Glücksspiel-Koalition fordert Verbot für Prognosemärkte

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Martin Schwarz hat einen MSc. in Wirtschaftsinformatik mit Schwerpunkt auf asymetrische Kryptographie und M2M-Kommunikation. Er ist seit 2015 im Bereich Bitcoin und Kryptowährungen unterwegs und seit...

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Eine Koalition aus mehr als 50 Glücksspielverbänden, Stammesregierungen und Gewerkschaften hat am 16. Juni einen Brief an den US-Senat übermittelt. Darin fordern sie, dass der Digital Asset Market Clarity Act explizite Formulierungen enthalten muss, die es Prognosemärkten untersagen, Verträge für Sportwetten oder Ereignisse im Casino-Stil anzubieten. Dies ist ein direkter Angriff auf Plattformen wie Polymarket und Kalshi, die unter der Aufsicht der CFTC ein beträchtliches Geschäft mit Echtgeld-Ereignisverträgen aufgebaut haben.

Zu den Unterzeichnern gehören die American Gaming Association (AGA), die Indian Gaming Association (IGA) und UNITE HERE, eine Gewerkschaft, die 300.000 Angestellte aus den Bereichen Hotel, Glücksspiel und Gastronomie in den USA und Kanada vertritt.

In dem Schreiben wird argumentiert, dass Plattformen für Prognosemärkte in den letzten 18 Monaten die größte Ausweitung des Glücksspiels in der Geschichte der USA vorangetrieben haben – und zwar ohne staatliche Genehmigung, gesetzliche Grundlage oder nennenswerten Verbraucherschutz.

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Das Kernargument: Die CFTC ist nicht für Glücksspiel zuständig

Die rechtliche Argumentation der Koalition ist spezifisch: Es geht nicht nur darum, dass Sportwetten politisch abgelehnt werden. Laut der Koalition fehlen der CFTC strukturell die Autorität und die institutionelle Infrastruktur, um diesen Bereich zu regulieren. „Sportwetten fallen nicht in den Zuständigkeitsbereich der CFTC und dürfen nicht über Prognosemarkt-Plattformen angeboten werden“, heißt es in dem Brief.

Die CFTC wurde gegründet, um Rohstoff- und Derivatemärkte zu überwachen, nicht um die Integrität von Wetten, den Zugang für Minderjährige oder Maßnahmen gegen Spielsucht zu kontrollieren – Bereiche, in denen die Behörde keinerlei Erfahrung in der Durchsetzung hat.

AGA-Präsident Bill Miller erklärte bereits zuvor, dass die Rahmenbedingungen für die Integrität des Glücksspiels durch sogenannte „Prognosemärkte“ untergraben würden, die in die Kompetenzen von staatlichen, lokalen und Stammesbehörden eindringen.

Gwen Mills, die Präsidentin von UNITE HERE, sieht darin eine Bedrohung für Arbeitsplätze: Die Lebensgrundlage der Arbeiter sei „durch Prognosemärkte bedroht, die illegale Sportwetten unter Verletzung der Souveränität der Stämme und staatlicher Gesetze durchführen“.

Die Sorgen der IGA gehen noch tiefer: Ohne explizite Ausnahmeregelungen könnte der Clarity Act Sportwetten landesweit quasi durch die Hintertür legalisieren, indem sie über CFTC-registrierte Plattformen abgewickelt werden. Dies würde das System der Verträge zwischen Stämmen und Bundesstaaten umgehen, das derzeit regelt, wo und wie Wetten angeboten werden dürfen.

Die American Gaming Association behauptet zudem, dass den Bundesstaaten seit Anfang 2025 Steuereinnahmen in Höhe von etwa 1 Milliarde US-Dollar durch Prognosemärkte entgangen sind – eine Zahl, die von den Betreibern der Plattformen jedoch bestritten wird.

Senator John Hickenlooper aus Colorado brachte das Zuständigkeitsproblem auf den Punkt: „Die CFTC hat buchstäblich keine Erfahrung in der Regulierung von Sportwetten. Schlimmer noch, die CFTC hat es versäumt, ihre vorhandene Autorität zu nutzen, um Sportwetter vor Insiderhandel, Marktmanipulation, räuberischer Werbung und finanzieller Instabilität zu schützen.“

Schlachtfeld Clarity Act: Drei Hindernisse und ein enger Zeitplan

Der Brief der Glücksspiel-Koalition trifft auf einen Gesetzentwurf, der ohnehin unter Druck steht. Der Digital Asset Market Clarity Act passierte den Bankenausschuss des Senats am 18. Mai mit 15 zu 9 Stimmen. Dies ist zwar ein bedeutendes Ergebnis, löst aber nicht die drei Hindernisse, die einer Verabschiedung im Plenum im Weg stehen.

Dazu gehören ein ungelöster Ethikstreit im Gesetzestext, zwei konkurrierende Ausschusstexte, die zusammengeführt werden müssen, und die Hürde von 60 Stimmen für ein Ende der Debatte (Cloture), was eine parteiübergreifende Unterstützung erfordert, die weit über das Abstimmungsergebnis im Ausschuss hinausgeht.

Da nur noch neun Arbeitstage bis zur Sitzungspause am 4. Juli verbleiben, stehen die Verfasser im Senat unter Zeitdruck. Sie müssen entscheiden, ob sie die Forderungen der Glücksspiel-Koalition direkt in den Clarity Act aufnehmen oder dies dem separaten Schiff-Curtis-Entwurf überlassen.

Die Senatoren Adam Schiff und John Curtis brachten im März 2026 den „Prediction Markets Are Gambling Act“ (S.4160) ein. Dieser würde den Commodity Exchange Act dahingehend ändern, dass es CFTC-registrierten Unternehmen explizit untersagt wird, Verträge für Sportveranstaltungen oder casinoähnliche Produkte wie Poker oder Blackjack anzubieten. Dieser Entwurf würde die Zuständigkeit der Bundesstaaten und Stämme bewahren – genau das, was IGA und AGA fordern.

Der unmittelbare Auslöser für diese Lobby-Offensive war eine Entscheidung der CFTC von Anfang Juni 2026. Diese brachte ein Regelwerk auf den Weg, das bestimmte Sport-Ereignisverträge auf Prognosemärkten formell zulässt. Dabei wurden Wetten auf Verletzungen, Schiedsrichterentscheidungen oder Highschool-Sport untersagt, Verträge für geschicklichkeitsorientierte Ereignisse jedoch potenziell offengehalten.

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