USD1 soll künftig unter eigener US-Treuhandbank verwaltet werden
World Liberty Financial, das mit der Trump-Familie verbundene DeFi-Unternehmen (Decentralized Finance), hat von der US-Bankenaufsichtsbehörde OCC (Office of the Comptroller of the Currency) am 14. August eine vorläufige, bedingte Genehmigung für eine nationale Treuhandbank erhalten. Für den hauseigenen Stablecoin USD1, dessen Marktkapitalisierung Mitte August bei rund 4,036 Milliarden US-Dollar lag, ist das ein konkreter regulatorischer Schritt – bis zur tatsächlichen Eröffnung bleiben jedoch umfangreiche Auflagen zu erfüllen.
Was die OCC genau genehmigt hat
Die Entscheidung ebnet der geplanten „World Liberty Trust Company, National Association“ den Weg, Ausgabe, Rücknahme, Reservemanagement und Verwahrung digitaler Vermögenswerte rund um USD1 künftig intern abzuwickeln. Die Bank soll von Bay Harbor Islands in Florida aus operieren, bleibt aber geschlossen, bis eine umfangreiche OCC-Checkliste für die Voreröffnung abgearbeitet ist.

Wichtig für die Einordnung: Es handelt sich nicht um eine klassische Banklizenz. Als nationale Treuhandgesellschaft soll das Institut keine traditionellen Einlagen annehmen oder gewerbliche Kredite vergeben. Im Zentrum stehen treuhänderische Dienstleistungen sowie Umtauschservices, mit denen berechtigte Kunden zugelassene Stablecoins gegen USD1 tauschen können.
World Liberty, Bitgo und die Reservestruktur
World Liberty Financial trat Ende 2024 als Krypto- und DeFi-Plattform mit Verbindungen zu den Familien Trump und Witkoff in Erscheinung. Ein mit Präsident Trump verbundenes Unternehmen hält einen Anteil von 38 Prozent, und Zach Witkoff, CEO von World Liberty, ist als Präsident und Vorstandsvorsitzender der neuen Treuhandgesellschaft vorgesehen.

Aktuell verwaltet Bitgo Bank & Trust Ausgabe und Verwahrung von USD1 im Rahmen einer Exklusivvereinbarung. Bei finaler Zulassung will World Liberty die USD1-Reserveaktiva und die damit verbundenen Verbindlichkeiten von Bitgo übernehmen und damit einen größeren Teil der technischen Infrastruktur direkt unter das eigene Dach holen.
Die Auflagen der OCC sind konkret: World Liberty Trust muss mindestens 20 Millionen US-Dollar an Tier-1-Kapital vorhalten. Dabei ist der höhere Betrag aus 10 Millionen US-Dollar oder 50 Prozent in zulässigen liquiden Mitteln zu halten. Zudem müssen die Betriebskosten für 180 Tage abgesichert sein. Hinzu kommen Compliance-Systeme, ein unabhängiger Leiter der internen Revision, Anforderungen zur Geldwäschebekämpfung (AML), IT-Standards, Versicherungsschutz und eine Prüfung vor der Eröffnung. Bleibt das Kapital binnen zwölf Monaten aus oder öffnet die Bank nicht innerhalb von 18 Monaten, erlischt die vorläufige Genehmigung.
Politische Kritik trifft auf OCC-Verteidigung
Der Antrag hat wegen der finanziellen Beteiligung der Trump-Familie an World Liberty sowie Fragen zu ausländischen Investoren politische Kritik ausgelöst. Die demokratische Senatorin Elizabeth Warren aus Massachusetts bezeichnete den Fall auf X sinngemäß als besonders dreiste Form der Selbstbereicherung im Finanzsystem und kündigte einen Gesetzentwurf gegen derartige Konstellationen an.
Die OCC verweist darauf, dass bestimmte Investoren Passivitätsvereinbarungen unterzeichnet hätten, die ihnen Kontrolle oder Einfluss auf den Bankbetrieb untersagen. Nach Darstellung der Behörde entspricht der Antrag den gesetzlichen und ethischen Anforderungen; dabei seien festangestellte Mitarbeiter beteiligt, während die künftige Aufsicht von unpolitischen Prüfern wahrgenommen werde. Witkoff beschreibt die Entscheidung als Meilenstein, weil sie Ausgabe, Verwahrung und Reservemanagement von USD1 künftig unter einheitlicher OCC-Aufsicht zusammenführe und nach denselben Prüfstandards erfolge, die seit Generationen für Banken gelten.
Was die Genehmigung für den Stablecoin-Markt bedeutet
Für USD1 verschiebt sich damit der regulatorische Rahmen: Sollte World Liberty Kapital, Compliance und Prüfungen erfolgreich abschließen, würde das Unternehmen die kritische Infrastruktur eines der größeren US-Dollar-Stablecoins direkt kontrollieren, statt sie über einen externen Partner wie Bitgo abzuwickeln. Die OCC behält sich zugleich das Recht vor, die vorläufige Entscheidung bei veränderten Bedingungen zu ändern, auszusetzen oder zu widerrufen.
Die Genehmigung folgt auf vorläufige Zulassungsentscheidungen für andere Krypto-Unternehmen, da Firmen im Bereich digitaler Vermögenswerte eine direkte Bundesaufsicht anstreben. World Liberty muss die Kapital- und Prüfungsauflagen innerhalb der gesetzten Fristen erfüllen, bevor die Bank ihren Betrieb aufnehmen kann.
Quelle: Bitcoin.com News