Warum können sich die USA ohne Konsequenzen verschulden?
Seit Jahrzehnten steigen die Staatsschulden der USA ohne scheinbare Auswirkungen. Während ausgeglichene Budgets in Europa zur politischen Folklore zählen, kümmern sich die US-Regierungen wenig um ihren Haushalt.

Schon jetzt betragen die Schulden der USA 122 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, Tendenz steigend. In Deutschland liegen sie derzeit bei rund 65 Prozent. Die USA zeigen sich jedoch weiterhin spendabel, obwohl sie in der Liste der am höchsten verschuldeten Länder bereits Platz 10 einnehmen. Warum ist das so?
Niemand denkt ans Sparen
Das Defizit des Landes beträgt bereits sieben Prozent der Wirtschaftsleistung. Die Schuldenquote hingegen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten verdreifacht. Während hierzulande die Diskussion um Sparpakete Politik und Gesellschaft prägt, kümmert dies die USA wenig. Ganz im Gegenteil, auch im aktuellen Wahlkampf übertreffen sich die beiden Kandidaten in ihren Versprechungen, noch mehr Geld auszugeben. Die Gründe dafür sind im Status des US-Dollars zu finden:
Dieser gilt als globale Weltreservewährung. Viele internationale Geschäfte wie der Handel mit Öl werden im US-Dollar abgewickelt. Daneben halten viele Länder Währungsreserven in US-Dollar. Das sorgt für eine konstante Nachfrage, diese erlaubt es den USA, Schulden in ihrer eigenen Währung aufzunehmen oder zu refinanzieren.
Die US-Anleihen sind weltweit begehrt
Dieser Anleihenmarkt ist stabil, weil Länder wie China und Japan große Mengen an US-Staatsanleihen als Reserve halten. Daneben ist das Vertrauen in die Kraft der US-Wirtschaft ungebrochen. Die amerikanischen Anleihen gelten als finanziell sicherer Hafen. Die US-Wirtschaft hat sich über einen langen Zeitraum hinweg als widerstandsfähig gegen jede Art von Krisen gezeigt.
Solange die Anleger und andere Nationen darauf vertrauen, dass die USA immer in der Lage sein werden, ihre Schulden zu bedienen, können diese weiterhin am Schuldenrad drehen. Selbst der sogenannte „Government Showdown“, der in den USA regelmäßig auftritt, konnte bisher daran nichts ändern. Die USA können also theoretisch unbegrenzt neue Dollar drucken, um ihre Schulden zu finanzieren.
Diesen Weg wollte die erste Kryptowährung der Welt, Bitcoin, explizit vermeiden. Daher ist die Anzahl, die gemint werden kann, begrenzt. So soll Stabilität gewährleistet werden. Neue Coins wie Freedum Fighters wollen den Erfolg von Bitcoin wiederholen.
Keine Konkurrenz für den US-Dollar in Sicht
Dazu kommt die lange Zeit niedrig gehaltenen Zinsen. Diese ermöglichen es, die bestehenden Schulden günstig zu refinanzieren. Trotz aller Bemühungen wie den Initiativen der BRICS-Staaten gibt es weiterhin keine echte Konkurrenz zum US-Dollar. Er bleibt die sicherste und stabilste Währung der Welt.
Die USA investieren das Geld neuer Schulden oft direkt in ihre Wirtschaft und generieren dadurch mehr Wachstum. Das führt in Folge zu höheren Steuereinnahmen. Doch dieses System „lebt“ vom Vertrauen. Solange Investoren die USA als sicheren Hafen ansehen, wird das hemmungslose Schuldenmachen weitergehen. Allerdings birgt dieses die Gefahr von hohen Zinszahlungen bei regulären Zinssätzen.
Das Ende der Nullzinspolitik zeigte diese Gefahr deutlich auf. Doch angesichts bereits wieder sinkender Zinssätze dürften diese Bedenken schon bald wieder verschwinden.
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