Standard Chartered sicher: „Bitcoin ist ein klarer Kauf“

Bitcoin stabilisiert sich weiter und gewinnt heute mehr als 1,5 Prozent. Damit nähert sich die führende Kryptowährung erneut der Marke von 64.000 US-Dollar.
Trotz des frischen Momentums bleibt der übergeordnete Bärenmarkt intakt: Vom bisherigen Allzeithoch ist Bitcoin weiterhin rund 50 Prozent entfernt. Angst, ETF-Abflüsse und Sorgen über mögliche Verkäufe des Bitcoin-Großinvestors Strategy belasteten zuletzt zusätzlich.
Dennoch mehren sich erste Hinweise, dass der Verkaufsdruck nachlassen und eine neue Akkumulationsphase beginnen könnte. Besonders optimistisch äußert sich nun Standard Chartered. Die bekannte britische Großbank hält Bitcoin auf dem aktuellen Kursniveau für eine außergewöhnlich attraktive Kaufgelegenheit.
Beste Memecoins – unsere Cryptonews-Rangliste
Standard Chartered bestätigt Bitcoin-Prognose von 100.000 US-Dollar
Standard Chartered hält trotz der jüngsten Marktschwäche an seinem Bitcoin-Kursziel von 100.000 US-Dollar bis zum Jahresende 2026 fest. Geoffrey Kendrick, Global Head of Digital Assets Research der Bank, bezeichnet Bitcoin bei einem Kurs von rund 64.000 US-Dollar sogar als „Screaming Buy“. Damit sieht der Analyst vom aktuellen Niveau aus ein Aufwärtspotenzial von mehr als 50 Prozent.
Im Mittelpunkt der Einschätzung stehen die jüngsten Sorgen rund um Strategy. Das Unternehmen hatte entgegen seiner langjährigen „Never Sell“-Kommunikation einen kleinen Teil seiner Bitcoin-Bestände verkauft. Dies löste Befürchtungen aus, Strategy könnte wegen finanzieller Belastungen zu weiteren Verkäufen gezwungen sein. Kendrick interpretiert die Situation jedoch nicht als Bilanzproblem, sondern vor allem als Kommunikationsfehler. Die strategische Neuausrichtung sei den Anlegern bislang nicht ausreichend erklärt worden.
Strategy nutzt seine Bitcoin-Bestände inzwischen zunehmend als wirtschaftliche Absicherung für die Vorzugsaktie STRC. Diese soll langfristig nahe ihrem Nennwert von 100 US-Dollar notieren, fiel zwischenzeitlich jedoch deutlich darunter. Kendrick erwartet eine Erholung von STRC in Richtung des Nennwerts. Dadurch dürfte der Druck sinken, weitere Bitcoin zur Finanzierung von Ausschüttungen zu verkaufen. Zudem verfügt Strategy Berichten zufolge über eine Liquiditätsreserve von rund 2,55 Milliarden US-Dollar, die rechnerisch zahlreiche Monate an Dividendenzahlungen abdecken könnte.
Für Standard Chartered ist die aktuelle Schwäche deshalb eher temporäres Marktrauschen als ein dauerhaft negatives Signal. Anleger sollten jedoch beachten, dass es sich um eine Prognose handelt und Bitcoin trotz der attraktiven Bewertung volatil bleibt.
Bitwise: Institutionelle Investoren werden für Bitcoin immer wichtiger
Auch der Vermögensverwalter Bitwise unterstützt grundsätzlich die Einschätzung, dass die aktuellen Probleme von Strategy nicht automatisch gegen Bitcoin sprechen. CIO Matt Hougan zufolge verliert Michael Saylors Unternehmen zunehmend seine Rolle als dominierender Grenzkäufer. Strategy dürfte Bitcoin zwar weiterhin stark beeinflussen, doch die nächste Wachstumsphase müsse nicht mehr allein von dessen Käufen abhängen. Stattdessen könnten institutionelle Investoren, Vermögensverwalter und langfristig orientierte ETF-Anleger zur entscheidenden Quelle neuen Kapitals werden.
Dabei verweist Bitwise auf die vergleichsweise hohe Widerstandsfähigkeit professioneller Investoren. Selbst während des massiven Kursrückgangs hätten viele institutionelle Anleger ihre Bitcoin-ETF-Positionen gehalten. Hougan führt dies darauf zurück, dass eine Bitcoin-Allokation innerhalb klassischer Investmenthäuser weiterhin eine bewusste und teilweise kontroverse Entscheidung darstellt. Wer diesen Schritt dennoch geht, besitzt häufig eine höhere Überzeugung und reagiert weniger hektisch auf kurzfristige Schwankungen.
Für den weiteren Kursverlauf werden deshalb andere Faktoren wichtiger: neue ETF-Zuflüsse, eine Lockerung der globalen Finanzbedingungen, sinkende Zinsen und eine Erholung der allgemeinen Risikobereitschaft. Bitwise Europe sieht die institutionelle Nachfrage derzeit zwar auf einem mehrjährigen Tief, erkennt darin jedoch auch Chancen. Da sich Kapitalströme langfristig häufig normalisieren, könnte bereits eine moderate Rückkehr institutioneller Nachfrage einen überproportionalen Effekt entfalten.
Die Abhängigkeit von Strategy könnte somit sinken. Für Bitcoin wäre eine breitere institutionelle Käuferbasis langfristig sogar stabiler als die Konzentration auf ein einzelnes Unternehmen.
Analyst sieht bei Strategy und Co. lediglich einen normalen Marktzyklus
Der Bitcoin-Analyst Adam Livingston bleibt trotz der massiven Kursverluste bei Treasury-Aktien wie Strategy, Metaplanet und Strive optimistisch. Seiner Einschätzung nach ist das Geschäftsmodell nicht gescheitert. Vielmehr durchläuft der Sektor einen normalen Zyklus, in dem zuvor überhöhte Bewertungen, starke Erwartungen und hohe Aufschläge auf den Bitcoin-Nettoinventarwert wieder abgebaut werden. Gerade diese Kompression der sogenannten mNAV-Prämien führte dazu, dass viele Treasury-Aktien deutlich stärker als Bitcoin fielen.
Livingston sieht darin jedoch nicht zwangsläufig ein strukturelles Problem. Entscheidend sei, ob die Unternehmen weiterhin Kapital zu attraktiven Konditionen aufnehmen und damit den Bitcoin-Bestand je Aktie erhöhen können. Die mögliche Rendite entstehe nicht allein durch einen steigenden Bitcoin-Kurs, sondern zusätzlich durch operative Kapitalbeschaffung, eine wachsende Zahl an Bitcoin je Aktie, eine spätere Ausweitung der Bewertungsprämie und gegebenenfalls finanzielle Hebelwirkung. Diese Kombination könne ausgewählten Unternehmen im nächsten Aufwärtszyklus erneut eine stärkere Performance als Bitcoin ermöglichen.
Besonders Strategy verfügt dabei über eine breite Finanzierungsstruktur aus Stammaktien, Wandelanleihen und mehreren Vorzugsaktien. Metaplanet und Strive verfolgen ähnliche Akkumulationsmodelle, bleiben wegen ihrer geringeren Größe jedoch spekulativer. Livingston betrachtet die aktuelle Schwäche daher als Bereinigungsphase und mögliche Akkumulationschance.
Neue Kryptowährungen in 2026 – hier mehr erfahren
