Bitcoin-Rally unter Druck: Kaufinteresse lässt kurzfristig nach

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Bitcoin bleibt laut CryptoQuant im übergeordneten Bullenmarkt, doch kurzfristig steigt das Korrekturrisiko: Die nicht realisierte Profitmarge kurzfristiger Trader hat mit 33 Prozent den höchsten Stand seit 21 Monaten erreicht. Gleichzeitig lässt die Nachfrage an Spot- und Futures-Märkten nach, während Gewinnmitnahmen zunehmen. Als erste wichtige Unterstützung gilt die Zone um 80.000 US-Dollar.

Der Gegensatz ist entscheidend: Der Bitcoin Bull Score Index liegt weiterhin bei 90 von 100 und signalisiert damit ein ausgesprochen bullisches Marktumfeld. Das schließt einen Rücksetzer nicht aus. Vielmehr treffen hohe Buchgewinne auf nachlassenden Kaufdruck – eine Konstellation, in der die Rally kurzfristig an Zugkraft verlieren kann.

Hohe Buchgewinne erhöhen den Verkaufsanreiz

Die Profitmarge von 33 Prozent misst den nicht realisierten Gewinn kurzfristiger Bitcoin-Trader. Laut CryptoQuant wurde ein vergleichbares Niveau zuletzt im Dezember 2024 erreicht. Solche hohen Margen können Gewinnmitnahmen begünstigen: Wer deutliche Buchgewinne hält, kann Positionen reduzieren und Erträge sichern, ohne dass damit automatisch der längerfristige Aufwärtstrend endet.

Dass Gewinne nicht nur auf dem Papier stehen, zeigt der 22. September. An diesem Tag realisierten Bitcoin-Halter Gewinne in Höhe von 25.700 BTC – der höchste einzelne Tageswert des Jahres 2026. CryptoQuant ordnet diese Bewegung als Hinweis darauf ein, dass Marktteilnehmer nahe jüngster Hochs tatsächlich Kasse machten.

Historisch gingen stark gestiegene nicht realisierte Gewinne häufig mit Gewinnmitnahmen und lokalen Hochpunkten einher. Das ist ein Warnsignal für den kurzfristigen Kursverlauf, aber kein Beleg für einen bevorstehenden Bärenmarkt. Gerade in einem größeren Aufwärtstrend können solche Phasen eine Zwischenkorrektur auslösen, ohne die übergeordnete Marktstruktur unmittelbar zu kippen.

Auch bei Altcoins mehren sich laut CryptoQuant Anzeichen für möglichen Verkaufsdruck. Die kumulierten Altcoin-Einzahlungen auf Börsen über sieben Tage stiegen auf 76.000 Transaktionen – den höchsten Wert seit dem 17. Oktober 2025. Zugleich nahm die Zahl der Adressen, die Altcoins an Börsen transferierten, auf 51.000 zu, ebenfalls ein Hoch seit Oktober 2025.

Bemerkenswert ist dabei die Verteilung: Der Anstieg wurde dem Bericht zufolge nicht hauptsächlich von wenigen großen Wallets getragen, sondern war breit gestreut. Börsentransfers beweisen zwar nicht, dass die eingezahlten Coins unmittelbar verkauft werden. Sie schaffen aber die Möglichkeit dazu und ergänzen das Bild wachsender Gewinnmitnahmen. Auch Bewegungen alter Bitcoin-Wallets können als On-Chain-Signal Hinweise auf potenziellen Verkaufsdruck liefern.

Spot- und Futures-Nachfrage verlieren an Schwung

Neben der Gewinnseite schwächt sich auch die Nachfrage ab. Die sogenannte scheinbare Spot-Nachfrage – eine On-Chain-Kennzahl zur Einschätzung der Nachfrage am Kassamarkt – schrumpfte innerhalb von 30 Tagen um 170.000 BTC. Damit halten frische Käufe laut den von CryptoQuant ausgewerteten Daten offenbar nicht mit dem zuvor gestiegenen Angebot und den Gewinnmitnahmen Schritt.

Auch das Wachstum der spekulativen Futures-Nachfrage verlor deutlich an Tempo: Der Wert sank von 164.000 BTC am 14. September auf 16.000 BTC am 29. September. Der Rückgang ist relevant, weil die Nachfrage im Derivatemarkt zuvor als wichtiger Treiber der Rally beschrieben wurde. Bleibt zusätzlicher Kaufdruck aus, wird es schwieriger, weitere Kursanstiege zu tragen.

Hohe Profitmargen, realisierte Gewinne, steigende Altcoin-Einzahlungen und eine schwächere Spot- sowie Futures-Nachfrage ergeben zusammen ein belastbareres Korrektursignal als jeder einzelne Indikator für sich. CryptoQuant leitet daraus ein erhöhtes kurzfristiges Rückschlagrisiko ab, keine sichere Kursprognose. Institutionelle Nachfrage kann das Bild ergänzen; Zuflüsse in Bitcoin-ETFs bilden dafür einen separaten Marktindikator. Auch der Verfall von Bitcoin-Optionen kann kurzfristig für zusätzliche Bewegung sorgen.

80.000 US-Dollar sind der erste Belastungstest

Moreno von CryptoQuant sieht den gleitenden 365-Tage-Durchschnitt um 80.000 US-Dollar als erste Unterstützung. Darunter liegen laut seiner Einschätzung weitere Auffangzonen an der 200-Tage-Linie bei etwa 71.000 US-Dollar und am On-Chain-Realisierungspreis der Trader bei rund 67.000 US-Dollar. Diese Marken sind mögliche Prüfstellen für die Stärke des laufenden Aufwärtstrends, keine garantierten Kursböden.

Ein Rückgang bis in diese Bereiche wäre nach der Einschätzung von CryptoQuant zunächst eher als Konsolidierung innerhalb eines jungen Bullenmarkts zu verstehen – vorausgesetzt, die Unterstützungen halten. Damit hängt die Einordnung weniger an einem einzelnen Rücksetzer als an der Reaktion des Marktes auf diese Niveaus. Ein stabiler Halt würde die bullische Struktur stützen; ein nachhaltiger Bruch würde die bullische Einordnung infrage stellen.

Für die nächsten Handelstage bleiben deshalb drei Entwicklungen zentral: ob Bitcoin die Zone um 80.000 US-Dollar verteidigt, ob die kurzfristigen Profitmargen und realisierten Gewinne nachlassen und ob sich die Spot- und Futures-Nachfrage erholt. Der Bull Score von 90 hält das übergeordnete Bild konstruktiv, beseitigt aber den kurzfristigen Gegenwind nicht. Solange die genannten Unterstützungen Bestand haben, bleibt eine Korrektur mit anschließender Stabilisierung das von CryptoQuant beschriebene Szenario – nicht automatisch ein Ende des Bullenmarkts.

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