nun die Abstimmungsphase der Validatoren begonnen.
Das Framework konzentriert sich auf unbesicherte, unterzeichnete Kreditvergabe für regulierte Finanzinstitute. Damit positioniert sich der XRPL weniger als reiner Zahlungskanal, sondern vielmehr als umfassender Kredit-Layer. Dieser strukturelle Wandel hängt jedoch vollständig davon ab, ob die Änderungen die kritische Konsensschwelle von 80 % unter den Validatoren erreichen.
Bisher bleibt das Erreichen dieser Schwelle die große Unbekannte. Aktuelle Daten zeigen, dass XLS-65 etwa 8 Ja-Stimmen (22,86 %) hält, während XLS-66 auf rund 7 Stimmen (20 %) kommt. Beide Werte liegen deutlich unter der erforderlichen Unterstützung von 80 %, die über zwei aufeinanderfolgende Wochen gehalten werden muss, um eine Aktivierung im Mainnet zu bewirken.
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Single Asset Vaults und die Mechanik des Lending-Protokolls
Die beiden Änderungen fungieren als miteinander verzahntes System. XLS-65 führt sogenannte Single Asset Vaults ein – erlaubnispflichtige Pools, in denen Liquiditätsanbieter einen einzelnen Token hinterlegen können. Diese Vaults können RLUSD, XRP, tokenisierte US-Staatsanleihen oder andere digitale Vermögenswerte halten. Die Revision XLS-65d hat dieses Modell vereinfacht, indem zwei zuvor erforderliche Transaktionen gestrichen wurden, was den Aufwand für Einzahlungen und Auszahlungen reduziert.
XLS-66 baut auf diesen Vaults auf und definiert das eigentliche Kreditprotokoll auf dem XRPL. Es regelt die On-Ledger-Mechaniken für die Kreditvergabe, Zinsabgrenzung, Tilgung und die Durchsetzung bei Zahlungsausfällen über Transaktionstypen wie LoanSet, LoanPay und LoanDelete. Ein entscheidender Punkt dabei: Die Risikoprüfung (Underwriting) und die Kreditwürdigkeitsprüfung der Kreditnehmer finden weiterhin Off-Chain statt.
Institutionelle Kreditabteilungen übernehmen somit die Risikobewertung, während der XRPL die Ausführung und den gesamten Lebenszyklus des Kredits verwaltet. Dies unterscheidet sich deutlich von Modellen wie Aave, da es sich hier nicht um überbesicherte DeFi-Lending-Strukturen handelt, sondern um festverzinsliche Kredite für verifizierte Gegenparteien.
Die Compliance-Architektur nutzt dabei bestehende XRPL-Funktionen wie Identitätsverifizierung, Clawback-Mechanismen und Freeze-Funktionen. Vault-Betreiber können die Teilnahme auf KYC/AML-konforme Unternehmen beschränken, was das System klar vom offenen DeFi-Sektor abgrenzt.
XRP bei 1,00 USD: Was eine Aktivierung bedeuten würde
Der Kurs von XRP bewegt sich derzeit um die Marke von 1,00 USD. Diese psychologisch wichtige Schwelle wird von Analysten genau beobachtet, da sich im Chart ein Dreiecksmuster mit steigenden Tiefs gegen einen flachen Widerstand abzeichnet.
Eine Aktivierung von XLS-65 und XLS-66 würde den XRPL als tragfähige Infrastruktur für Kredite bestätigen. Dennoch bleibt die institutionelle Akzeptanz das entscheidende Signal für den Markt. Preissprünge werden maßgeblich davon abhängen, ob regulierte Unternehmen tatsächlich Kapital in großem Stil in RLUSD-finanzierte Vaults fließen lassen.
Aktuell können die Änderungen im Devnet getestet werden, sodass Entwickler ihre Anwendungen bereits vor der Mainnet-Aktivierung integrieren können. Die kurzfristige Marktentwicklung von XRP wird wohl eher davon beeinflusst, ob die Dynamik der Validatoren in Richtung der 80%-Hürde zunimmt, als von rein technischen Kursmarken. Das Framework ist solide, doch der Weg zur Aktivierung bleibt vorerst offen.
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