JPMorgan & Co planen Tokenized Deposit Network gegen Stablecoins

JPMorgan, Citi, Bank of America und Wells Fargo arbeiten gemeinsam an einem „Tokenized Deposit Network“ (TDN), um Stablecoins herauszufordern. Das Projekt wird über „The Clearing House“ abgewickelt und strebt einen Start in der ersten Jahreshälfte 2027 an. Die wichtigste Zielgruppe bei diesem Vorhaben ist die Federal Reserve.
Offiziell wird das Projekt mit Effizienzgewinnen beworben: sofortiges Settlement rund um die Uhr, programmierbare Zahlungen und Geldbewegungen in Blockchain-Geschwindigkeit. Das eigentliche Ziel ist jedoch die Kontrolle. Wenn die Banken die tokenisierte Abwicklungsschicht besitzen, bleibt weder politischer noch struktureller Raum für eine staatliche digitale Zentralbankwährung (CBDC) für Privatkunden – und für Stablecoin-Emittenten im institutionellen Zahlungsverkehr wird die Luft dünn.
Stablecoin-Killer? Tokenisierte Einlagen vs. Fedwire: Was das TDN wirklich bringt
Eine tokenisierte Einlage ist kein neuer Vermögenswert. Es handelt sich um eine reguläre Bankeinlage, die lediglich auf einem gemeinsamen Ledger statt in isolierten Bankbüchern erfasst wird. Das Kreditrisiko, die regulatorische Behandlung und die Bilanzierungsstandards bleiben identisch. Was sich ändert, ist die Infrastruktur für die Abwicklung.
Systeme wie Fedwire und RTP arbeiten in Zyklen oder Zeitfenstern mit festen Annahmeschlusszeiten. Das TDN hingegen siedelt Transaktionen On-Chain und kontinuierlich ab – auch an Wochenenden und Feiertagen.
Genau in dieser Lücke haben Stablecoins ihren Anwendungsfall für Unternehmen gefunden. Treasury-Teams, die grenzüberschreitende Zahlungen in USDC abwickeln, geht es nicht um Geldphilosophie; sie schätzen, dass die Schienen von Circle auch am Sonntag um zwei Uhr morgens funktionieren, während die von JPMorgan bisher stillstehen.
Das TDN schließt diese Lücke, ohne dass ein einziger Dollar das regulierte Bankensystem verlassen muss.
Die Infrastruktur existiert bereits in Fragmenten. Die Kinexys-Plattform von JPMorgan verarbeitet institutionelle Zahlungen via JPM Coin auf einer privaten Blockchain. Zudem hat die Bank bereits Anfang 2026 einen Token für Einlagen auf Base, der öffentlichen Layer-2-Lösung von Coinbase, für institutionelle Kunden eingeführt, um grenzüberschreitende Zahlungen, Intraday-Liquidität und programmierbare Auszahlungen zu ermöglichen. Die „Token Services“ der Citi wiederum ermöglichen digitale Echtzeit-Transfers zwischen New York, London und Hongkong.
Das TDN fungiert als Interoperabilitätsschicht, die diese isolierten Bemühungen der Banken zu einem einzigen institutionellen Liquiditätspool verbindet – ein reguliertes Abwicklungsnetzwerk im Maßstab des US-Bankenwesens.
David Watson, CEO von The Clearing House, bezeichnete das Projekt als einen „großen Schritt für die Kreditgeber“. Die Branche stehe vor einer „radikal anderen“ Zukunft im Bereich der On-Chain-Zahlungen. Diese Einschätzung ist treffend, aber auch strategisch klug gewählt. Denn die Banken, die dieses Netzwerk vorschlagen, sind genau jene Institutionen, die am stärksten unter einer staatlichen CBDC oder einem Stablecoin leiden würden, der die institutionellen Dollarströme dominiert.
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Umgehung der CBDC: Warum das regulatorische Timing kein Zufall ist
Das Interesse im US-Kongress an einer von der Federal Reserve ausgegebenen CBDC für Privatkunden geht gegen Null. Bedenken hinsichtlich Überwachung, politische Markierung und Widerstand aus beiden Parteien haben direkte CBDC-Bestrebungen faktisch zum Stillstand gebracht. Die Banken wissen das und richten das TDN gezielt darauf aus.
Wenn der Privatsektor eine 24/7-Abwicklung mit tokenisierten Dollars über regulierte Bankeinlagen liefert, bricht das politische Argument für einen staatlichen digitalen Dollar in sich zusammen. Die Fed erhält eine modernisierte Zahlungsinfrastruktur ohne das politische Risiko einer eigenen CBDC-Ausgabe. Die Banken behalten die Einlagen in ihrem System, während Stablecoin-Emittenten unter Druck geraten. Im regulierten Bankensystem gewinnen alle – außer Tether und Circle.
Der Fortschritt des CLARITY Act in Washington erhöht den Druck zusätzlich. Banken lehnen Bestimmungen des CLARITY Act ab, die Raum für verzinste Stablecoins lassen würden – Produkte, die direkt mit den Einlagenzinsen der Banken konkurrieren könnten.
Ein funktionierendes TDN erleichtert diesen Kampf: Wenn Banken bereits programmierbare, Blockchain-native Einlagen mit einer Absicherung auf FDIC-Niveau anbieten, schwächt dies das politische Argument erheblich, nicht-bankengebundenen Stablecoin-Emittenten die Zahlung von Zinsen zu erlauben.
Shahmir Khaliq, Head of Services bei Citi, beschrieb das Netzwerk als einen weiteren Schritt, der die Rolle der Banken in den Bereichen Finanzierung, Geldmanagement und Kapitalmärkte „effektiv zementiert“. Das ist keine bloße Produktbeschreibung – das ist ein Gebietsanspruch.
Was die Banken tatsächlich schützen, ist die monetäre Übertragungsschicht – jene Infrastruktur, über die Dollar-Liquidität von der Federal Reserve in die Realwirtschaft fließt. Wenn diese Schicht auf bankeneigenen Blockchain-Schienen tokenisiert wird, behalten sie ihren Status als Gatekeeper in einem nativen digitalen Finanzsystem.
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