Finanz-Elite setzt jetzt auf Krypto: Neues Projekt gestartet

Die Tokenisierung von Real World Assets bleibt einer der wichtigsten Megatrends an der Schnittstelle zwischen Kryptowährungen und traditionellen Finanzmärkten. Reale Vermögenswerte wie Aktien, Anleihen, Immobilien oder Rohstoffe werden dabei digital auf einer Blockchain abgebildet. Dadurch könnten Transaktionen schneller abgewickelt, Vermögenswerte leichter aufgeteilt und rund um die Uhr gehandelt werden. Gleichzeitig verspricht die Technologie mehr Transparenz, automatisierbare Prozesse und eine effizientere Nutzung von Sicherheiten. Besonders viel Fantasie entsteht, weil inzwischen nicht mehr nur Krypto-Start-ups experimentieren.
Auch Banken, Börsen, Vermögensverwalter und zentrale Marktinfrastrukturen bauen zunehmend eigene Tokenisierungsangebote auf. Damit rückt die Blockchain schrittweise näher an die globalen Kapitalmärkte heran.
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DTCC startet mit dem Who’s who der Finanzbranche
Die Depository Trust & Clearing Corporation, kurz DTCC, hat am 15. Juli erstmals echte Wertpapiertransaktionen mit tokenisierten Vermögenswerten in einer produktiven Umgebung abgewickelt. Die DTCC gehört zu den wichtigsten Infrastrukturanbietern der globalen Finanzbranche. Über ihre Tochtergesellschaft DTC verwahrt sie Wertpapiere im Wert von mehr als 114 Billionen US-Dollar. Im Jahr 2025 verarbeiteten ihre Gesellschaften Transaktionen mit einem Gesamtvolumen von rund 4,7 Billiarden US-Dollar. Entsprechend bedeutend ist es, wenn genau diese Institution Blockchain-Technologie in ihre bestehende Infrastruktur integriert.
An der Initiative beteiligten sich rund 40 Unternehmen. Dazu gehörten unter anderem JPMorgan, Goldman Sachs, BlackRock, Vanguard, Citadel Securities, Nasdaq, die New York Stock Exchange, Circle, Ondo Finance, CME Group, State Street, Invesco und Chainlink. Technisch wurden die digitalen Umwandlungen sowohl über das private Hyperledger-Besu-Netzwerk der DTCC als auch über das öffentliche Canton Network durchgeführt. Canton wurde von Digital Asset entwickelt und positioniert sich als interoperables Blockchain-Netzwerk speziell für regulierte Finanzinstitutionen. Damit arbeitet das Krypto-Projekt nun unmittelbar mit einem Who’s who der globalen Finanzbranche zusammen.
Zu den tokenisierten Vermögenswerten gehörten unter anderem der Invesco QQQ Trust, der SPDR S&P 500 ETF, US-Staatsanleihen und weitere Aktien beziehungsweise ETFs. JPMorgan wandelte beispielsweise Anteile des QQQ-ETF in eine tokenisierte Darstellung um. Darüber hinaus wurden reale Anwendungsfälle wie Wertpapierleihe, Repo-Geschäfte, die Übertragung von Sicherheiten, Aktiengeschäfte sowie Delivery-versus-Payment-Transaktionen durchgeführt. JPMorgan nutzte tokenisierte Vermögenswerte außerdem, um Margin-Anforderungen gegenüber der CME Group zu erfüllen.
Allerdings handelt es sich noch nicht um vollständig nativ auf einer öffentlichen Blockchain ausgegebene Wertpapiere. Die Token sind digitale Repräsentationen von Vermögenswerten, die weiterhin bei der DTC verwahrt und in deren zentralem System erfasst werden. Sie können zwischen der klassischen und der tokenisierten Form umgewandelt werden. Genau darin liegt auch die Kritik einiger Branchenbeobachter: Die bestehende Marktstruktur wird zunächst digital erweitert, aber nicht vollständig durch eine dezentrale Infrastruktur ersetzt.
Dennoch markiert der Versuch einen wichtigen Schritt. Die DTCC plant, ihren Tokenisierungsservice im Oktober 2026 offiziell zu starten. Die tokenisierten Wertpapiere sollen dieselben Eigentumsrechte, Ausschüttungsansprüche und Schutzmechanismen wie ihre traditionellen Pendants besitzen. Für Canton Network bietet das Projekt zugleich die Chance, sich als institutionelle Blockchain-Infrastruktur für reale Finanztransaktionen zu etablieren.
DTCC treibt Blockchain-Projekte bereits seit Jahren voran
Die aktuellen Tokenisierungspläne sind keineswegs der erste Ausflug der DTCC in die Kryptowelt. Bereits 2022 brachte der Finanzinfrastrukturanbieter mit Project Ion eine der damals größten DLT-Initiativen für die Abwicklung von Aktien in eine parallele Produktionsumgebung. Die auf R3 Corda basierende Plattform verarbeitete zeitweise mehr als 100.000 Transaktionen täglich, während das klassische Abwicklungssystem weiterhin als maßgebliches Register bestehen blieb.
Ende 2023 verstärkte die DTCC ihre Ambitionen deutlich: Sie übernahm das Blockchain-Unternehmen Securrency und integrierte es als DTCC Digital Assets in den Konzern. Damit sicherte sich die Organisation eine institutionelle Infrastruktur für Tokenisierung, Smart Contracts und die Verarbeitung digitaler Wertpapiere. Nach eigenen Angaben beschäftigt sich die DTCC bereits seit fast einem Jahrzehnt mit der Tokenisierung traditioneller Finanzwerte.
Darauf folgten weitere konkrete Projekte. 2025 stellte die DTCC ihre ComposerX-Plattform sowie eine AppChain für tokenisiertes Sicherheitenmanagement vor. Diese soll Vermögenswerte aus öffentlichen und privaten Netzwerken verbinden und den nahezu unmittelbaren Transfer von Sicherheiten ermöglichen. Eine Zusammenarbeit mit Chainlink zielt zudem auf ein rund um die Uhr verfügbares Collateral-Management. Die jüngste Initiative ist somit kein isolierter Test, sondern der nächste Schritt einer langfristigen Strategie, traditionelle Marktinfrastruktur schrittweise mit Blockchain-Netzwerken zu verbinden.
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