Trotz Bärenmarkt: So stark war Bitcoin noch nie

Bitcoin kann sich heute wieder etwas von den jüngsten Tiefs lösen. Nach dem Test der Zone um 60.000 US-Dollar steigt der Kurs zwischenzeitlich zurück über 65.000 US-Dollar, während sich die Wochenbilanz eher seitwärts zeigt. Trotzdem bleibt das Gesamtbild fragil: Der Bärenmarkt ist weiter intakt, Bitcoin notiert rund 50 Prozent unter dem Allzeithoch und der übergeordnete Abwärtstrend ist nicht gebrochen.
Genau deshalb wirkt die aktuelle Datenlage spannend. Denn obwohl die Stimmung angeschlagen bleibt, zeigt ein historischer Zyklusvergleich: So robust hat sich Bitcoin in einer vergleichbaren Bärenmarktphase bislang noch nie gehalten.
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Bitcoin im Bärenmarkt: Historisch stärkster Verlauf trotz 50-Prozent-Korrektur
Die Grafik von Galaxy Research vergleicht frühere Bitcoin-Zyklen, indem jeder große Hochpunkt auf den Wert 100 indexiert wird. Anschließend wird dargestellt, wie stark Bitcoin in den folgenden 400 Tagen nach dem jeweiligen Zyklushoch gefallen ist. Dadurch lassen sich die aktuellen Kursverluste mit früheren Bärenmärkten direkt vergleichen. Genau hier fällt auf: Der aktuelle Zyklus verläuft deutlich stabiler als viele frühere Bitcoin-Bärenmärkte.
Im laufenden Zyklus liegt Bitcoin rund 250 Tage nach dem Hoch noch bei etwa 51 Prozent des damaligen Spitzenwerts. Das bedeutet zwar weiterhin eine massive Korrektur von fast 50 Prozent. Historisch betrachtet ist das aber vergleichsweise stark. In früheren Zyklen war Bitcoin zu einem ähnlichen Zeitpunkt häufig bereits deutlich tiefer gefallen. Besonders die Bärenmärkte nach den Hochs von 2011, 2017 und 2021 zeigten zeitweise stärkere Abwärtsbewegungen, teils bis in Regionen von nur 20 bis 35 Prozent des vorherigen Hochs.
Damit zeigt die aktuelle Marktphase eine ungewöhnliche relative Stärke. Bitcoin befindet sich zwar klar im Bärenmarkt, doch der Verkaufsdruck hat den Kurs bislang nicht so tief gedrückt wie in vielen früheren Zyklen. Das kann mehrere Gründe haben: eine reifere Marktstruktur, stärkere institutionelle Nachfrage, mehr langfristige Halter und eine insgesamt höhere Akzeptanz von Bitcoin als Anlageklasse. Dennoch ist diese Stärke kein automatisches Kaufsignal. Sie zeigt lediglich, dass Bitcoin im historischen Vergleich weniger stark kapituliert hat. Entscheidend bleibt nun, ob die Zone um 60.000 US-Dollar weiter hält oder ob eine spätere Kapitulation doch noch folgt.
Bitcoins On-Chain-Daten: Noch keine klassische Kapitulation sichtbar
Die beiden Glassnode-Metriken zeigen, warum trotz der relativen Stärke noch Vorsicht angebracht bleibt. Die MVRV Pricing Bands setzen den Bitcoin-Kurs ins Verhältnis zum Realized Price, also zum durchschnittlichen Einstandspreis der Coins auf der Blockchain. Historisch waren besonders die unteren Bänder wichtig: In tiefen Bärenmärkten fiel Bitcoin häufig bis in die Nähe des Realized Price oder sogar darunter.
Genau dort entstanden in früheren Zyklen oft Phasen echter Kapitulation, weil ein großer Teil des Marktes plötzlich auf nicht realisierten Verlusten saß. Aktuell notiert Bitcoin zwar deutlich unter den oberen Bewertungsbändern, liegt aber weiterhin oberhalb der grünen und blauen Zonen. Das spricht dafür, dass der Markt bereits stark abgekühlt ist, aber noch nicht jene extreme Unterbewertung erreicht hat, die frühere Bärenmarktböden begleitet hat.

Ähnlich sieht es bei der zweiten Metrik aus: dem Anteil der Bitcoin-Adressen im Gewinn. Diese Kennzahl zeigt, wie viele Wallets aktuell rechnerisch im Plus liegen. In euphorischen Marktphasen steigt dieser Wert oft in den roten Bereich nahe 95 bis 100 Prozent. In Kapitulationsphasen fällt er historisch deutlich tiefer, teils in Richtung 50 Prozent oder darunter.

Der aktuelle Rückgang ist klar sichtbar: Immer weniger Adressen liegen im Gewinn, was den Druck auf Marktteilnehmer erhöht. Dennoch befindet sich die Kennzahl noch nicht in einem extremen Panikbereich. Auch hier deutet die Datenlage also an, dass der Markt angeschlagen ist, aber möglicherweise noch nicht vollständig bereinigt wurde.
Der spannende Widerspruch bleibt damit bestehen. Einerseits zeigen MVRV-Bänder und Profit-Adressen, dass noch Raum für eine tiefere Kapitulation vorhanden wäre. Andererseits ist der aktuelle Drawdown im historischen Vergleich deutlich geringer als in früheren Bitcoin-Bärenmärkten. Eine mögliche Erklärung: Bitcoin ist heute etablierter, liquider und stärker institutionell eingebunden. Dadurch könnten Bärenmärkte weniger brutal ausfallen als früher. Trotzdem bleibt entscheidend, ob Bitcoin die aktuelle Unterstützungszone verteidigt oder ob die On-Chain-Daten doch noch eine letzte Bereinigungsphase erzwingen.
Coinbase Premium belastet kurzfristig die Bitcoin-Stimmung
Kurzfristig belastet vor allem der negative Coinbase Premium Index. Laut der gezeigten Daten notiert der Bitcoin-Preis auf Coinbase seit 44 Tagen unter dem Vergleichspreis anderer großer Handelsplätze. Das ist deshalb relevant, weil Coinbase häufig als Indikator für die Nachfrage institutioneller und US-amerikanischer Anleger gilt. Wenn Bitcoin dort dauerhaft mit Abschlag gehandelt wird, deutet das auf schwächere Kaufbereitschaft aus den USA hin. Gerade in einer ohnehin fragilen Marktphase kann dies zusätzlichen Druck erzeugen.
Der anhaltend negative Premium zeigt, dass Käufer nicht aggressiv genug auftreten, um den Abschlag zu schließen. Gleichzeitig signalisiert er nachlassenden Risikoappetit, während Bitcoin weiter im Bärenmarkt und unter wichtigen Widerständen bleibt. Damit passt die Metrik zu den On-Chain-Signalen: Der Markt ist zwar historisch weniger stark gefallen, wirkt aber noch nicht vollständig bereinigt. Solange der Coinbase Premium negativ bleibt, könnte jede Erholung anfällig für neue Rücksetzer bleiben.
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