Bitcoin-Erholung ohne Altseason: Altcoins bleiben zurück
Bitcoin hat über die vergangenen zwei Jahre 28 Prozent zugelegt, während der Median der Mid-Cap-Altcoins im selben Zeitraum 74 Prozent seines Wertes verloren hat. Das geht aus einer gemeinsamen Auswertung von Glassnode und der Krypto-Börse Bybit hervor. Die jüngste Erholung über 80.000 US-Dollar liefert erste Lebenszeichen für den breiteren Markt, eine bestätigte Rotation in Altcoins ist daraus aber noch nicht abzulesen.
Bitcoin gewinnt, während Mid-Cap-Altcoins 74 Prozent verlieren
Der Glassnode-Bybit-Report vergleicht die Performance über einen vollständigen Marktzyklus von zwei Jahren. Während Bitcoin um 28 Prozent zulegte, verlor der typische Mid-Cap-Altcoin im Median drei Viertel seines Wertes. Ethereum blieb über den Zeitraum praktisch unverändert, was zeigt, wie eng die Gewinne selbst innerhalb der Top-Assets konzentriert waren.
Laut den Autoren des Reports ist genau diese Divergenz das prägende Merkmal des aktuellen Zyklus. Auch die Leverage-Verteilung unterstreicht das Bild: Zum Settled Close am 23. August lag das Bitcoin-Futures-Open-Interest bei rund 2 Prozent der Marktkapitalisierung, bei dem Meme-Coin PEPE dagegen bei fast 24 Prozent. Spekulatives Kapital hat sich also in den riskantesten Ecken des Marktes gesammelt, obwohl Bitcoin die Kursentwicklung angeführt hat.
Ein Vorbehalt gehört dazu: Glassnode deckt nur die von der Plattform beobachteten Handelsplätze ab, die Zahlen bilden also nicht zwingend den gesamten Kryptomarkt ab und wurden Ende August zusammengestellt.
Warum die übliche Altseason bisher ausblieb
In früheren Zyklen setzte nach der Bitcoin-Führungsphase typischerweise eine Rotation ein: Kapital wanderte in kleinere Token, die sogenannte Altseason begann. Genau dieses Muster ist laut Report bislang nicht klar eingetreten. Stattdessen hat sich der Bitcoin-Vorsprung über den gesamten Beobachtungszeitraum weiter verfestigt, während der Mid-Cap-Komplex laut Auswertung wiederholt an Wert verlor.
Die institutionellen Kapitalströme bestätigen dieses Bild. US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten kumulierte Nettozuflüsse von rund 55,2 Milliarden US-Dollar, wie auch der Artikel zu aktuellen Bitcoin-ETF-Zuflüssen zeigt. Ethereum-Fonds kamen im Vergleich nur auf etwa 13,1 Milliarden US-Dollar und verzeichneten zuletzt sogar eine mehrtägige Abflussserie. Spot-Solana-ETFs sind mit kumulierten Nettozuflüssen von rund 29,7 Millionen US-Dollar noch deutlich kleiner, was auch am jüngeren Marktstart liegt.
Institutionelle Zuflüsse bestätigen die Bitcoin-Konzentration
Glassnode und Bybit führen die Kapitalkonzentration als zentrales Muster ihrer Auswertung an: Performance und Zuflüsse konzentrieren sich demnach auf dasselbe Asset. Die Bitcoin-ETF-Zuflüsse liegen mehr als viermal so hoch wie die der Ethereum-Fonds, was den Trend auch auf institutioneller Ebene bestätigt. Der Kontrast zu den gegenläufigen ETF-Strömen wird auch im Beitrag zu Bitcoin-Abflüssen und Ether-Zuflüssen deutlich, der die Dynamik aus einem anderen Blickwinkel beleuchtet.
Bitcoin-Erholung zieht den Gesamtmarkt mit
Nach einem dovishen Ausblick der US-Notenbank kletterte Bitcoin zuletzt wieder über die Marke von 80.000 US-Dollar, wie auch der Beitrag zur Fed-Zinsentscheidung und ihrer Bitcoin-Wirkung beschreibt. Die gesamte Kryptomarktkapitalisierung stieg an einem Handelstag auf 2,76 Billionen US-Dollar. Solana überschritt dabei erstmals seit Februar wieder die 100-Dollar-Marke und gewann während des Bitcoin-Anstiegs knapp 20 Prozent.
In einer früheren Phase der Rally liefen zudem NEAR und Uniswap prozentual stärker als Bitcoin, was auf eine gewisse Marktbreite hindeutet, die zuvor über weite Strecken des Zyklus gefehlt hatte.
Ist die Rotation in Altcoins nachhaltig?
Ob die jüngste Marktausweitung eine dauerhafte Rotation einleitet oder nur eine kurzfristige Erholung darstellt, bleibt laut Report offen. Entscheidend dürften die weitere Entwicklung der ETF-Zuflüsse, das relative Verhältnis von Bitcoin zu Ethereum und Solana sowie die Breite künftiger Kursgewinne sein.
Trotz der jüngsten Erholung kommt der Report zu dem Schluss, dass sich die klassische Altcoin-Rotation bislang noch nicht vollständig materialisiert hat. Institutionelle Flüsse, Leverage-Verteilung und Kursentwicklung haben den Zyklus bisher fast ausschließlich zugunsten von Bitcoin geprägt.