IBIT als Trojanisches Pferd: Wie BlackRock Bitcoin-Hodler zu ETF-Anlegern macht

BlackRocks iShares Bitcoin Trust (IBIT) entwickelt sich nicht nur zum Einstiegsprodukt für traditionelle Anleger, sondern auch zum Brückenkopf für Bitcoin-Hodler in die klassische Vermögensverwaltung. Jay Jacobs, US-Chef für Equity-ETFs bei BlackRock, beschreibt damit eine strukturelle Verschiebung, die über den bloßen Kapitalzufluss in einen Bitcoin-Fonds weit hinausgeht. Genau das ist der Kern dessen, was BlackRock intern als „Great Convergence” bezeichnet.
75 Prozent der IBIT-Käufer: kein ETF-Vorwissen
Das entscheidende Datenpunkt, den Jacobs in einem Interview mit Cointelegraph nannte: Rund drei Viertel der IBIT-Investoren hatten vor dem Kauf noch nie ein ETF-Produkt gehalten. Der iShares Bitcoin Trust – im Januar 2024 aufgelegt – verwaltete zuletzt rund 48 Milliarden US-Dollar und hält 765.936 BTC. Damit ist IBIT nicht nur nach Volumen, sondern auch nach Anlegerstruktur ein Sonderfall im ETF-Universum.
Jacobs beschreibt das Muster folgendermaßen: Viele Anleger betreten die BlackRock-Plattform über digitale Asset-ETPs, kaufen dann jedoch anschließend klassische Indexfonds wie den S&P 500 ETF (IVV), einen KI-ETF oder den Gold-ETF IAU. „We absolutely see it as this is a way to engage with a different group of people than maybe we’ve engaged with in the past”, betont Jacobs. IBIT fungiert damit als Akquise-Kanal für eine Zielgruppe, die für traditionelle Vertriebswege bislang unerreichbar war.
Great Convergence: Vom Versus zum Und
Jacobs argumentiert, dass die klassische Trennlinie zwischen DeFi und TradFi, zwischen aktiv gemanagten Fonds und Indexstrategien sowie zwischen privaten und börsennotierten Vermögenswerten zunehmend verschwimmt. Anleger suchten nicht länger nach einem Entweder-oder, sondern nach integrierten Portfoliolösungen. „I think you’re gonna hear a lot less about versus, TradFi versus DeFi, and a lot more ampersands”, beschreibt Jacobs die Richtungsänderung des Diskurses.
Ein konkretes Produktsignal für diese Strategie: BlackRock hat parallel den iShares Bitcoin Premium Income ETF (BITA) aufgelegt. BITA – ein Covered-Call-ETF auf Bitcoin-Bestände – generiert laufende Einnahmen, indem Kaufoptionen auf die gehaltenen BTC-Positionen verkauft werden. Das Produkt richtet sich an Anleger, die Bitcoin-Exposure mit einem einkommensorientierten Overlay verbinden wollen, also eine klassische Options-Strategie aus dem Aktienmarkt auf digitale Assets übertragen. BlackRock baut damit erkennbar ein ETF-Regal rund um Bitcoin auf, statt IBIT als Einzel-Experiment zu betreiben.
Den strukturellen Unterbau dieser Konvergenz hat BlackRock laut Jacobs über mehrere Jahre aufgebaut: eine tiefe technische Integration digitaler Assets in die hauseigene Aladdin-Plattform, die Portfoliomanagern erstmals ermöglicht, BTC neben Aktien und Anleihen in einer einheitlichen Risikoübersicht zu führen. Finanzberater auf großen US-Bankplattformen, die digitale Assets zuvor aus Compliance-Gründen nicht anbieten durften, erhielten durch IBIT einen regulatorisch konformen Zugang zu dieser Assetklasse.
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Pre-IPO-Perps als weiteres Konvergenzsignal
Ein weiterer Datenpunkt, der die Richtung des Markts illustriert: Pre-IPO Perpetual Futures – also unbefristete Derivate auf Unternehmen, die noch nicht öffentlich gehandelt werden – haben laut CryptoQuant ihr Handelsvolumen von rund einer Milliarde US-Dollar Anfang Mai auf etwa 22 Milliarden US-Dollar gesteigert. Binance hat sich dabei als größte Handelsplattform für dieses Segment etabliert. Anleger konnten damit etwa bereits vor dem SpaceX-Börsengang Exposure in das Unternehmen aufbauen – ein Beispiel dafür, wie Krypto-native Handelsinfrastruktur Zugang zu bislang institutionell reservierten Märkten demokratisiert.
Die Entwicklung zeigt: Die Konvergenz verläuft nicht nur in eine Richtung. Während IBIT Bitcoin-Hodler in ETF-Strukturen zieht, bringt die Pre-IPO-Perp-Mechanik Private-Equity-ähnliche Exposure auf Krypto-Plattformen. Beide Bewegungen folgen derselben Logik – Anleger wollen Zugang zu mehr Assetklassen über weniger Infrastrukturbrüche. Coinbase verfolgt eine ähnliche Strategie, indem die Plattform sich systematisch als Schnittstelle zwischen on-chain Liquidität und traditionellen Kapitalmärkten positioniert.

Institutionelle Adoption: noch in frühem Stadium
Trotz der beeindruckenden AUM-Entwicklung – IBIT erreichte die 20-Milliarden-Marke in weniger als fünf Monaten – verweist Jacobs darauf, dass die institutionelle Durchdringung noch begrenzt ist. Bitcoin sei in traditionellen Portfolios weiterhin unterrepräsentiert; die Mehrzahl institutioneller Investoren habe die Assetklasse noch nicht in ihre Standardallokation aufgenommen. 21Shares geht für Bitcoin im dritten Quartal von weiteren Kursgewinnen aus – eine Einschätzung, die auf genau dieser Annahme noch ausstehender institutioneller Nachfrage basiert.
Sollte BlackRock die IBIT-Plattform konsequent durch weitere Produkte wie BITA ergänzen und die Advisor-Kanäle breiter erschließen, dürfte die Zahl aktiver ETF-Nutzer mit vorherigem Krypto-Background weiter wachsen. Entscheidend wird sein, ob die Cross-Selling-Dynamik – Bitcoin-Hodler kaufen anschließend Aktien- und Gold-ETFs – sich als strukturelles Muster verstetigt oder ob sie auf den speziellen Marktzyklus 2024 zurückzuführen ist. Diese Frage lässt sich erst mit den Fluss- und Haltedaten der nächsten zwölf Monate belastbar beantworten.
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