Krypto News: CLARITY Act gescheitert? Alles hängt an diesem Punkt
In dieser Woche stand in Washington D.C. die nächste Etappe im langen Ringen um die Krypto-Regulierung in den USA an. Alles dreht sich aktuell um den CLARITY Act. Dabei handelt es sich um einen umfassenden Gesetzesentwurf zur Marktstruktur digitaler Vermögenswerte. Nach dem GENIUS Act aus 2025 für Stablecoins soll der CLARITY Act der nächste Katalysator für den Kryptomarkt und die Adoption von digitalen Assets sein.
Der Senate Banking Committee hatte für Donnerstag, den 15. Januar 2026, eine sogenannte Markup-Sitzung angesetzt. Dies ist eine öffentliche Ausschussdebatte mit Änderungsanträgen und Abstimmung über den Entwurf, der u. a. klarere Zuständigkeiten zwischen CFTC und SEC, Definitionen für Krypto-Assets, Regeln für DeFi-Protokolle und Stablecoins schaffen soll.
Kurz vor dem geplanten Termin zog jedoch Coinbase-CEO Brian Armstrong überraschend die Unterstützung seines Unternehmens für den aktuellen Entwurf zurück und erklärte, der Entwurf sei „schlechter als der Status quo“, weil er u. a. Stablecoin-Belohnungen praktisch verbieten, tokenisierte Aktien einschränken und DeFi-Datenschutz schwächen würde.
Infolge dieser Gegenreaktion des Marktes und der Industrie wurde die Markup-Sitzung im Senate Banking Committee verschoben bzw. abgesagt, ohne neue Festlegung eines Termins.
Bis die entscheidenden Ausschüsse erneut zusammentreten und über die überarbeitete Fassung abstimmen, bleibt der CLARITY Act in diesem wichtigen legislativen Stadium vorerst auf Eis. Dies ist ein Szenario, das die US-Krypto-Regulierung erneut verzögert.
Doch ist der CLARITY Act vielleicht sogar gescheitert? Das dürfte zuvorderst an einem Punkt hängen:
Hängt alles nur an Stablecoin-Zinsen?
Der CLARITY Act ist nicht gescheitert. Doch Insider sagen, alles hängt aktuell an einem einzigen Streitpunkt: den Stablecoin-Zinsen.
Rund 24 Stunden nach der kurzfristig abgesagten Markup-Sitzung im Senate Banking Committee hat sich hinter den Kulissen ein klareres Bild ergeben. Wie die gut vernetzte Journalistin Eleanor Terrett berichtet, sind viele Beteiligte zwar weiterhin verärgert über den Ablauf, doch inhaltlich gilt das Gesetz keineswegs als tot. Der Konsens unter Industrievertretern, Abgeordneten und Ausschussmitarbeitern: Wenn in den kommenden Tagen ein Kompromiss beim Thema „Yield“ gefunden wird, also bei der Frage, ob und wie Stablecoins Zinsen oder ähnliche Erträge abwerfen dürfen, könnte der CLARITY Act wieder Fahrt aufnehmen.
Konkret geht es um einen Deal zwischen Banken, Coinbase und den Demokraten. Andere Streitpunkte verlieren derweil an Brisanz. Die Passage zu tokenisierten Wertpapieren (Section 505) gilt laut Insidern inzwischen als lösbar oder sogar vollständig streichbar, da sie offenbar teils aus dem Kontext gerissen wurde.
Entscheidend bleibt jedoch vorerst ein Punkt – die politische Einigung über Stablecoin-Zinsen.
Die jüngste Verzögerung rund um den CLARITY Act hat nicht nur politische, sondern auch unmittelbare Marktfolgen gezeigt. Nach der Vertagung des Gesetzesvorhabens gaben die Aktien von Robinhood und Coinbase deutlich nach. Der Hintergrund: Das Gesetz soll eigentlich erstmals klare Regeln für den Kryptomarkt in den USA schaffen.
Coinbase vs. Banken: Lukratives Geschäftsmodell in Gefahr?
Doch Coinbase-CEO Brian Armstrong entzog dem aktuellen Entwurf seine Unterstützung. Er wirft großen Banken vor, über die Regulierung gezielt Konkurrenz ausschalten zu wollen, indem Krypto-Plattformen verboten werden soll, Zinsen oder Belohnungen auf Stablecoins zu zahlen.
Armstrong argumentiert, Krypto-Unternehmen sollten wie Banken Kredite vergeben dürfen und Sparern Erträge bieten können. Banken sehen darin jedoch eine Bedrohung: Wenn Stablecoins attraktive Zinsen zahlen, könnten bis zu sechs Billionen Dollar aus klassischen Bankeinlagen abfließen. Das würde ihre Kreditvergabe schwächen und die Finanzierungskosten erhöhen.
Der zuständige Senator Tim Scott bemüht sich nach der verschobenen Markup-Sitzung um Schadensbegrenzung und sendet ein Signal der Zuversicht. Er betont, dass sowohl Vertreter der Kryptoindustrie als auch des Finanzsektors sowie Demokraten und Republikaner weiterhin konstruktiv miteinander verhandeln.
Die Pause vor der nächsten Abstimmung sei nur vorübergehend. Der CLARITY Act basiere auf monatelangen, ernsthaften, parteiübergreifenden Gesprächen und dem Input von Unternehmen, Investoren und Behörden. Das Ziel bleibe es, klare Regeln zu schaffen, die Verbraucher schützen, die nationale Sicherheit stärken und die Zukunft der Finanzmärkte in den USA sichern. Doch letztendlich könnte all das eben an Stablecoin-Zinsen hängen.
Hier zeigten sich zuletzt Banken und Krypto-Industrie unnachgiebig – schließlich geht es um einen essentiellen und lukrativen Bestandteil der Geschäftsmodelle.
