MiCAR-Lizenz: Für KuCoin EU ist die Zulassung erst der Anfang

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Steffen Bösweich ist Redakteur und Hauptautor bei Cryptonews DE. Seit mehreren Jahren schreibt er über Kryptowährungen und berichtet täglich über aktuelle Entwicklungen im Kryptomarkt. Er legt...

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Mit der vollständigen Anwendung der MiCAR (Markets in Crypto-Assets Regulation, Verordnung EU 2023/1114) seit Dezember 2024 betritt Europas Kryptomarkt eine neue Phase – und die Branche merkt, dass eine Lizenz nicht das Ziel, sondern der Ausgangspunkt ist. Audrey Lim, Managing Director bei KuCoin EU, hat das in einem Interview mit BeInCrypto auf den Punkt gebracht: Die strategische Frage lautet nicht mehr, wie man eine Zulassung erhält, sondern wie man danach operiert.

Lizenz als Startpunkt, nicht als Endpunkt

KuCoin EU ist als Crypto-Asset Service Provider (CASP) – also als regulierter Krypto-Dienstleister – unter Aufsicht der österreichischen Finanzmarktaufsicht (FMA) zugelassen. Lim beschreibt den aktuellen Diskurs, den sie zuletzt bei Branchentreffen in Wien und Paris verfolgt hat, als einen klaren Paradigmenwechsel: „Das Gespräch bewegt sich über das reine Erlangen einer Lizenz hinaus und richtet den Fokus darauf, wie Unternehmen nach der Lizenzierung arbeiten.” Governance-Standards, Investorenschutz und operative Belastbarkeit stehen im Vordergrund.

MiCAR schafft erstmals ein einheitliches Regelwerk für alle Krypto-Assets, die nicht bereits unter MiFID II fallen – darunter Utility Token und viele Stablecoins. Entscheidend für den Markt ist das EU-Passporting: Eine Zulassung bei einer nationalen Behörde wie der FMA oder der deutschen BaFin reicht aus, um in allen 27 Mitgliedstaaten tätig zu werden. Das ersetzt das bisherige Flickwerk aus nationalen Registrierungen wie dem deutschen Kryptoverwahrgeschäft oder dem französischen PSAN-Register.

Operative Reife als Wettbewerbsvorteil

Lim argumentiert, dass im regulierten europäischen Umfeld langfristiger Geschäftserfolg unmittelbar von Vertrauen abhängt. „Mehr regulatorische Klarheit schafft die Voraussetzung für stärkeres Vertrauen der Verbraucher, eine höhere Beteiligung institutioneller Halter und letztlich für einen gesünderen und wettbewerbsfähigeren Markt in Europa”, betont sie. Dieser Mechanismus gilt auch für Produkte jenseits des Spot-Handels – etwa für regulierte Anlagevehikel, wie sie parallel in den USA entstehen, wo Emittenten wie BlackRock mit dem IBIT-ETF institutionelle Standards für Bitcoin-Produkte setzen.

Für CASPs unter MiCAR sind die Anforderungen konkret: Eigenmittel von mindestens 150.000 Euro für Handelsplattformen, strikte Segregation von Kundengeldern, IT-Sicherheits- und Interessenkonflikt-Regeln sowie laufende AML/CTF-Pflichten, die mit der neuen EU Anti-Money Laundering Authority (AMLA) und der EU Travel Rule verknüpft sind. Wer das als bürokratische Hürde behandelt, riskiert laut Lim seinen Marktzugang.

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Europa 2026 und 2030: Zeitplan mit Substanz

Lim setzt konkrete Meilensteine: Bis Ende 2026 sollte MiCAR nachweisbar Innovation und verantwortungsvolles Wachstum mit spürbarer Markttiefe fördern. Bis 2030 sieht sie Europa als eines der führenden regulierten Ökosysteme für digitale Assets – vorausgesetzt, die Balance zwischen Kapitalanforderungen und Innovationsoffenheit bleibt erhalten. Kritiker, darunter das Institut der deutschen Wirtschaft, warnen, dass zu restriktive Stablecoin-Regeln und Kapitalpuffer Innovation ins Ausland treiben könnten.

Close-up of various Euro banknotes including 20, 100, and 200 Euro bills.
Photo by Ibrahim Boran on Pexels

Vollständig dezentralisierte Protokolle bleiben vorerst außerhalb des direkten MiCAR-Anwendungsbereichs, doch ESMA und die europäischen Aufsichtsbehörden haben DeFi bereits als nächste Regulierungsfront benannt. Für regulierte Marktteilnehmer bedeutet das: Die Compliance-Infrastruktur, die heute aufgebaut wird, ist keine einmalige Investition, sondern die Grundlage für ein sich weiterentwickelndes Aufsichtsregime. Lim bringt es auf eine knappe Formel: „Eine Lizenz ist ein wichtiger Meilenstein, aber erst der Anfang.”

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