Custodia fordert vor US-Höchstgericht Zugang zum Fed-Zahlungssystem

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Die Custodia Bank hat offiziell einen Antrag auf Revision beim Obersten Gerichtshof der USA eingereicht und damit den fünfjährigen Rechtsstreit um den Zugang von Kryptobanken zu Fed-Master-Accounts in seine entscheidende Phase gebracht. Branchenvertreter aus dem US-Kryptosektor reihen sich in den Kreis der Unterstützer ein, die den Fall als Grundsatzfrage für die gesamte Krypto-Banking-Landschaft betrachten.

Worum es bei der Klage geht

Kern der Eingabe ist die Frage, ob die Federal Reserve das Recht hat, einem rechtlich qualifizierten, staatlich lizenzierten Einlageninstitut die Eröffnung eines Master-Accounts zu verweigern. Custodia argumentiert, das Währungskontrollgesetz von 1980 verpflichte die Fed dazu, den Zugang allen berechtigten Institutionen zu öffnen, während die Zentralbank die entsprechende Klausel lediglich als Preisbildungsmechanismus interpretiert, nicht als Zugangsgarantie. Anträge für den Herbst-Termin des Gerichts müssen bis zum 11. Juli 2026 eingereicht werden.

Vertreten wird Custodia vor dem Supreme Court von Kannon K. Shanmugam von der Kanzlei Davis Polk. Bereits in den unteren Instanzen hatten sich der frühere US-Generalstaatsanwalt Paul Clement sowie Don Verrilli als Amicus Curiae eingeschaltet – ein Umstand, der die Bedeutung des Falls unterstreicht und die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass der Supreme Court die Sache überhaupt annimmt.

Fünf Jahre Rechtsstreit und ein gespaltenes Gericht

Die von der ehemaligen Morgan-Stanley-Managerin Caitlin Long gegründete Custodia Bank beantragte ihren Master-Account im Oktober 2020 bei der Federal Reserve Bank of Kansas City. Nach 19 Monaten ohne Antwort klagte Custodia 2022 wegen rechtswidriger Verzögerung, bevor die Fed den Antrag im Januar 2023 offiziell ablehnte und dabei Bedenken zur Sicherheit und Stabilität des kryptobasierten Geschäftsmodells anführte.

Das Berufungsgericht des zehnten Bezirks wies den Antrag auf eine vollständige Neuverhandlung mit 7:3 Stimmen zurück. Richter Timothy Tymkovich warnte in seiner abweichenden Meinung, dass die Mehrheitsposition der Federal Reserve faktisch ein Vetorecht über staatliche Banklizenzen einräume – ausgeübt von Beamten, die nicht gemäß Artikel II der Verfassung ernannt wurden. Diese verfassungsrechtliche Dimension gilt als einer der Gründe, warum der Supreme Court den Fall überhaupt prüfen könnte.

Kraken als Kontrastfall

Besonders auffällig ist der zeitliche Zusammenhang zu Kraken: In derselben Woche, in der das Berufungsgericht Custodias Antrag ablehnte, genehmigte dieselbe Federal Reserve Bank of Kansas City im März 2026 ein zweckgebundenes Master-Account für Kraken Financial – das erste seiner Art in der Kryptoindustrie. TD-Cowen-Analyst Jaret Seiberg bezeichnete die Genehmigung als voraussichtlich ersten von vielen ähnlichen Fällen. Für Custodia wirft dieser Doppelstandard Fragen zur Konsistenz der Fed-Prüfpraxis auf, zumal die Behörde selbst zunächst bestätigt hatte, dass Custodias Antrag keine gravierenden Mängel aufwies.

Parallel entwickelt die Fed mit dem sogenannten Skinny-Master-Account-Konzept von Gouverneur Christopher Waller eine administrative Alternative mit eingeschränkten Bankprivilegien. Custodia verfolgt Berichten zufolge eine zweigleisige Strategie und beantragt über diesen Kanal parallel zur Klage ein beschränktes Master-Account, während die Bank mit dem 2025 eingeführten Stablecoin Avit ihre Compliance-Infrastruktur weiter ausbaut.

Was auf dem Spiel steht

Sollte der Supreme Court den Fall annehmen und zugunsten von Custodia entscheiden, würde dies die Möglichkeiten der Fed, Kryptobanken unter Verweis auf Sicherheit und Solidität vom Zahlungssystem auszuschließen, grundlegend einschränken. Für Wyomings SPDI-Regime, das 2019 als erster bankähnlicher Rahmen für Krypto-Unternehmen eingeführt wurde, entscheidet der Fall über den institutionellen Kernwert der Lizenz: den direkten Zugang zum Dollar-Zahlungssystem.

Die Annahmequote des Supreme Court liegt üblicherweise bei ein bis zwei Prozent, doch die uneinheitliche Berufungsgerichtsentscheidung, die verfassungsrechtliche Dimension aus Tymkovichs Dissens und das Gewicht der beteiligten Anwälte erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer Annahme. Bei positivem Ausgang für Custodia könnten mündliche Verhandlungen Ende 2026 oder Anfang 2027 stattfinden, mit einem Urteil vor dem Sommer 2027. Lehnt das Gericht den Fall ab, bleibt die Regel der uneingeschränkten Fed-Ermessensfreiheit vorerst auf den Zuständigkeitsbereich des zehnten Bezirks beschränkt – landesweite Rechtsunsicherheit für Krypto-Banken würde jedoch bestehen bleiben.

Quelle: Aiying Compliance

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