Achtung: Bitcoin wird nicht mehr vom Halving bestimmt

Über viele Jahre galt der Vierjahreszyklus rund um das Bitcoin-Halving als einer der wichtigsten Orientierungspunkte für Anleger. Steigende Kurse nach der Halbierung der Blockbelohnung und deutliche Korrekturen gegen Ende des Zyklus prägten den Markt über mehr als ein Jahrzehnt. Laut dem Vermögensverwalter Grayscale könnte sich dieses Muster nun jedoch grundlegend verändern.
In einer aktuellen Analyse kommt das Unternehmen zu dem Schluss, dass Bitcoin inzwischen in eine neue Marktphase eingetreten ist. Statt des Halvings sollen heute vor allem makroökonomische Faktoren wie die globale Liquidität, die Geldpolitik der US-Notenbank und die Entwicklung der Realzinsen den Kurs bestimmen.
Makroökonomie rückt in den Mittelpunkt
Nach Einschätzung von Grayscale reagierte der jüngste Bitcoin-Rückgang weniger auf zyklische Faktoren als vielmehr auf das veränderte wirtschaftliche Umfeld.
So fiel die Korrektur zeitlich mit steigenden Realzinsen in den USA sowie einer restriktiveren Haltung der US-Notenbank zusammen. Höhere Realzinsen gelten allgemein als Belastungsfaktor für risikoreiche Anlageklassen, da sichere Anlagen wie Staatsanleihen dadurch attraktiver werden.
Grayscale argumentiert deshalb, dass Anleger Bitcoin künftig stärker im Zusammenhang mit makroökonomischen Entwicklungen betrachten sollten als mit dem traditionellen Halving-Zyklus. Sollte die Federal Reserve ihre Zinserhöhungen pausieren oder später sogar wieder zu einer lockereren Geldpolitik übergehen, könnte sich das Umfeld für Bitcoin entsprechend verbessern.
Hat Bitcoin seinen Tiefpunkt bereits erreicht?
Aus dieser Einschätzung leitet Grayscale eine weitere These ab: Der Vermögensverwalter hält es für möglich, dass Bitcoin sein zyklisches Tief bereits gesehen hat.
Voraussetzung dafür sei allerdings, dass die US-Wirtschaft eine schwere Rezession vermeiden könne und sich die Finanzierungsbedingungen in den kommenden Monaten wieder entspannen. In diesem Szenario könnte sich Bitcoin früher erholen als es frühere Marktzyklen vermuten lassen würden.
Damit stellt Grayscale den klassischen Vierjahreszyklus erstmals deutlich infrage und verweist auf die zunehmende Reife des Bitcoin-Marktes.
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Nicht alle Analysten teilen diese Einschätzung
Innerhalb der Kryptobranche gibt es jedoch weiterhin unterschiedliche Ansichten.
Befürworter des traditionellen Halving-Zyklus weisen darauf hin, dass frühere Bärenmärkte meist erst rund ein Jahr nach dem jeweiligen Allzeithoch ihren Tiefpunkt erreichten. Außerdem fielen die stärksten Kursrückgänge historisch häufig etwa zweieinhalb Jahre nach dem Halving zusammen und erreichten im Durchschnitt Einbrüche von rund 80 Prozent.
Aus dieser Perspektive könnte Bitcoin trotz der jüngsten Stabilisierung theoretisch noch weiteres Abwärtspotenzial besitzen. Ob sich dieses historische Muster erneut wiederholt, bleibt jedoch offen.
Ein anderer Markt als noch vor wenigen Jahren
Tatsächlich hat sich der Bitcoin-Markt in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Mit der Einführung der Spot-Bitcoin-ETFs, dem wachsenden Interesse institutioneller Investoren und der zunehmenden Einbindung in die traditionellen Finanzmärkte reagiert Bitcoin heute stärker auf makroökonomische Entwicklungen als in den Anfangsjahren.
Deshalb halten immer mehr Analysten es für möglich, dass sich frühere Kurszyklen künftig nicht mehr eins zu eins wiederholen. Während das Halving weiterhin einen Einfluss auf das Angebot neuer Bitcoin hat, könnten globale Liquidität, Zinspolitik und institutionelle Kapitalströme inzwischen eine deutlich größere Rolle spielen.
Ob Grayscale mit dieser Einschätzung richtig liegt, dürfte sich erst in den kommenden Quartalen zeigen. Klar ist jedoch, dass die Diskussion über den Einfluss des Halvings auf den Bitcoin-Kurs aktuell intensiver geführt wird als jemals zuvor.
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