TeraWulf & Anthropic: 19 Mrd. Dollar Deal transformiert Miner

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Martin Schwarz hat einen MSc. in Wirtschaftsinformatik mit Schwerpunkt auf asymetrische Kryptographie und M2M-Kommunikation. Er ist seit 2015 im Bereich Bitcoin und Kryptowährungen unterwegs und seit...

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TeraWulf hat einen 20-jährigen Leasingvertrag mit Anthropic für einen 401 MW starken KI-Rechenzentrumscampus am Standort „Justified Data“ in Hawesville, Kentucky, unterzeichnet. Dieser Deal sichert dem Unternehmen vertraglich vereinbarte Einnahmen von rund 19 Milliarden US-Dollar – eine Summe, die die aktuelle Marktkapitalisierung des Bitcoin-Miners von etwa 12 Milliarden US-Dollar deutlich übersteigt.

Dieses Abkommen wirft eine entscheidende Frage auf: Ab welchem Punkt hört WULF auf, als bloßer Proxy für Bitcoin (BTC) gehandelt zu werden, und beginnt, die Bewertung eines Infrastruktur-REITs anzunehmen?

Die Aktien stiegen am 6. Juli im Tagesverlauf um bis zu 19 %, bevor sie den Handel mit einem Plus von etwa 4 % beendeten. Diese Abschwächung vom Tageshoch bis zum Börsenschluss ist bemerkenswert. Sie deutet darauf hin, dass der Markt trotz der beeindruckenden Schlagzeilen das Ausführungsrisiko einpreist – ein korrekter Reflex angesichts der mehrjährigen Aufbauphase, die noch bevorsteht.

TeraWulf-CEO Paul Prager erklärte gegenüber CNBC: „Der Mietvertrag mit Anthropic validiert unsere Strategie und etabliert einen langfristigen Einnahmestrom mit einem der weltweit führenden KI-Unternehmen.“ Laut einem Bericht des Wall Street Journal wird die Vereinbarung durch das starke Investment-Grade-Kreditrating von Anthropic gestützt. Dies ist strukturell von Bedeutung: Langfristige Einnahmen, die auf Investment-Grade-Papieren basieren, stellen eine fundamental andere Anlageklasse dar als Hashrate-abhängige Block-Rewards.

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Was der Kentucky-Deal mit Anthropic für TeraWulf bedeutet

Der Rechenzentrumscampus in Kentucky wird in mehreren Phasen eine kritische IT-Last von etwa 401 MW für die Claude AI-Infrastruktur von Anthropic bereitstellen. Erste Kapazitäten sollen in der zweiten Jahreshälfte 2027 ans Netz gehen, der vollständige Ausbau ist für Anfang 2028 geplant.

Der Standort Justified Data befindet sich auf einem ehemaligen Gelände von Century Aluminum. Dies verschafft TeraWulf einen bestehenden Zugang zu massiver Stromkapazität von rund 480 MW sowie Raum für Erweiterungen. Ein solcher sofort einsatzbereiter Stromzugang („shovel-ready“) ist genau das, was KI-Labore in ihrem engen Zeitplan kaum selbst realisieren können.

Bei branchenüblichen Investitionskosten (Capex) von etwa 8 bis 10 Millionen US-Dollar pro MW für HPC-Infrastruktur impliziert der 401-MW-Ausbau einen Kapitalbedarf zwischen 3,2 und 4 Milliarden US-Dollar.

Obwohl diese Zahl nicht in den Schlagzeilen steht – dort dominieren die 19 Milliarden US-Dollar an vertraglich zugesicherten Einnahmen –, ist sie die entscheidende Variable. Sie wird darüber entscheiden, ob dieser Deal in den nächsten 24 Monaten den Eigenkapitalwert steigert oder mindert. TeraWulf hat die vollständige Finanzierungsstruktur für den Campus in Kentucky bisher noch nicht detailliert offengelegt.

Anthropic ist nicht das einzige KI-Labor, das so aggressiv auf Stromkapazitäten setzt. Berichten zufolge hat das Unternehmen bereits rund 3,5 GW an KI-Rechenkapazität über verschiedene Deals gesichert. Benzinga merkt zudem an, dass auch IREN Verträge mit Anthropic unterzeichnet hat. Dies positioniert TeraWulf als Teil einer wachsenden Gruppe ehemaliger Bitcoin-Mining-Betreiber, die nun als spezialisierte Vermieter für KI-Infrastruktur fungieren.

Der KI-Infrastruktur-Zyklus, der diese Verpflichtungen antreibt, zeigt derzeit keinerlei Anzeichen einer Verlangsamung.

Kapitalrecycling und der Ausstieg aus Abernathy

Parallel zur Anthropic-Ankündigung bestätigte TeraWulf den Verkauf seiner 50,1-prozentigen Mehrheitsbeteiligung am Abernathy Joint Venture – einem 168-MW-KI-Rechenzentrumsprojekt in Texas aus dem Jahr 2025 – an eine Investorengruppe unter der Leitung von Fluidstack.

Das Unternehmen gab an, dass die Transaktion die Investition von rund 450 Millionen US-Dollar mit einem Aufschlag auf das investierte Kapital monetarisiert, so Reuters. Dies ist ein wichtiger Datenpunkt: Er zeigt, dass TeraWulf bereits Gewinne aus seinem Schwenk weg vom reinen Crypto-Mining realisiert, noch bevor das erste Rack in Kentucky in Betrieb geht.

Die Logik hinter dem Abernathy-Ausstieg ist einleuchtend. Anstatt eine Minderheitsbeteiligung an einem Joint Venture zu halten, das es nicht kontrolliert, reinvestiert TeraWulf das Kapital in zu 100 % eigene Infrastruktur, um die volle Margenprofil zu sichern.

CoinShares schätzt, dass künftig bis zu 70 % der Einnahmen börsennotierter Miner aus dem KI-Hosting stammen könnten, sofern sie langfristige Verträge sichern. Ein solcher Wandel verändert den gesamten Bewertungsrahmen für Unternehmen wie TeraWulf grundlegend.

Die 20-jährige Leasingstruktur ist dabei neben der reinen Dollarsumme das bedeutendste Element. Für Investoren, die WULF bisher als gehebelte Wette auf den Bitcoin-Preiszyklus nutzten, stellt diese Laufzeit eine echte Veränderung des Geschäftsmodells dar. Langfristige Infrastruktur mit festen Einnahmen erzeugt ein völlig anderes Ertragsprofil: berechenbarer, weniger volatil und zunehmend vergleichbar mit einem Rechenzentrumsbetreiber statt mit einem Rohstoffproduzenten. Dies ist das Risiko, das Miner wie TeraWulf bewusst eintauschen: weg von der direkten Abhängigkeit von BTC-Preisschwankungen und der Kompression des Hashpreises nach dem Halving.

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