BoE senkt Stablecoin-Reservepflicht auf 30 % – Großbritannien wird wettbewerbsfähiger

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Steffen Bösweich ist Redakteur und Hauptautor bei Cryptonews DE. Seit mehreren Jahren schreibt er über Kryptowährungen und berichtet täglich über aktuelle Entwicklungen im Kryptomarkt. Er legt...

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Die Bank of England hat ihren Regulierungsrahmen für systemisch relevante Sterling-Stablecoins erneut angepasst und bewegt sich dabei deutlich auf die Industrie zu. Nach jüngsten Konsultationsergebnissen soll die Mindestquote für Zentralbankeinlagen auf 30 Prozent der Reserven abgesenkt werden – ein erheblicher Rückzug von früheren Positionen, der das britische Regime wettbewerbsfähiger gegenüber US-amerikanischen Ansätzen macht.

Vom 100-Prozent-Modell zur gestaffelten Reserve

Die Ausgangslage war deutlich restriktiver: Im Diskussionspapier von 2023 plante die BoE noch eine vollständige Hinterlegung bei der Zentralbank – unverzinst, was Stablecoin-Emittenten jede Ertragsgrundlage entzogen hätte. Das Konsultationspapier vom November 2025 korrigierte dies auf eine Mindestquote von 40 Prozent in unverzinsten BoE-Einlagen, ergänzt durch bis zu 60 Prozent in kurzlaufenden britischen Staatsanleihen (Gilts). Die aktuell kommunizierte Absenkung auf 30 Prozent setzt diesen Lockerungstrend fort.

Parallel dazu ersetzt die BoE die früher diskutierten Haltelimits – 20.000 Pfund je Privatperson, zehn Millionen Pfund je Unternehmen – durch eine Emissionsobergrenze von 40 Milliarden Pfund pro Stablecoin. Marktbeobachter werten dies als systemisch pragmatischeren Ansatz: Die Deckelung begrenzt Klumpenrisiken auf Emittentenebene, ohne den Wholesale-Einsatz operativ zu blockieren.

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FSMA 2023 als gesetzlicher Rahmen

Das Stablecoin-Regime ist eingebettet in den Financial Services and Markets Act (FSMA) 2023 – das britische Reformpaket, das nach dem Brexit eine eigenständige Finanzmarktarchitektur etabliert. Ab 2026 wird für die Ausgabe von Stablecoins im britischen Zahlungsverkehr eine explizite Zulassung durch BoE oder FCA (Financial Conduct Authority) erforderlich sein. Großbritannien positioniert sich damit als eines der ersten großen Rechtssysteme mit einem dedizierten Rahmenwerk für systemische Stablecoins – vergleichbar mit der europäischen MiCA-Verordnung, aber stärker auf das britische Währungssystem zugeschnitten.

Kapital- und Abwicklungsanforderungen runden das Paket ab: Emittenten müssen entweder das größte plausible Verlustereignis oder sechs Monate Betriebskosten durch dediziertes Eigenkapital abdecken, plus separate Mittel für eine geordnete Insolvenz und die Rückführung von Kundengeldern.

Industriereaktion und Marktimplikation

Rechtskanzleien und Marktkommentatoren beschreiben die Entwicklung einheitlich als wichtige Annäherung an kommerzielle Realitäten. Die Kombination aus mehrheitlichem Gilt-Anteil und dem Wegfall individueller Haltelimits öffnet das Modell für Anwendungsfälle im Wholesale-Zahlungsverkehr und in DeFi-Protokollen – Bereiche, in denen GBP-Stablecoins bislang kaum eine Rolle spielten. Für Emittenten, die bisher auf Dollar-denominierte Stablecoins gesetzt haben, entsteht erstmals ein wirtschaftlich tragfähiger Einstiegspunkt in den britischen Markt.

Relevant ist die Entwicklung auch im Kontext institutioneller Krypto-Produkte: Während die BoE ihre Reserveanforderungen präzisiert, arbeiten Vermögensverwalter wie Morgan Stanley an ETF-Strukturen mit eigenen Custody- und Reserve-Anforderungen für ETH und SOL, was zeigt, wie stark regulatorische Detailfragen inzwischen die Produktarchitektur bestimmen.

Various cryptocurrency coins including Bitcoin, Ethereum, and Litecoin arranged in a grid.
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Die finalen Regeln erwartet die BoE in der zweiten Jahreshälfte 2026, mit Übergangszeiträumen bis 2027. Offen bleibt, wie das Regime mit einem möglichen digitalen Pfund interagiert – das Projekt befindet sich noch in der Designphase ohne konkreten Umsetzungszeitplan. Bis dahin dürften vor allem US-amerikanische und europäische Stablecoin-Emittenten die Konsultationsergebnisse genau verfolgen: Das britische Modell könnte zum Referenzpunkt für die nächste Regulierungsrunde werden.

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