Bank of Korea treibt Wholesale-CBDC auf Kommerzialisierungskurs

Die Bank of Korea könnte die zweite Phase ihres Wholesale-CBDC-Pilotprojekts Project Hangang bereits im September starten. Laut einem Bericht der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap News erweitert die nächste Stufe sowohl den Teilnehmerkreis als auch den funktionalen Umfang des Projekts – und rückt damit die kommerzielle Nutzbarkeit tokenisierter Bankeinlagen erstmals konkret in den Fokus.
Mehr Banken, neue Funktionen
Die Teilnehmerzahl steigt von sieben auf neun Banken. Neu hinzu kommen Kyongnam Bank und iM Bank, zwei südkoreanische Regionalbanken. Damit verbreitert sich die institutionelle Basis des Projekts über die bisherigen Großbanken hinaus – ein Signal, dass die Bank of Korea die Infrastruktur gezielt auf eine breitere Rollout-Vorbereitung ausrichtet.
Inhaltlich führt Phase zwei mehrere neue Elemente ein: Peer-to-Peer-Überweisungen zwischen Nutzern, biometrische Authentifizierung sowie neue automatisierte Funktionen für Deposit-Token – also digitale Einheiten, die von Geschäftsbanken auf Basis der Wholesale-CBDC der Zentralbank ausgegeben werden. Besonders relevant ist die geplante Erprobung staatlicher Subventionsauszahlungen über tokenisierte Bankeinlagen, was den ersten ernsthaften öffentlichen Anwendungsfall des Projekts darstellen würde.

Phase eins: Infrastrukturtest mit 81.000 Teilnehmern
Die erste Phase von Project Hangang lief von April bis Juni 2025 und war explizit als Infrastrukturtest konzipiert. Rund 81.000 Teilnehmer führten insgesamt 114.880 Transaktionen mit Deposit-Token durch. Der Fokus lag auf der technischen Grundlage – Zahlungsinfrastruktur, Token-Konvertierung und Interaktion zwischen Zentralbank-CBDC und kommerziellen Banktoken.
Project Hangang funktioniert nach einem zweistufigen Modell: Die Bank of Korea gibt eine Wholesale-CBDC aus, die ausschließlich zwischen Finanzinstituten zirkuliert. Auf dieser Basis emittieren Geschäftsbanken Deposit-Token – digitale Äquivalente von Bankeinlagen – die Konsumenten für alltägliche Zahlungen nutzen können. Das Modell unterscheidet sich von einem klassischen Retail-CBDC, bei dem die Zentralbank direkt mit Endnutzern interagiert.
Kommerzialisierung als nächste Messlatte
Der entscheidende Unterschied zu Phase eins liegt im erklärten Ziel der Kommerzialisierung. Während der erste Durchlauf die technische Machbarkeit belegte, soll Phase zwei zeigen, ob das System unter realistischen Nutzungsbedingungen skaliert – inklusive P2P-Transfers, staatlicher Subventionen und erweiterter Authentifizierungsmethoden. Genau dieser Schritt ist für institutionelle Beobachter der eigentliche Lackmustest.
Das Startdatum im September ist laut Yonhap News noch nicht offiziell bestätigt. Die Bank of Korea spricht von einem möglichen Start, nicht von einem festgesetzten Termin. Für den Markt für tokenisierte reale Vermögenswerte ist die Richtung dennoch klar: Staatlich gestützte Tokenisierungsinfrastruktur gewinnt in Asien an Substanz, und Südkorea positioniert sich dabei als regulatorisch kontrollierter Vorreiter.
Vergleichbare Regulierungsvorstöße zeigen, wie unterschiedlich Staaten die digitale Transformation des Finanzwesens angehen – während Seoul auf ein Wholesale-CBDC-Modell mit Banken als Vermittlern setzt, ringen andere Jurisdiktionen noch um den grundsätzlichen gesetzlichen Rahmen, wie etwa die laufenden Debatten um den US-amerikanischen CLARITY Act zeigen. Ob die Bank of Korea den September-Termin hält und wie konkret die Subventionsauszahlungen ausgestaltet werden, dürfte zum entscheidenden Signal für den weiteren Rollout werden.