Bankähnlicher Schutz könnte Stablecoins mehrheitsfähig machen
Visa meldet in seiner Money-Travels-2026-Studie, dass die Bereitschaft von US-Verbrauchern, Stablecoins für internationale Überweisungen zu nutzen, in einem hypothetischen Szenario mit bankähnlichem Betrugsschutz und Einlagensicherung von 36 auf 56 Prozent steigt. Entscheidend ist der Konjunktiv: Es handelt sich um ein Befragungsszenario, nicht um ein bereits verfügbares Schutzversprechen oder eine angekündigte Regulierung.
Bankähnlicher Schutz macht Stablecoins mehrheitsfähig
Für die Erhebung ließ Visa das Marktforschungsinstitut Morning Consult zwischen dem 24. Februar und dem 2. März insgesamt 45.445 Menschen in 20 Märkten befragen, darunter 2.192 US-Erwachsene. Das Unternehmen stellt klar, dass Stablecoins aktuell nicht unter die Einlagensicherung der FDIC (Federal Deposit Insurance Corporation, die US-Einlagensicherung für Bankkonten) fallen und dass das Szenario kein Hinweis auf kommende Schutzmechanismen ist.
Außerhalb der USA fällt der Effekt teils noch deutlicher aus: In Lateinamerika springt die Nutzungsbereitschaft im selben hypothetischen Szenario von 34 auf 74 Prozent. Das deckt sich mit einem Trend, den auch andere Marktteilnehmer beim Aufbau regulierter Stablecoin-Infrastruktur beobachten, etwa im Fall von Kakaos Zusammenarbeit mit Fireblocks, bei der institutionelle Absicherung ebenfalls als Vertrauensankermerkmal dient.
Bekanntheit und Anbieter entscheiden über die Nutzung
Die größere Hürde bleibt schlicht Unwissenheit: 56 Prozent der US-Befragten hatten noch nie von Stablecoins gehört. Viele, die den Begriff kannten, gingen fälschlich davon aus, dass Stablecoins ähnlichen Kursschwankungen wie Bitcoin unterliegen.
Der Anbieter macht dabei einen messbaren Unterschied. Wird ein Stablecoin über einen bereits bestehenden Finanzdienstleister angeboten, steigt die Nutzungsbereitschaft von 36 auf 45 Prozent. Rund sechs von zehn Amerikanern würden digitale Währungsdienste eher einer traditionellen Bank (61 Prozent) oder einem globalen Zahlungsnetzwerk (60 Prozent) anvertrauen als einem reinen Krypto-Anbieter – ein Muster, das sich auch bei aktuellen Partnerschaften wie der Stablecoin-Abwicklung von SoFi und Mastercard zeigt, wo etablierte Marken die Akzeptanzschwelle senken sollen.
Betrugsrisiken prägen den Remittance-Kontext
Die Studie ordnet das Stablecoin-Thema in ein breiteres Sicherheitsproblem ein: 36 Prozent der US-Absender internationaler Zahlungen gaben an, bereits einen Betrugsversuch bei einer Auslandsüberweisung erlebt zu haben. 44 Prozent sorgen sich zudem um KI-Deepfakes, die Familienmitglieder imitieren.
Vira Platonova, globale Leiterin von Visa Direct, verweist darauf, dass für Menschen, die auf grenzüberschreitende Geldtransfers als Lebensader angewiesen sind, Vertrauen der ausschlaggebende Faktor ist. Diese Logik passt auch zu Ansätzen wie dem jüngsten Kapitalzufluss bei dtcpay nach seiner Series-A-Finanzierung, wo regulierte Stablecoin-Zahlungswege explizit als Vertrauenshebel positioniert werden.
Visa baut Stablecoin-Infrastruktur aus, Verbraucherschutz bleibt offen
Während die Umfragewerte noch hypothetisch bleiben, ist Visas eigene Stablecoin-Abwicklung bereits real: Das annualisierte Volumen liegt inzwischen über 20 Milliarden US-Dollar, nachdem es beim Start der USDC-Abwicklung auf Solana im Dezember des Vorjahres noch bei einer Run-Rate von 3,5 Milliarden US-Dollar lag. Im August kamen über den Anbieter Zerohash zusätzlich Stablecoin-Auszahlungen bei Visa Direct hinzu.
Zur Größenordnung des Gesamtmarkts verweist Visa auf eine Einschätzung von BlackRock, wonach die Marktkapitalisierung von Stablecoins in diesem Monat die Marke von 300 Milliarden US-Dollar überschritten hat, bei einem bereinigten Transaktionsvolumen von mehr als 11 Billionen US-Dollar im Vorjahr. Ob und wann daraus tatsächliche bankähnliche Schutzstandards für Endkunden werden, lässt die Studie offen – sie liefert lediglich den Beleg, dass genau das der Hebel für breitere Akzeptanz wäre.
Quelle: Decrypt