77% Zinssenkungswahrscheinlichkeit: Was das für Bitcoin und Krypto bedeutet

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Apr. 2026
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Steffen Bösweich ist Redakteur und Hauptautor bei Cryptonews DE. Seit mehreren Jahren schreibt er über Kryptowährungen und berichtet täglich über aktuelle Entwicklungen im Kryptomarkt. Er legt...

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Die Terminmärkte senden ein klares Signal: Laut aktuellen Kalshi-Daten sehen Trader eine 77-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass die US-Notenbank Federal Reserve vor 2026 insgesamt drei Zinssenkungen vornimmt. Das ist kein Randphänomen mehr – es ist eine strukturelle Neupositionierung institutioneller Kapitalflüsse, die den Risikoappetit in Aktien und Krypto gleichermaßen beeinflusst.

Was die Terminmärkte konkret einpreisen

Das Bild, das sich aus mehreren Datenquellen zusammensetzt, ist bemerkenswert konsistent. Das CME FedWatch Tool – das Standardinstrument zur Ableitung impliziter Zinssenkungswahrscheinlichkeiten aus Fed-Funds-Futures – wies nach unerwartet schwachen US-Inflationsdaten eine Wahrscheinlichkeit von rund 70 Prozent für eine Senkung im Juni aus. Für Dezember taxieren Anleihe-Futures eine Senkung um 25 Basispunkte bereits mit rund 87 Prozent.

Besonders auffällig ist die Einschätzung der Hamburg Commercial Bank zum FOMC-Meeting vom 28./29. Oktober 2025: Das Institut erwartet dort eine Senkung von 4,00–4,25 auf 3,75–4,00 Prozent – und die Märkte haben diesen Schritt laut der Analyse bereits mit nahezu 99 Prozent Wahrscheinlichkeit eingepreist. Der Zinssenkungs-Trade ist damit für diesen Termin faktisch abgeschlossen; die Frage ist nur noch, ob die Fed liefert.

Historische Einordnung: Warum dieser Zyklus anders gelesen wird

Der Markt hat sich in den letzten 18 Monaten mehrfach zu früh auf Zinssenkungen positioniert. Robuste US-Arbeitsmarktdaten und hartnäckige Kerninflation zwangen Investoren 2024 und früh 2025 wiederholt zu Korrekturen ihrer Erwartungen – Positionen wurden aufgelöst, Risikoassets litten entsprechend. Commerzbank-Ökonom Christoph Balz hatte für Mai eine erste Senkung erwartet, mit einer zweiten im Juni; Terminmärkte priesen zum 1. Mai eine Wahrscheinlichkeit von rund 68 Prozent für diesen Schritt ein.

Kurzfristig bleibt also Vorsicht angebracht – jedes neue Inflations- oder Arbeitsmarktupdate kann diese Wahrscheinlichkeiten abrupt verschieben. Übergeordnet aber hat sich die Narrative gedreht: Der US-Leitzins befindet sich nach dem Hoch von über 5 Prozent auf einem strukturellen Rückführungspfad Richtung 3–4 Prozent, und die Fed kommuniziert das inzwischen ohne die früheren Falken-Korrekturen.

Krypto-Reaktion: Kapitalflüsse als Frühindikator

Die Verbindung zwischen Fed-Erwartungen und Krypto-Performance ist keine These mehr – sie zeigt sich in konkreten Kapitalströmen. US-Bitcoin-ETFs verzeichneten zuletzt die stärksten Zuflüsse seit zwei Monaten, ein direkter Reflex institutioneller Portfoliomanager, die ihre Risikoallokation in Erwartung günstigerer Finanzierungsbedingungen hochfahren. ETF-Zuflüsse (Exchange Traded Funds, börsengehandelte Indexfonds) gelten hier als verlässlicherer Indikator als kurzfristige Preisbewegungen, weil sie Absichtserklärungen mit echten Kapitalentscheidungen verbinden.

Parallel dazu reagierte der breitere Kryptomarkt auf das verbesserte Makroumfeld mit zweistelligen Kursgewinnen bei mehreren Large-Cap-Assets. Ethereum, Solana und Hyperliquid legten in diesem Kontext zweistellig zu – ein Muster, das historisch in frühen Zinssenkungsphasen wiederkehrt, wenn sich Liquiditätserwartungen vor der eigentlichen Lockerung in den Preisen materialisieren.

Bitcoin and Ethereum coins in front of a digital trading chart.
Photo by DS stories on Pexels

Genau hier liegt die analytische Spannung: Bitcoin und Risikoassets generell preisen Zinssenkungen oft vor dem ersten tatsächlichen Cut ein. Das bedeutet, dass ein Teil des Makro-Rückenwinds bereits im Kurs steckt – und eine enttäuschte Fed den gleichen Trade brutal drehen kann.

Ausblick: FOMC-Termine als Trigger

Die entscheidenden Katalysatoren für die nächsten Wochen sind klar definiert. Jedes neue CPI- (Consumer Price Index, US-Verbraucherpreisindex) oder Arbeitsmarkt-Release verschiebt die impliziten Wahrscheinlichkeiten im FedWatch Tool und damit direkt den Risikoappetit im Krypto-Segment. Warum sich für Bitcoin in diesem Monat entscheidende Weichen stellen könnten, hängt genau an dieser Datenlage.

Sollte die Fed beim Oktober-Meeting wie erwartet liefern und die Kommunikation für weitere Cuts im Dezember offen halten, dürfte das die strukturell bullische Positionierung institutioneller Investoren in Bitcoin und Ethereum festigen. Bleibt die Inflation hingegen stickier als erwartet und zwingt die Fed zu einer Pause, ist eine abrupte Neugewichtung der 77-Prozent-Wette das wahrscheinlichste Szenario – mit entsprechenden Konsequenzen für Risikoassets.

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