STRC-Kollaps: Institutionelle Investoren lösen Strategy als Bitcoin-Käufer ab

Der Zusammenbruch von Strategys Perpetual-Preferred-Aktie STRC (Stretch) – von 100 US-Dollar Nennwert auf unter 75 US-Dollar – markiert nach Einschätzung von Bitwise-Chefinvestor Matt Hougan eine strukturelle Zäsur am Bitcoin-Markt. Die jahrelange Dominanz des Unternehmens als primärer marginaler Käufer dürfte im nächsten Zyklus nicht mehr zu halten sein – und institutionelle Käufer rücken an ihre Stelle.
STRC-Kollaps trifft Bitcoin auf 21-Monatstief
Das STRC-Papier – eine unbefristete Vorzugsaktie, deren Erlöse Strategy zum Erwerb weiterer Bitcoin-Bestände nutzten – war konzeptionell als stabiles hochverzinsliches Instrument vermarktet worden. Als der Kurs Ende Juni scharf unter die implizite Kursgarantie von 100 US-Dollar brach, ließ das Marktvertrauen in das gesamte Modell nach. Am 25. Juni fiel Bitcoin auf ein 21-Monatstief von 58.190 US-Dollar.

Strategy reagierte mit einer Ausweitung seiner US-Dollar-Reserve auf 2,55 Milliarden US-Dollar und signalisierte die Bereitschaft, bei Bedarf Bitcoin zur Dividendenfinanzierung zu verkaufen. Damit ist die Richtung klar: Das Unternehmen, das bislang als einseitiger, nahezu bedingungsloser Bitcoin-Akkumulator galt, muss nun erstmals Liquiditätsmanagement vor weiteren Zukäufen priorisieren.
Hougan beschreibt die Lage direkt: „For years, Strategy has been the most dominant Bitcoin buyer in the world and a one-way source of Bitcoin demand. Those days are likely over.“ Er ergänzt, Strategy werde im nächsten Zyklus schlicht eine weniger zentrale Figur sein als im letzten.
Klassische Spätzyklusdynamik – kein Solvenzproblem
Hougan ordnet den STRC-Vorfall als „classic end-of-cycle dynamics“ ein und zieht eine direkte Parallele zum Kollaps der Grayscale-GBTC-Prämie im Jahr 2021 – ebenfalls ein Moment, in dem Finanzierungsstrukturen, die nicht zu Bitcoin passten, unter Druck aufgelöst wurden. „Money searching for high yields and low volatility was used to buy Bitcoin, which offers neither,“ so Hougan. „This money never really fit Bitcoin. And so, it needs to be cleared out before we can find a bottom.“
Was die Bilanz betrifft, sind die Zahlen eindeutig: Strategy hält 847.363 Bitcoin – rund vier Prozent des gesamten Umlaufangebots – bei liquiden Mitteln von 52 Milliarden US-Dollar gegenüber Verbindlichkeiten von sieben Milliarden US-Dollar. Ein echter Liquiditätsstress entstünde erst bei einem Bitcoin-Kurs von rund 18.500 US-Dollar – einem Rückgang von etwa 70 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau. Mit dem heutigen Bestand könnte Strategy die STRC-Dividenden rechnerisch für die nächsten 28 Jahre bedienen, ohne neue Käufe zu tätigen. Dass weitergehende institutionelle Analysen auf eine mögliche Bodenbildung im aktuellen Marktumfeld hindeuten, passt in dieses Bild.
Genau deshalb hält Hougan die Panik für überzogen – erwartet aber zugleich keine Rückkehr zur alten Rolle. Strategy werde im nächsten Bullenmarkt ein Nettokäufer bleiben, jedoch ohne die strukturelle Hebelwirkung über STRC-Emissionen in bisherigem Ausmaß. Das verändert den Charakter des Unternehmens: weniger aggressiver Bitcoin-Akkumulator, mehr hybrides Vehikel aus BTC-Exposure, Dividendenrendite und Kreditrisiko.
Strive-CEO: Marktreaktion war übertrieben
Strive-CEO Matt Cole argumentiert gegenüber NovaDius-Wealth-Management-Präsident Nate Geraci, dass die mediale Aufmerksamkeit für den STRC-Vorfall den tatsächlichen systemischen Einfluss Strategys weit überzeichnet habe. Sein Kernargument: „If one person owned 4%, you don’t even have to report that publicly to the SEC because the SEC deems 4% to be immaterial. They start to view a position to be material at 5%.“ Ein Einzelakteur mit vier Prozent des Bitcoin-Angebots unterschreite damit formal die Wesentlichkeitsschwelle der US-Börsenaufsicht.
Cole zufolge hat der STRC-Vorfall Bitcoin stärker belastet, als der fundamentale Einfluss Strategys rechtfertigen würde. Das sei ein Zeichen dafür, dass der Markt in einer Phase erhöhter Sensibilität auf Sentiment-Trigger reagiert – nicht auf strukturelle Risiken. Vor diesem Hintergrund bewerten Bitwise und andere institutionelle Beobachter die aktuelle Schwächephase als potenziellen Boden, nicht als Beginn eines nachhaltigen Abwärtstrends.
Institutionelle Investoren als neuer Nachfragetreiber
Hougan sieht Investmentbanken, Asset Manager, Pensionskassen, Stiftungsvermögen und Staatsfonds als die natürlichen Nachfolger Strategys als primäre Bitcoin-Nachfragetreiber. Dieser Übergang ist nicht neu – er zeichnete sich mit dem Start der US-Spot-Bitcoin-ETFs ab –, aber der STRC-Vorfall beschleunigt ihn, weil er demonstriert, dass hochlevered Finanzierungsstrukturen keinen dauerhaften Käufer ersetzen können.

Für die Marktstruktur bedeutet das: Die Nachfrage im nächsten Zyklus dürfte gleichmäßiger verteilt, weniger einzelakteurabhängig und damit volatilitätsarmer in ihrer Zusammensetzung sein – auch wenn die Implikationen für den Kurspfad umstritten bleiben. Wie sich institutionelle Zuflüsse konkret auf die Bodenbildung auswirken, diskutieren mehrere institutionelle Analysten derzeit kontrovers. Entscheidend wird sein, wie schnell das bei STRC gebundene Kapital abgebaut wird und ob neue institutionelle Allokationen diese Lücke zügig schließen können.
