Bitcoin auf 200.000 Dollar? Der CLARITY Act entscheidet
Bitcoin notiert bei 64.671 US-Dollar und damit rund 49 Prozent unter dem bisherigen Rekordhoch von 126.080 US-Dollar vom 6. Oktober 2025. Am Vortag legte der Kurs um 0,48 Prozent zu. Ein mögliches Kursziel von 200.000 US-Dollar wird jedoch vor allem an die Verabschiedung des CLARITY Act geknüpft. Das Szenario gilt nur dann als wahrscheinlicher, wenn das Gesetz vor den November-Midterms unterzeichnet wird.
Bitcoin: Wie weit ist der Weg zu 200.000 Dollar?
Rein rechnerisch müsste sich der Bitcoin-Kurs vom genannten Niveau aus nahezu verdreifachen, um 200.000 US-Dollar zu erreichen. Bei einer Marktkapitalisierung von 1,29 Billionen US-Dollar wäre dies mehr als eine einfache prozentuale Bewegung: Trading-Flows, Risikoappetit und vermutlich mehrere Kaufwellen müssten sich gleichzeitig verstärken.
Im Juli hatte sich die Stimmung bereits aufgehellt. Nachdem der US-Finanzminister am 21. Juli erklärt hatte, der Gesetzgebungsprozess befinde sich auf der Zielgeraden, stieg Bitcoin in Richtung 67.000 US-Dollar und schloss rund 15 Prozent über dem Tiefpunkt zu Beginn des Monats.
FM Intelligence: 25 Prozent Wahrscheinlichkeit für das Bull-Szenario
FM Intelligence sieht Bitcoin im kommenden Jahr in einer Spanne von 135.000 bis 200.000 US-Dollar, verbindet dieses Szenario aber mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 25 Prozent. Voraussetzung ist, dass der CLARITY Act vor den November-Midterms unterzeichnet wird. Als Hauptszenario nennt die Research-Abteilung eine Bandbreite von 95.000 bis 130.000 US-Dollar.
Der Abstand zwischen dem optimistischen und dem mittleren Korridor verdeutlicht, welche Bedeutung Marktbeobachter regulatorischer Klarheit beimessen. Der CLARITY Act soll die Zuständigkeiten der US-Aufsichtsbehörden für die Krypto-Branche klarer verteilen. Eine solche Klärung könnte die regulatorische Unsicherheit für institutionelle Anleger verringern und deren Engagement erleichtern.
Im Bericht wird eine formelle Verabschiedung des Gesetzes als möglicher Katalysator für einen neuen Bullenmarkt eingeordnet. Entscheidend wäre dabei weniger die Gesetzesform selbst als die Erwartung einer klareren Aufsichtsstruktur für Verwahrung, Reporting und Compliance. Unternehmen und institutionelle Nutzer könnten ihre Prozesse dann auf verlässlichere Vorgaben ausrichten, wodurch die operative Unsicherheit und die erforderliche Risikoprämie sinken könnten.
Wall Street bleibt gespalten
Nicht alle institutionellen Häuser folgen dem optimistischen Pfad. Citi senkte sein Zwölf-Monats-Kursziel für Bitcoin 2026 laut Bericht zweimal: zunächst von 143.000 auf 112.000 US-Dollar im März und anschließend am 1. Juli auf 82.000 US-Dollar. Dies entspricht einem Rückgang von 43 Prozent innerhalb des laufenden Jahres. Als wesentlichen Grund wird der stockende Gesetzgebungsprozess genannt, nicht veränderte Bitcoin-Fundamentaldaten.
Standard Chartered zeigt sich optimistischer und peilt zum Jahresende 100.000 US-Dollar an. Auch dieses Ziel bleibt allerdings deutlich unter dem Szenario von 200.000 US-Dollar. Die unterschiedlichen Prognosen unterstreichen, dass ein regulatorischer Durchbruch zwar als wichtiger Faktor gilt, aber nicht als gesichert eingepreist wird.
Sieben Senatoren als politische Hürde
Der Bericht nennt sieben demokratische Senatoren, die den aktuellen Gesetzestext offenbar zurückgewiesen haben: Catherine Cortez Masto, Angela Alsobrooks, Cory Booker, Ruben Gallego, John Hickenlooper, Mark Warner und Raphael Warnock. Nach der Darstellung handelt es sich nicht zwingend um eine grundsätzliche Ablehnung von Kryptowährungen, sondern um inhaltliche oder prozedurale Einwände gegen den vorliegenden Text.
Die Republikaner halten im Senat 53 Sitze und benötigen für die erforderlichen 60 Stimmen Unterstützung aus dem demokratischen Lager. Damit bleiben die fehlende Mehrheit und der politische Widerstand zentrale Risiken für den weiteren Gesetzgebungsprozess. Hinzu kommt ein enger Zeitplan: Vor der Sommerpause bleibt faktisch nur der 7. August als letzte Arbeitsmöglichkeit. Der Senat kehrt erst Mitte September zurück und hat bis Anfang Oktober nur 14 Sitzungstage.
Politisches Timing bleibt die Kernvariable
Kurzfristig können Märkte auf regulatorischen Fortschritt reagieren, wie die Bewegung von Bitcoin in Richtung 67.000 US-Dollar nach den Aussagen des US-Finanzministers zeigt. Die Prognosespanne bleibt jedoch groß, solange der Senat keine konkreten nächsten Schritte unternimmt.
Das Szenario von bis zu 200.000 US-Dollar steht damit weniger für allgemein bullische Liquidität als für ein klar umrissenes politisches Ereignis: die Verabschiedung des CLARITY Act innerhalb des relevanten Zeitfensters. Solange die politischen und prozeduralen Hürden bestehen, bleibt das regulatorische Timing für Risiko-Teams wichtiger als die technische Entwicklung von Bitcoin selbst.