Strategy-Aktie STRC fällt auf 91 Dollar: Investoren zweifeln an BTC-Kaufstrategie

Strategys variable-rate Perpetual Preferred Stock STRC – intern als „Stretch” bezeichnet – ist am Dienstag auf 91,79 US-Dollar gefallen und notiert damit 8,2 Prozent unter seinem Ziel-Nennwert von 100 Dollar. Das Kursniveau signalisiert, dass der Markt die fortgesetzte Bitcoin-Akkumulation des Unternehmens nicht mehr bedingungslos mitfinanzieren will.
STRC: Strukturelle Schieflage zwischen Dividendenversprechen und BTC-Hunger
STRC ist ein im Juli 2025 aufgelegtes Vorzugsaktieninstrument, mit dem Strategy frisches Kapital für weitere Bitcoin-Käufe einsammelt. Das Papier ist mit einer jährlichen Dividende von 11,5 Prozent auf den Nennwert von 100 Dollar ausgestattet, zahlbar in monatlichen Cash-Raten. Da der Kurs nun bei rund 92 Dollar liegt, ergibt sich für Neueinsteiger eine effektive Rendite von 12,5 Prozent – ein Aufschlag, der aber gleichzeitig den Vertrauensverlust der Halter dokumentiert.
Parallel dazu verlor die Stammaktie MSTR am selben Tag 6,35 Prozent und schloss bei 122,81 Dollar. Auf Zwölfmonatssicht steht MSTR damit mit einem Minus von 67 Prozent. Der kombinierte Kursverfall beider Klassen spiegelt dieselbe Kernsorge: Kann Strategy die Dividendenlasten tragen, während es weiterhin aggressiv Bitcoin kauft?
Dividendenlast von 1,2 Milliarden Dollar trifft auf schmale Deckungsreserven
Strategy meldete zuletzt den Kauf von 1.587 Bitcoin für rund 100 Millionen Dollar in der Vorwoche sowie 1.550 BTC für ebenfalls rund 100 Millionen Dollar in der Woche davor. Das Gesamtportfolio liegt damit bei 846.842 Bitcoin. Jede dieser Transaktionen bindet Kapital, das alternativ zur Bedienung der Dividendenverpflichtungen genutzt werden könnte.
Schätzungen auf Basis von rund 105 Millionen ausstehenden STRC-Anteilen ergeben eine jährliche Cash-Dividendenverpflichtung von annähernd 1,21 Milliarden Dollar allein aus dieser Tranche. Analysten kalkulieren, dass Strategy bei einem Bitcoin-Kurs im Bereich von 65.000 Dollar ohne Neuemissionen oder BTC-Verkäufe nur noch rund sieben Monate Deckungsreserven für diese Zahlungen hat – ein Zeithorizont, der die ohnehin erhöhte Risikowahrnehmung institutioneller Investoren gegenüber Bitcoin-Strategien weiter schürt.
Genau hier liegt die eigentliche Konfliktlinie: Das Instrument STRC ist so konstruiert, dass Strategy bei einem anhaltenden VWAP unter 99 Dollar den Kupon nach oben anpassen kann, um den Kurs zurück zur Nennwertmarke zu ziehen. Dieser Mechanismus setzt aber voraus, dass der Markt dem Gesamtkonstrukt grundsätzlich vertraut – ein Vertrauen, das derzeit erkennbar erodiert.
Analysten: Markt will Dividende statt BTC-Akkumulation
Markus Thielen, CEO von 10x Research, beschreibt den Rückgang als direkte Reaktion auf die jüngsten Kaufankündigungen. Der Markt bevorzuge es, dass Strategy die Liquidität zur Dividendenbedienung nutze, anstatt sie in weitere Bitcoin-Käufe zu lenken – die fortgesetzte Akkumulation werde von Tradern als „nicht tragfähiger Pfad für STRC” eingestuft.
Nick Ruck, Director bei LVRG Research, verweist zusätzlich auf das allgemeine Risk-off-Sentiment im Kryptomarkt und betont, dass neben der Kursschwäche insbesondere die expandierende Kapitalstruktur und das laufende At-the-Market-Programm (ATM-Issuance) – also die fortlaufende Ausgabe neuer Aktien zur Kapitalaufnahme – Druck auf das Instrument ausübten.
Wettbewerber SATA setzt die Messlatte höher
Verschärft wird die Lage durch den direkten Vergleich mit dem Konkurrenzprodukt: Strives SATA (Strive Asset Management Perpetual Variable-Rate Preferred Shares) handelt exakt bei 100 Dollar und bietet eine effektive Rendite von rund 13 Prozent. Das bedeutet: Wer das gleiche Risikoexposure in einem strukturell ähnlichen Instrument sucht, bekommt bei SATA eine höhere laufende Rendite ohne den Abschlag zum Nennwert.
Kurzfristig zeigt sich etwas Dip-Buying-Interesse – der Kurs erholte sich im nachbörslichen Handel leicht auf rund 92,78 Dollar. Strukturell aber bleibt der Druck bestehen, solange Strategy die Akkumulationsstrategie nicht verlangsamt oder neue Kapitalquellen erschließt. Institutionelle Investoren, die Bitcoin langfristig als strategisches Asset sehen – wie etwa im Kontext breiterer institutioneller Adoptionstendenzen diskutiert wird – sind nicht per se skeptisch gegenüber dem Bullcase. Die Frage ist schlicht, ob das Finanzierungsvehikel STRC die Kosten dieser Strategie tragen kann.
Ausblick: Nächste Dividendenankündigung als Lackmustest
Entscheidend wird sein, ob Strategy im Zuge der nächsten Quartalsberichte und Dividendenankündigungen konkrete Zahlen zur Deckungsreserve vorlegt. Sollte der VWAP von STRC dauerhaft unter 99 Dollar verbleiben, ist eine Kuponerhöhung über die bisherigen 11,5 Prozent hinaus vertraglich möglich – ein Signal, das die Attraktivität des Papiers kurzfristig stützen, mittelfristig aber die Dividendenlast weiter erhöhen würde. Wer an den langfristigen Bitcoin-Preispfad in Richtung sechsstelliger Niveaus glaubt, mag das Risiko für begrenzt halten. Wer es nicht tut, findet in SATA derzeit das attraktivere Instrument.
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