DTCC startet Token-Test für Aktien und US-Staatsanleihen
Die Depository Trust & Clearing Corporation (DTCC), die bereits den Großteil des US-Aktienhandels abwickelt und die entsprechenden Wertpapiere verwahrt, hat ein Pilotprojekt zur Tokenisierung gestartet. Rund 40 Finanzinstitute sind beteiligt, darunter JPMorgan, Goldman Sachs, BlackRock, Vanguard und die New Yorker Börse.
Was genau getestet wird
Seit dem 15. Juli wandelt die DTCC ausgewählte Aktien und US-Staatsanleihen, die bei ihrer Clearingstelle verwahrt werden, in digitale Token um. Dazu zählen Aktien von Microsoft und Circle, der Invesco QQQ Trust, der State Street SPDR S&P 500 ETF sowie der iShares 0–3 Month Treasury Bond ETF von BlackRock.
Die DTCC bestätigte in einer Live-Meldung die erfolgreiche Umwandlung des Invesco QQQ Trust durch JPMorgan in eine tokenisierte Form. Damit wurde die Initiative offiziell gestartet.
Die Vermögenswerte verbleiben bei der Clearingstelle. Die beteiligten Unternehmen sollen mit den tokenisierten Vermögenswerten reale Blockchain-Transaktionen durchführen und sie unter anderem für Sicherheitenübertragungen, Repo-Geschäfte und Aktiengeschäfte nutzen. Der Test soll zeigen, ob die Vermögenswerte über die Infrastruktur der DTCC effizient zugeteilt und gehandelt werden können.
Private Chains statt Ethereum
Für das Pilotprojekt nutzt die DTCC keine öffentlichen Layer-1-Netzwerke wie Ethereum oder Solana. Die Live-Transaktionen werden stattdessen entweder über die private Hyperledger-Besu-Blockchain oder über das von Wall-Street-Häusern unterstützte Canton Network abgewickelt. Welche Infrastruktur verwendet wird, hängt von der Entscheidung des jeweiligen teilnehmenden Unternehmens ab.
Die Wahl privater Netzwerke ist Teil der technischen Ausgestaltung des Tests. Im Mittelpunkt steht dabei, ob tokenisierte Wertpapiere innerhalb der bestehenden Marktinfrastruktur eingesetzt werden können.
Testphase im Juli und geplanter Start im Oktober
Die Testtransaktionen im Juli sollen Abwicklung, Verwahrung und Abstimmung mit realen Vermögenswerten überprüfen. Dabei kommen Russell-1000-Aktien, ETFs und US-Staatsanleihen zum Einsatz. Nach Angaben der DTCC sollen Liquidität, Transparenz, Rechte und Anlegerschutz auf dem Niveau der zugrunde liegenden Vermögenswerte bleiben.
Nach dem begrenzten Testlauf ist eine vollständige kommerzielle Einführung im Oktober geplant. Diese hängt von den Ergebnissen des Pilotprojekts, der Einbindung weiterer Teilnehmer und der Marktnachfrage ab. Das Pilotprojekt folgt zudem der Roadmap der britischen Regierung zur umfassenderen Tokenisierung. Diese sieht für tokenisierte Finanzmärkte bis 2035 einen jährlichen wirtschaftlichen Mehrwert von bis zu 33 Milliarden Pfund vor.
Einordnung für digitale Wertpapiere
Das Vorhaben der DTCC verbindet reale Aktien und US-Staatsanleihen mit Blockchain-basierter Infrastruktur, während die zugrunde liegenden Vermögenswerte bei der Clearingstelle verbleiben. Der Pilot soll klären, ob tokenisierte Wertpapiere den Übergang von einer Demonstrationsphase zu regulierten institutionellen Arbeitsabläufen schaffen können.
Auch Nasdaq, NYSE und weitere Marktbetreiber entwickeln Tokenisierungssysteme. Damit nimmt der Wettbewerb um die Infrastruktur für digitale Wertpapiere zu. Ob die für Oktober vorgesehene Einführung im geplanten Umfang erfolgt, hängt von den Ergebnissen der laufenden Testphase ab.
Quelle: DTCC Live Production Trades