Coldcard-Fehler verschiebt Bitcoin-Daten – kein Blockchain-Hack

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Bitcoin verzeichnete in der ersten Augustwoche 2,27 Millionen neu erstellte Wallets und 751.000 aktive Adressen pro Tag – die stärkste On-Chain-Aktivität seit Monaten. Auslöser ist ein Firmware-Fehler bei Coldcard-Hardware-Wallets des kanadischen Herstellers Coinkite, durch den seit dem 30. Juli mehr als 116 Millionen US-Dollar in BTC abgeflossen sind.

Was die On-Chain-Daten zeigen

Laut Santiment erreichte die Zahl aktiver Adressen am 31. Juli mit knapp 978.000 einen Höchststand, etwa das 1,6-Fache des Juli-Tagesdurchschnitts. In den folgenden Tagen pendelte sich der Wert auf weiterhin erhöhtem Niveau von rund 751.000 ein, verglichen mit einem Juli-Schnitt von knapp 610.000.

Entscheidend ist, was in diesem Anstieg fehlt: Die Zuflüsse an Börsen lagen im selben Zeitraum bei durchschnittlich rund 1,55 Milliarden US-Dollar täglich – leicht unter dem Juli-Durchschnitt von 1,67 Milliarden US-Dollar. Wallets vermehren sich, Coins werden bewegt, aber das Kapital fließt nicht in Richtung Handelsplätze. Diese Diskrepanz deutet auf defensives Verhalten hin statt auf einen klassischen Adressboom im Bullenmarkt, wie er sonst mit Kaufdruck einhergeht.

Der Coldcard-Fehler im Detail

Der Fehler geht auf einen Firmware-Build vom März 2021 zurück, der in den Versionen 4.0.1 bis 4.1.9 die Erzeugung von Seed-Phrasen über einen softwarebasierten Zufallszahlengenerator statt über den dedizierten Hardware-Entropie-Chip leitete. Bei den am stärksten betroffenen Mk3-Geräten resultierte daraus statt eines 128-Bit-Schlüssels nur etwa 40 Bit echte Zufälligkeit, bei einigen späteren Modellen rund 72 Bit.

Coinkite hat inzwischen einen Firmware-Patch sowie einen Entropie-Hotfix veröffentlicht, der offenlegt, wie viel Zufälligkeit die betroffenen Geräte tatsächlich generierten. Unabhängige Sicherheitsforscher führten zudem eine Notfallprüfung durch, bei der binnen gut eines Tages knapp 5.000 einzelne Schwachstellen in Hunderten Bitcoin-bezogenen Projekten aufgedeckt wurden. Eine vierte Diebstahlwelle plünderte Berichten zufolge auch Tage nach der ersten Offenlegung noch Wallets.

Kein Protokollfehler, aber ein Lieferketten-Problem

Experten grenzen den Vorfall bewusst von einer Schwachstelle in Bitcoin selbst ab. Die Schwäche lag ausschließlich darin, wie die Firmware eines einzelnen Herstellers Zufallswerte für Seed-Phrasen generierte – ein Fehler in der Selbstverwahrungs-Lieferkette, kein Problem der Blockchain.

Geografische Auswertungen der Opfer-Wallets zeigen, dass kanadische Nutzer rund ein Viertel der Verluste aus dem Exploit tragen, was wahrscheinlich mit der kanadischen Kundenbasis von Coinkite und einer frühen Nutzerkonzentration dort zusammenhängt. Der Fall zeigt, wie ein eng begrenzter, grundsätzlich behebbarer Firmware-Fehler dennoch zentrale On-Chain-Kennzahlen weit über die Zahl der betroffenen Geräte hinaus verschieben kann.

Einordnung für Selbstverwahrer

Für sicherheitsbewusste Coldcard-Besitzer der Modelle Mk3, Mk4, Mk5 und Q war die rationale Reaktion, neue Wallets auf nicht betroffener Hardware zu erstellen und Bestände auf frische Adressen zu übertragen. Genau dieses Verhalten erklärt den Sprung bei neuen und aktiven Wallets, ohne dass die ausbleibenden Börsenzuflüsse auf eine Verkaufswelle hindeuten.

Der Vorfall reiht sich in eine breitere Debatte um Verwahrungsrisiken ein, die zuletzt auch bei Liquidationen auf zentralisierten Börsen sichtbar wurde. Wie sich große Halter in solchen Phasen positionieren, zeigt sich parallel an Bewegungen wie einem kürzlichen Bitcoin-Wal-Verkauf sowie an gegenläufigen Kaufbewegungen wichtiger Bitcoin-Halter.

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