Recovery-Multisig hält 1,23 Millionen ATOM vorerst fest
Der Cosmos Hub hat 1.227.121,37 gestohlene ATOM in eine Recovery-Multisig verschoben, nachdem ein Angreifer die Token infolge des Neutron-Hacks auf die Chain transferiert hatte. Die technische Sicherung ist damit vollzogen, die eigentliche Auszahlung an Betroffene bleibt jedoch an ein noch ausstehendes Governance-Votum gebunden.
1,23 Millionen ATOM in Recovery-Multisig gesichert
Der Angriff auf Neutron am 22. September verschaffte einem Akteur Kontrolle über zentrale Vertragsstrukturen und ermöglichte es ihm, rund 1,73 Mio. ATOM in Richtung Cosmos Hub zu bewegen. Hub-Validatoren reagierten, indem sie die Chain bei Höhe 33.086.740 stoppten und mit der gepatchten Software Gaia v28.3.0 neu starteten.
Beim ersten Block nach dem Neustart erfolgte ein einmaliger State-Change, der 1.227.121,37 ATOM von der angreiferbezogenen Adresse in eine Recovery-Multisig überführte. Der Hub selbst wurde dabei nicht exploitiert, andere Nutzerbestände oder Delegationen blieben laut den Angaben der Maintainer unangetastet. Mehr als 67 Prozent der Hub-Voting-Power hatten die Installation bereits vor dem Neustart bestätigt, ähnliche Streitfragen um Verantwortung nach einem Exploit zeigte zuletzt auch der Exploit rund um rsETH bei KelpDAO und LayerZero.
Als Signer der Multisig sind Nansen, Keplr, Enigma, Silknodes, Kiln und Polkachu benannt. Technisch reichen vier von sechs Signaturen für eine Transaktion, die Signer selbst wollen die Mittel jedoch erst nach einem verabschiedeten Hub-Signaling-Proposal freigeben.
Warum die Rückerstattung noch nicht beschlossen ist
Der Notfall-Patch hat weder alle berechtigten Anspruchsteller identifiziert noch einen Verteilungsplan genehmigt. Cosmos Labs erklärte, dass das Neutron-Response-Team weiterhin Belege sammelt und einen Verteilungsplan für betroffene Nutzer und Protokolle vorbereitet, darunter Astroport und Drop.
Zum Prüfzeitpunkt am 26. September um 15:40 UTC war kein passendes Hub-Mandat verabschiedet. Proposal 1057 betraf lediglich die Wiederherstellung eines Realio-IBC-Light-Clients, während Proposal 1056 mit dem Titel „ATOM Refund & Justice Bounty“ noch in der Abstimmung stand und einen anderen Rückerstattungs- und Bounty-Mechanismus vorsah – nicht die Ausschüttung aus dieser konkreten Multisig. Wie ein solches Onchain-Proposal per Abstimmung durchgesetzt wird, zeigte kürzlich auch die Migration von ZetaChain zu Solana, und die praktische Bedeutung solcher Governance-Entscheidungen für die Mittelverwendung eines Ökosystems verdeutlicht ebenso die Debatte um den Zcash Development Fund.
Der Patch konnte nicht alle gestohlenen ATOM erfassen
Die Sicherung betrifft ausschließlich den Bestand, der zum Zeitpunkt des Halts auf der angreiferbezogenen Hub-Adresse lag. Laut Cosmos Labs waren rund 500.000 ATOM bereits vor dem Stopp über THORChain getauscht worden und damit außerhalb der Reichweite des Patches.
Zusätzlich trafen 168.990,9 ATOM aus einer ausstehenden THORChain-Rückzahlung erst nach dem Neustart an derselben Adresse ein – der einmalige State-Change konnte diesen späteren Eingang nicht mehr erfassen. Diese Tokens wurden anschließend zu Osmosis bewegt und verkauft, was zeigt, dass die Sicherstellung eine Momentaufnahme war und keine vollständige Rückholung aller gestohlenen Mittel bedeutet.
Cosmos Labs und Validatoren warten auf ein Mandat
Cosmos Labs trennt in seiner Darstellung klar zwischen der Notfallmaßnahme zur Sicherung des Guthabens und der späteren Entscheidung darüber, wer die Mittel erhält. Die Organisation erklärte zudem, selbst über keinen Schlüssel zur Recovery-Wallet zu verfügen.
Die sechs Signer bestehen auf einem öffentlichen Governance-Auftrag, bevor sie die Mittel bewegen. Neutron war nach Angaben von Cosmos Labs bis zum 25. September mit Gegenmaßnahmen wieder in Betrieb, während Beitragende und betroffene Protokolle weiter an der Beweislage für die Verteilung arbeiteten.
Gesicherte ATOM bleiben bis zur Abstimmung gebunden
Die 1.227.121,37 ATOM stehen für eine Recovery zur Verfügung, ihre Empfänger sind aber weiterhin nicht festgelegt. Ein vom Neutron-Recovery-Plan getragenes Hub-Proposal soll den sechs Signern den öffentlichen Auftrag liefern, den sie für eine Freigabe verlangen.
Ob Neutron zusätzlich über eigene Maßnahmen abstimmt, überlässt der Hub-Account ausdrücklich der Neutron-Governance selbst. Für Betroffene bedeutet das: Die Gelder sind gesichert, ihre Rückgabe bleibt aber an einen politischen Prozess geknüpft, dessen Zeitplan noch nicht feststeht.
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