Brad Garlinghouse: Ripple stand nach SEC-Klage kurz vor der Auflösung

Ripple-CEO Brad Garlinghouse hat öffentlich eingeräumt, dass das Unternehmen nach der SEC-Klage im Dezember 2020 ernsthaft kurz vor der Auflösung stand. In einem Interview für den KU Hustle Podcast der University of Kansas School of Business, veröffentlicht am 8. Juli 2026, beschrieb Garlinghouse, wie das Führungsteam damals erwog, die Firma zu schließen und die gehaltenen XRP-Bestände anteilig an die Aktionäre auszuschütten.
Die Klage, die Ripple beinahe zerstörte
Die SEC warf Ripple vor, mit dem Verkauf von XRP über einen Zeitraum von mehreren Jahren insgesamt rund 1,3 Milliarden US-Dollar durch nicht registrierte Wertpapierangebote eingenommen zu haben. Die Klage traf das Unternehmen unmittelbar: Das US-Geschäft blieb nach Garlinghouses Einschätzung für etwa fünf Jahre weitgehend blockiert, da Börsen und Geschäftspartner auf Distanz gingen. Die Rechtskosten summierten sich auf über 150 Millionen US-Dollar.
Garlinghouse beschrieb das hypothetische Ausstiegsszenario in klaren Worten: Das Unternehmen hätte seine XRP-Bestände liquidiert, die Mittel verteilt und die Türen geschlossen. Er betonte jedoch, dass dieser Schritt zwar der einfachere gewesen wäre, aber Hunderte von Arbeitsplätzen gekostet hätte. „That was a difficult decision, and obviously I’m glad in retrospect, but that was not obvious at the time“, wird Garlinghouse in der Primärquelle zitiert.

Bemerkenswert ist der Kontext dieser Aussage: Garlinghouse verweist darauf, dass er zwischen 2017 und 2019 viermal mit SEC-Beamten zusammentraf, um das Geschäftsmodell von Ripple und die Rolle von XRP im Zahlungsverkehr zu erläutern. Die Regulatoren gaben in diesen Gesprächen keinen Hinweis darauf, dass XRP als Wertpapier eingestuft werden könnte.
Teilsieg 2023, Einigung 2025
Den entscheidenden Wendepunkt brachte im Juli 2023 eine gemischte Entscheidung von US-Bundesrichterin Analisa Torres: Sie befand, dass XRP-Verkäufe auf öffentlichen Börsen keine Wertpapiertransaktionen darstellen, während institutionelle Direktverkäufe anders bewertet wurden. Diese Unterscheidung hatte unmittelbare Marktrelevanz – XRP reagierte auf juristische Meilensteine im Verfahren regelmäßig mit deutlichen Kursbewegungen. Ripple wurde schließlich zu einer Zivilstrafe von 125 Millionen US-Dollar verurteilt und akzeptierte eine Unterlassungsanordnung bezüglich künftiger Wertpapierrechtsverstöße.

Das Verfahren endete formal im August 2025, nachdem beide Seiten ihre Berufungen zurückzogen. Parallel dazu hatte sich das regulatorische Klima in den USA unter SEC-Chef Paul Atkins und der Trump-Administration deutlich gewandelt: Die Behörde rückte von einer aggressiven Durchsetzungspolitik ab und priorisierte klassische Betrugsfälle gegenüber breiten Unternehmensstrafen. Grayscale etwa positioniert XRP inzwischen als zentrales Element einer globalen Zahlungsinfrastruktur – ein Narrativ, das ohne die rechtliche Klarheit aus dem Verfahren kaum denkbar wäre.
Präzedenzfall mit Nachwirkung
Das Ripple-Verfahren ist mehr als ein Kapitel Unternehmensgeschichte. Die Torres-Entscheidung hat die Debatte um Token-Klassifizierung in den USA strukturell verändert und beeinflusst seither ETF-Anträge, Börsenzulassungen und laufende Enforcement-Verfahren. Analysten beobachten, wie die regulatorische Klarheit rund um XRP die langfristigen Kursszenarien neu bewertet.
Für institutionelle Investoren bleibt die zentrale Lehre: Selbst eine existenzbedrohende Enforcement-Aktion kann durch konsequente Rechtsverteidigung abgewendet werden – vorausgesetzt, das Unternehmen verfügt über ausreichend Kapital und Rückhalt. Ripple hatte beides, knapp.
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