Visa-Infrastruktur treibt USDC zur Transaktionsführerschaft im Stablecoin-Markt

USDC hat sich im ersten Halbjahr 2026 zur dominierenden Transaktionswährung im Stablecoin-Segment entwickelt: Laut Visa-Daten entfielen rund 70 Prozent aller Stablecoin-Transaktionen auf den von Circle ausgegebenen Dollar-Token. Das ist strukturell bedeutsam, weil USDC nach Marktkapitalisierung weiterhin deutlich hinter USDT liegt – die Transaktionsdominanz reflektiert damit nicht Volumen, sondern Infrastrukturtiefe.
Visas Settlement-Piloten als Katalysator
Den entscheidenden Kontext liefert Visas eigene Infrastrukturentscheidung. Am 29. April 2026 erweiterte Visa seinen Stablecoin-Settlement-Piloten auf insgesamt neun Blockchains – neu hinzugekommen sind Arc, Base, Canton, Polygon und Tempo, ergänzend zu den bereits unterstützten Netzwerken Avalanche, Ethereum, Solana und Stellar. Der annualisierte Settlement-Durchsatz des Piloten lag zum Zeitpunkt der Ankündigung bei 7 Milliarden US-Dollar – ein Anstieg von 50 Prozent gegenüber dem Vorquartal.

Besonders relevant für die USDC-Dominanz: Arc, eine der neu integrierten Blockchains, ist eine von Circle entwickelte Layer-1-Infrastruktur, die programmierbare Zahlungen mit realen Wirtschaftsaktivitäten verbinden soll. Visa hat Arc damit explizit in seinen Settlement-Stack aufgenommen – ein strukturelles Signal, das über einen gewöhnlichen Pilotversuch hinausgeht.
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Marktstruktur: Transaktionsanteil vs. Supply-Anteil
Die Diskrepanz zwischen Transaktionsdominanz und Marktkapitalisierung ist der analytisch entscheidende Punkt. Laut DefiLlama belief sich das gesamte Stablecoin-Angebot Ende Juni 2026 auf rund 314,4 Milliarden US-Dollar – davon entfielen etwa 186 Milliarden auf USDT und rund 73,8 Milliarden auf USDC. Zusammen kontrollierten die beiden Token damit etwa 82,6 Prozent des gesamten Stablecoin-Angebots, wobei USDT nach Supply mehr als doppelt so groß ist wie USDC.
Kurzfristig spiegeln Supply-Zahlen die historische Marktstellung wider, strukturell aber verschiebt sich die Relevanzmetrik in Richtung Transaktionsnutzung. Genau hier zeigt USDC seine eigentliche Stärke: 70 Prozent der Transaktionen bei unter einem Viertel des Supply-Anteils bedeutet eine deutlich höhere Umlaufgeschwindigkeit und tiefere Integration in aktive Zahlungsflüsse. Vergleichbar verhält sich USDT im Retail-Segment: Forbes berichtete, dass Stablecoins im zurückliegenden Jahr insgesamt 33 Billionen US-Dollar an Transaktionsvolumen abwickelten, wobei USDT allein 19,1 Billionen Dollar und 73 Prozent des Retail-Marktanteils auf sich vereinte – ein unterschiedliches Nutzungsprofil mit Fokus auf Trading und Schwellenländer-Remittances.
Die parallele Entwicklung im breiteren Blockchain-Ökosystem unterstreicht diesen Strukturwandel. Solanas tokenisierte Assets erreichten in H1 2026 ein Rekordvolumen von 577 Milliarden US-Dollar – ein weiterer Datenpunkt, der zeigt, dass On-Chain-Settlement-Aktivität in diesem Zyklus deutlich schneller wächst als reine Supply-Metriken vermuten lassen würden.

Regulatorischer Rahmen als Strukturvorteil
Circles Positionierung profitiert auch vom regulatorischen Umfeld. Der US-amerikanische GENIUS Act (Guiding and Establishing National Innovation for US Stablecoins), der 2025 unterzeichnet wurde und den ersten bundesstaatlichen Regulierungsrahmen für Stablecoins in den USA schaffte, begünstigt lizenzierte, transparente Emittenten mit nachweisbaren Reserve-Strukturen – ein Profil, das Circle mit USDC gezielt aufgebaut hat. Visa hat diesen regulatorischen Rückenwind bereits eingepreist: Seit dem 15. Dezember 2025 bietet das Unternehmen europäischen Kunden aktiv Stablecoin-Beratungsleistungen an, was signalisiert, dass die Infrastrukturintegration nicht auf die USA beschränkt bleiben soll.
Visa formulierte die strategische Stoßrichtung dabei eindeutig: Stablecoins sollen nicht länger als Krypto-Handelsinstrument gelten, sondern als Settlement-Rail zwischen Issuern und Acquirern. Innerhalb dieses Settlement-Wettbewerbs – in dem Solana bereits 63 Prozent der Blockchain-Aktivität auf sich zieht – etabliert sich USDC als bevorzugter Werttransport, während die Chain-Auswahl zunehmend zweitrangig wird.
Was als nächstes entscheidend wird
Der nächste Prüfstein für Circles Infrastrukturthese ist die Ausweitung von Visas Multi-Chain-Pilot auf den europäischen Issuer-Acquirer-Markt. Gelingt es, auch dort institutionelle Clearinghäuser und Kartenherausgeber zur USDC-Settlement-Integration zu bewegen, wäre das eine qualitative Verschiebung weg vom Krypto-nativen Kontext hin zu reguliertem Zahlungsverkehr.
Sollte der GENIUS Act darüber hinaus als Blaupause für europäische MiCA-Nachfolgeregulierung wirken, dürfte der Compliance-Vorsprung von USDC gegenüber weniger regulierten Stablecoin-Emittenten weiter zunehmen. Die 70-Prozent-Marke ist dann kein Ausreißer – sondern der Ausgangspunkt einer strukturellen Konsolidierung.
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