USDT im Fokus: Senatsbericht verschärft Druck auf Tether
Ein Bericht demokratischer Mitarbeiter des US-Senatsausschusses für Untersuchungen sieht Tether mit USDT als zentralen Zahlungsweg in einem Netzwerk Iran-bezogener sanktionierter Wallets. Die Vorwürfe erhöhen den regulatorischen Druck auf den größten Stablecoin, sind aber keine abschließende rechtliche Feststellung zu einem Fehlverhalten des Unternehmens.
Der veröffentlichte Bericht geht auf eine Untersuchung unter Leitung von Senator Richard Blumenthal zurück. Im Mittelpunkt stehen die Nutzung von USDT durch sanktionierte Akteure und die Frage, ob Tethers Kontrollen bei Geldwäsche und Sanktionen ausreichend greifen.

Blumenthal-Bericht nennt USDT als bevorzugten Zahlungsweg
Die demokratischen Mitarbeiter des Permanent Subcommittee on Investigations untersuchten 846 Wallets, die wegen Verbindungen zum Iran oder dessen regionalen Verbündeten sanktioniert oder zur Beschlagnahme ins Visier genommen wurden. Laut Bericht wickelten 84 Prozent ihre Transaktionen ausschließlich oder nahezu ausschließlich in USDT ab. Die Auswertung umfasst Blockchain-Aktivitäten zwischen Juni 2021 und August 2026.
Die Gesamtzahl verdeckt allerdings Unterschiede zwischen den beiden erfassten Behörden. Bei 757 Wallets, die das israelische National Bureau for Counter Terror Financing benannt hatte, lag der Anteil mit überwiegender USDT-Nutzung bei 87 Prozent. Unter den 101 Wallets, die das US-Finanzministerium über das Office of Foreign Assets Control (OFAC) sanktioniert hatte, waren es 57 Prozent.
Als weiteren Beleg für die Größenordnung führt der Bericht zwei sanktionierte iranische Ölschmuggler an: Alireza Derakhshan und Arash Estaki Alivand sollen zwischen 2021 und 2025 mehr als 603 Millionen US-Dollar in USDT bewegt haben. Das Netzwerk habe Verbindungen zu Hizbollah, den Huthi und iranischen Finanzinstitutionen aufgewiesen. Nach Darstellung der Ausschussmitarbeiter gibt es zudem Hinweise, dass darüber Drohnen und andere militärische Ausrüstung ge- und verkauft wurden.
In einem Einzelfall seien nach der Sanktionierung weiterhin 34,6 Millionen US-Dollar durch betroffene Wallets geflossen. Diese Zahlen beschreiben die Erkenntnisse des Ausschussberichts; sie belegen für sich genommen weder eine Beteiligung Tethers an den Transaktionen noch eine unabhängig festgestellte Pflichtverletzung.
Streit über Tethers Sanktionskontrollen
Der Bericht kritisiert, Tether habe vor 2024 Wallets, die von Terrorismusbekämpfungsbehörden benannt wurden, nicht umfassend und konsequent eingefroren. Die Ausschussmitarbeiter stellen dem die Pflichten von Banken gegenüber: Tether habe die Einhaltung der OFAC-Sanktionen als freiwillig und an den OFAC-Leitlinien orientiert beschrieben. Die unterschiedliche regulatorische Einordnung von Stablecoin-Emittenten und Banken steht damit im Zentrum der Auseinandersetzung.
Blumenthal schrieb an Finanzminister Scott Bessent und Justizminister Todd Blanche und bat beide Ministerien, Tethers Geldwäsche- und Sanktionskontrollen zu untersuchen. Der Ausschuss hatte Tether bereits im Juni um Informationen zum Umgang mit Iran-bezogenen Transaktionen gebeten. Das Unternehmen bestätigte den Eingang, hatte dem Bericht zufolge bis zu dessen Veröffentlichung aber nicht geantwortet.
Auch die Behörden setzen den regulatorischen Rahmen weiter. FinCEN, die US-Behörde zur Bekämpfung von Finanzkriminalität, hatte im Mai auf den Einsatz von Stablecoins durch den Iran hingewiesen. Im August weitete das Finanzministerium seine Möglichkeit aus, ausländische Personen im iranischen Digital-Asset-Sektor zu sanktionieren. Diese Entwicklung macht die Debatte um regulatorische Anforderungen an Stablecoin-Emittenten für den Markt zunehmend konkret.
Tether verweist auf eingefrorene Gelder und Kooperation
Tether veröffentlichte am selben Tag eine Stellungnahme zu seiner Zusammenarbeit mit Strafverfolgungsbehörden. Das Unternehmen erklärte, 2026 rund 550 Millionen US-Dollar in USDT über Wallets eingefroren zu haben, die US-Behörden mit der iranischen Zentralbank in Verbindung gebracht hätten. Mehr als 344 Millionen US-Dollar davon entfielen laut Tether auf April, über 130 Millionen auf Juli.
Über alle Fälle hinweg bezifferte das Unternehmen die eingefrorenen Mittel auf mehr als 4,9 Milliarden US-Dollar und verwies auf die Zusammenarbeit mit über 340 Behörden in 67 Ländern. CEO Paolo Ardoino hob in der Stellungnahme hervor, dass öffentliche Blockchains Behörden Einblick in Geldbewegungen ermöglichen. Auf den Senatsbericht und dessen konkrete Vorwürfe ging die Erklärung nicht ein.
Der Bericht richtet den Blick außerdem auf Cantor Fitzgerald, das laut Ausschuss fünf Prozent an Tether hält und einen großen Teil seiner Vermögenswerte verwahrt. Das Unternehmen wurde bis vor Kurzem von Handelsminister Howard Lutnick geführt und wird nun von dessen Kindern kontrolliert. Der Bericht erwähnt zudem frühere Bloomberg-Berichterstattung über ein Darlehen Tethers an Lutnicks Kinder für den Erwerb seines Anteils; dieser Kontext ist kein Beleg für ein Fehlverhalten.
Der nächste konkrete Schritt sind die von Blumenthal verlangten Untersuchungen durch Finanz- und Justizministerium. Für Tether steht damit nicht nur die Verwendung von USDT durch sanktionierte Netzwerke zur Debatte, sondern auch die Frage, welche Kontrollen und Standards ein globaler Stablecoin erfüllen muss. Vertrauen und belastbare Schutzmechanismen bleiben entscheidend für die weitere Akzeptanz von Stablecoins.
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