84 Prozent sanktionierter Wallets nutzten fast nur USDT
Ein Bericht des US-Senats rückt Tethers Stablecoin USD₮ ins Zentrum eines mutmaßlichen iranischen Schattenbankennetzwerks. Laut der von Senatsdemokraten geführten Untersuchung wickelten 84 Prozent von 846 sanktionierten, Iran-bezogenen Krypto-Wallets ihre Transaktionen ausschließlich oder fast ausschließlich in USDT ab.
Der Bericht erhöht damit den regulatorischen Druck auf den weltweit größten Stablecoin spürbar. Zugleich verweisen die darin zitierten On-Chain-Daten darauf, dass der USDT-Anteil an Iran-zugeordneten Wallet-Aktivitäten zuletzt deutlich zurückgegangen ist – ein Widerspruch, der die weitere Debatte prägen dürfte.
US-Senatsbericht: USDT in 84 Prozent der untersuchten Wallets
Die Untersuchung analysierte 846 Krypto-Wallets, die von den USA oder Israel wegen Verbindungen zu Iran und dessen regionalen Proxy-Gruppen sanktioniert wurden. Der Bericht beschreibt USDT als Instrument, mit dem Teheran Geld über Grenzen bewegen und den Rial trotz bestehender US-Sanktionen stützen konnte.
Die Ermittler leiteten ihre Ergebnisse an das US-Justiz- und Finanzministerium weiter. In einem konkreten Fall sollen sich laut den Prüfern noch 34,6 Millionen US-Dollar durch bereits sanktionierte Wallets bewegt haben – ein Detail, das die Kritik an mangelnder Reaktionsgeschwindigkeit untermauert. Ähnliche Fragen zur Compliance im Krypto-Sektor stellte zuletzt auch die Untersuchung gegen Binance wegen möglicher Iran-Sanktionsverstöße.
Warum Tether unter Druck gerät
USD₮ ist ein an den US-Dollar gebundener Stablecoin und laut den Angaben im Bericht der größte seiner Art weltweit. Anders als bei Bitcoin kann Tether USDT an konkreten Adressen einfrieren, sobald diese identifiziert sind – ein technischer Vorteil gegenüber klassischen Kryptowährungen, den die Ermittler jedoch als unzureichend genutzt beschreiben.
Investigatoren werfen dem Unternehmen vor, wiederholt zu langsam gegen Wallets von Iran-bezogenen Börsen, Brokern und terroristischen Organisationen vorgegangen zu sein, teils über Wochen hinweg. Wie stark solche Vorwürfe die laufende Debatte über Emittentenpflichten bei Stablecoins beeinflussen, dürfte sich in den kommenden Monaten zeigen, insbesondere im Zusammenhang mit der Diskussion um bankähnliche Schutzmechanismen für Stablecoin-Emittenten.
Tether weist Vorwürfe zurück
Richard Blumenthal, ranghöchster Demokrat im Permanent Subcommittee on Investigations, ordnet USDT als zentral für Irans Schattenbankensystem ein und begründet damit die Weiterleitung der Ergebnisse an Justiz- und Finanzministerium.

Tether weist die Darstellung zurück und erklärt, im laufenden Jahr nahezu 550 Millionen US-Dollar an Iran-bezogenem USDT eingefroren zu haben, während man weiterhin mit US-Behörden kooperiere. CEO Paolo Ardoino betont sinngemäß, dass USD₮ kein sicherer Hafen für sanktionierte Akteure, Terrororganisationen oder kriminelle Netzwerke sei.
Weniger Iran-bezogene USDT-Aktivität, aber wachsender politischer Druck
Nach Daten von TRM Labs, die im Bericht dem Wall Street Journal zugeschrieben werden, machte USDT im August nur noch 14 Prozent des On-Chain-Volumens Iran-zugeordneter Wallets aus – gegenüber 67 Prozent im Jahr 2025. Der Rückgang folgte auf Tethers Freeze von 344 Millionen US-Dollar über zwei mit der iranischen Zentralbank verbundene Adressen im April.
Trotz der regulatorischen Schlagzeilen bleibt das Marktvertrauen in USDT insgesamt intakt. Trader auf Polymarket geben dem Stablecoin derzeit eine Wahrscheinlichkeit von 59 Prozent, bis zum 31. Dezember eine Marktkapitalisierung von 200 Milliarden US-Dollar zu erreichen – ausgehend von aktuell rund 184 Milliarden US-Dollar. Eine solche Prognose bleibt ein Stimmungsindikator und keine bestätigte Marktentwicklung, sie zeigt aber, dass Anleger den Senatsbericht bislang nicht als fundamentale Bedrohung für das Wachstum des Stablecoins einstufen.
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