Doppellizenz für Circle France: USDC und EURC jetzt MiCA-konform

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Apr. 2026
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Steffen Bösweich ist Redakteur und Hauptautor bei Cryptonews DE. Seit mehreren Jahren schreibt er über Kryptowährungen und berichtet täglich über aktuelle Entwicklungen im Kryptomarkt. Er legt...

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Circle hat als erstes globales Stablecoin-Unternehmen die volle Konformität unter der MiCA-Verordnung (Markets in Crypto-Assets Regulation) erreicht – und setzt damit einen regulatorischen Benchmark, dem die gesamte Branche nun folgen muss. Der Schritt ist keine Formsache: Er verändert, wie USDC und EURC innerhalb der EU emittiert, verwahrt und gehandelt werden können, und stellt den bisherigen Status-quo für Anbieter ohne EU-Lizenz direkt infrage.

EMI-Lizenz und CASP-Zulassung: Zwei Bausteine, ein vollständiges Bild

Die regulatorische Grundlage bildet eine EMI-Lizenz (Electronic Money Institution), die Circle France am 1. Juli 2024 von der französischen Bankenaufsicht ACPR (Autorité de Contrôle Prudentiel et de Résolution) erhalten hat. Diese Zulassung erlaubt es, USDC und EURC als sogenannte E-Money Tokens (EMT) nach MiCA-Titel III direkt aus der EU heraus zu emittieren – mit EU-weitem Passporting im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum.

Den zweiten Baustein lieferte die französische Finanzmarktaufsicht AMF (Autorité des Marchés Financiers) am 20. April 2026: eine Genehmigung als CASP (Crypto-Asset Service Provider) nach MiCA-Artikel 60(4). Diese Lizenz deckt Verwahr- und Transferdienstleistungen für USDC und EURC im gesamten EWR ab und schließt damit die letzte Lücke im regulatorischen Fundament von Circle France.

Parallel dazu veröffentlichte Circle aktualisierte MiCA-konforme Whitepaper für beide Token, die Angaben zu Reservezusammensetzung, Verwahrstellen, Governance-Strukturen und Risikooffenlegung enthalten – wie von MiCA Titel III explizit gefordert. Die MiCA Crypto Alliance betonte, man habe Circle bei der Erarbeitung dieser Dokumente aktiv begleitet.

Strukturelle Verschiebung: Weniger als 15 autorisierte EMTs in der EU

Der Kontext macht die Tragweite deutlicher: Im gesamten EU-Stablecoin-Universum gibt es derzeit weniger als 15 autorisierte E-Money Tokens, darunter EURI, EURCV, EUROe, EURQ und EURS. USDC und EURC gehören zu den wenigen Dollar- respektive Euro-denominierten Stablecoins, die diesen Status bereits vollständig erreicht haben. Asset-Referenced Tokens (ART) – also Stablecoins, die sich auf einen Korb aus Vermögenswerten stützen – sind im breiten öffentlichen Angebot bis Ende 2025 praktisch nicht zugelassen.

Genau hier liegt die kompetitive Bedeutung: Börsen und Fintechs, die im EU-Markt MiCA-konforme Stablecoins integrieren wollen, haben de facto nur eine überschaubare Auswahl. Circle hat sich diese Position früh gesichert – und das zu einem Zeitpunkt, an dem Mitbewerber noch mit den Übergangspflichten ringen. Zum Vergleich: Binance scheiterte bislang an einer vollständigen MiCA-Lizenz im EWR, was zeigt, wie anspruchsvoll die regulatorischen Anforderungen in der Praxis sind.

Die MiCA-Stablecoin-Regeln gelten seit Mitte 2024, die vollständigen CASP-Vorschriften wurden bis Ende 2024 anwendbar, mit weiteren Auslauffris­ten bis Juli 2026. Wer diese Fristen versäumt, riskiert nicht nur Bußgelder, sondern den Verlust des EU-Marktzugangs insgesamt – wie das Beispiel Binance gegenüber Backpack im Börsenumfeld bereits illustriert.

Marktimplikationen: Native EU-Emission als struktureller Vorteil

CoinDesk beschreibt Circles Position als „bragging rights“ des globalen Stablecoin-Marktes. Inhaltlich präziser formuliert: Die native EU-Emission bedeutet, dass Geschäftskunden USDC und EURC direkt in Euro einzahlen und Stablecoins prägen und einlösen können – ohne den Umweg über den US-Rechtsraum. Das reduziert Gegenparteirisiken und vereinfacht Compliance-Prozesse für institutionelle Nutzer erheblich.

A hand holding a smartphone displaying a blockchain app interface.
Photo by Morthy Jameson on Pexels

Steuer- und Compliance-Experten verweisen zudem darauf, dass Circles MiCA-Status eine neue Ebene der Transparenzpflichten für Stablecoin-Nutzer einleitet. Reservezusammensetzung und Verwahrstrukturen sind nun nicht mehr freiwillige Disclosure, sondern regulatorisch vorgeschriebene und öffentlich zugängliche Information – ein Paradigmenwechsel gegenüber dem bisherigen Marktstandard.

Für DeFi-Protokolle und Börsen, die EU-Nutzer bedienen, dürfte der Druck steigen, bevorzugt auf MiCA-konforme Stablecoins umzustellen. USDC und EURC sind dabei die liquidesten und institutionell tiefsten Optionen. Wie schnell dieser Integrationsprozess läuft, wird MiCAs Implementierungsgeschwindigkeit wesentlich mitbestimmen.

Ausblick: Offene Auslegungsfragen und der nächste Lizenzbewerberzyklus

Zwei Entwicklungen verdienen in den kommenden Monaten besondere Aufmerksamkeit. Erstens: Welche weiteren Stablecoin-Emittenten erhalten EMI- und CASP-Lizenzen, und verändert sich damit das ohnehin schmale Wettbewerberfeld? Zweitens: Die EU-Kommission hat bislang zentrale Auslegungsfragen zur MiCA-Stablecoin-Regulierung noch nicht abschließend geklärt – etwa zur genauen Abgrenzung zwischen EMT und ART sowie zu grenzüberschreitenden Verwahranforderungen.

Sollten diese Auslegungsfragen in Richtung strengerer Reserveanforderungen oder engerer Geschäftsmodellgrenzen aufgelöst werden, könnten auch bereits lizenzierte Emittenten ihren operativen Rahmen nachbessern müssen. Circle hat mit der doppelten Lizenzierung vorläufig die robusteste regulatorische Ausgangsposition im EU-Stablecoin-Markt – das strukturelle Bild bleibt aber im Fluss.

Hier weiterlesen: Krypto Geheimtipps für den nächsten Zyklus

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