BIP-110 droht an der Miner-Mehrheit und könnte Ketten spalten
Der umstrittene Bitcoin-Vorschlag BIP-110 steuert auf sein obligatorisches Signalisierungsfenster zu, ohne dass die nötige Miner-Mehrheit dahintersteht. Laut dem aktuellen Stand vom 27. Juli 2026 liegt die Signalquote bei lediglich 2,64 Prozent der Netzwerk-Hashrate – deutlich zu wenig, um eine breite Umstellung der großen Mining-Pools zu signalisieren.
Meldung im Detail
Was BIP-110 verändern soll
BIP-110, offiziell „Reduced Data Temporary Softfork“ genannt und verfasst unter dem Namen Dathon Ohm, begrenzt die Größe bestimmter Datenfelder in Bitcoin-Transaktionen. Zielgruppe sind Inschriften im Ordinals-Stil, übergroße OP_RETURN-Nutzdaten und ähnliche datenintensive Anwendungen, während gewöhnliche Überweisungen, Taproot-Ausgaben über Schlüsselpfade und Lightning-Kanäle unberührt bleiben. Bei Aktivierung würden die Regeln ab Block 965.664 greifen und nach 52.416 Blöcken – also nach rund einem Jahr – automatisch auslaufen.
Entscheidend ist der Zeitplan: Block 961.632, voraussichtlich erreicht am oder um den 9. August 2026, markiert den Beginn des Pflicht-Signaling-Fensters. Ab diesem Punkt lehnen Knoten, die BIP-110 durchsetzen, jeden Block ab, der das Versionsbit 4 nicht signalisiert – unabhängig vom dahinterstehenden Proof-of-Work.
Ocean führt, die großen Vier schweigen
Die Signalisierung wird fast ausschließlich vom Ocean-Pool sowie einer Reihe kleiner Miner wie Roughnecks, SoV, Barefoot Mining, 234 Alberta oder Sazmining getragen. Foundry, Antpool, ViaBTC und F2pool – gemeinsam für den Großteil der Netzwerk-Hashrate verantwortlich – haben bislang keine erkennbare Bewegung in Richtung Unterstützung gezeigt.
Foundry nimmt dabei eine Sonderrolle ein: Der Pool hat seine Kunden Mitte Juli gebeten, per hashrate-gewichteter Abstimmung über die eigene Signalisierungsposition zu entscheiden. Nur wenn die Zustimmung 51 Prozent der teilnehmenden Hashrate übersteigt, würde Foundry umschalten – Kunden ohne Antwort zählen automatisch als Nein. Da Foundry je nach Messzeitraum zwischen rund 23 und 33 Prozent der globalen Hashrate ausmacht, wäre ein Kurswechsel dieses Pools der einzige realistische Hebel, um die Signalquote kurzfristig entscheidend zu verändern.
Reaktionen: Hardfork-Vorwurf gegen Sicherheitsbedenken
Luke Dashjr, Entwickler bei Bitcoin Knots und Befürworter von BIP-110, dreht die Debatte um: Das Entfernen von Regeln sei ein Hardfork, und die Ablehnung von BIP-110 sei damit selbst ein umstrittener Versuch eines Hardforks, ohne dass es dafür einen Konsens gebe.
Alex Thorn, Forschungsleiter bei Galaxy Digital, widerspricht dieser Einschätzung deutlich. Die Nutzung des OP_RETURN-Blockspeicherplatzes sei seit Bitcoin Core v30 kaum gestiegen, übergroße Einträge verbrauchten weiterhin unter 0,1 Prozent des Blockspeicherplatzes – angesichts dieser minimalen Auswirkung sei BIP-110 eine unverhältnismäßig disruptive Reaktion.
Kettenspaltung als reales Szenario
Bleibt die Unterstützung auf dem aktuellen Niveau, entstehen ab Block 961.632 zwei parallele Chains: Eine, die von der überwiegenden Hashrate-Mehrheit weiter im normalen Takt produziert wird, und eine Minderheitskette aus signalisierenden Minern, die bis zur nächsten Schwierigkeitsanpassung nach 2.016 Blöcken deutlich langsamer läuft. Der historisch nächste Vergleichsfall ist der UASF BIP-148 aus dem Jahr 2017, der letztlich eher als Drohmittel diente als zu einer echten dauerhaften Spaltung zu führen.
Für Investoren zählen in den kommenden Tagen vor allem drei Signale: ob einer der vier dominanten Pools seine Position ändert, ob Börsen öffentlich klarstellen, welche Chain sie im Spaltungsfall anerkennen würden, und wie sich die Miner tatsächlich verhalten, sobald das Pflichtfenster öffnet. Bis dahin bleibt BIP-110 ein Nischenphänomen mit hohem Eskalationspotenzial, nicht mehr.