Milliarden-Deals: Payward zielt auf Banken und Fintechs
Payward, die in Wyoming ansässige Muttergesellschaft der Kryptobörse Kraken, baut ihr Geschäft zu einer gemeinsamen Finanzinfrastruktur aus. Das Unternehmen investiert Milliarden in Übernahmen, Partnerschaften und neue Produkte, um Handel, Banking, Vermögensverwaltung und Dienstleistungen für andere Finanzunternehmen auf einer einzigen Plattform zu bündeln. Damit verlässt Payward den reinen Wettbewerb um Endkunden am Spotmarkt und positioniert sich zunehmend als Zulieferer für Banken, Broker und Fintechs.
Payward baut die Plattform über Kraken hinaus aus
In den vergangenen zwei Jahren hat Payward mehrere Milliarden US-Dollar für Übernahmen ausgegeben, die den Übergang von der reinen Handelsplattform zur Finanzinfrastruktur untermauern sollen. Für NinjaTrader zahlte das Unternehmen 1,5 Milliarden US-Dollar, um eine US-Futures-Brokerage samt Technologie und behördlichen Genehmigungen aufzubauen, wie Payward und Kraken Co-CEO Arjun Sethi im Interview mit CoinDesk erklärte.
Ein zweiter großer Deal folgte mit Bitnomial für 550 Millionen US-Dollar, der Payward regulierte Derivateinfrastruktur einschließlich Börse, Clearingstelle und Terminhandelsmakler einbrachte. Laut Sethi steht das Unternehmen zudem kurz vor der Übernahme einer Bank in Europa, ohne dass er das konkrete Zielunternehmen nannte. Parallel dazu hat sich Nasdaq in diesem Monat verpflichtet, 100 Millionen US-Dollar in Payward zu investieren; gemeinsam planen beide Unternehmen den Start von Nasdaq Equity Tokens für das zweite Quartal 2027, vorbehaltlich der regulatorischen Genehmigung.
Ein gemeinsamer Ledger und vier Geschäftssäulen
Sethi beschreibt das Modell als eine Plattform mit einer Bilanz und einem regulatorischen Stack anstelle einer klassischen Holdingstruktur. Zentral dafür ist, was er als „One Ledger“ bezeichnet: die Möglichkeit, Geld und Vermögenswerte zwischen Produkten zu bewegen, ohne das übliche Geflecht an Vermittlern hinter traditionellen Finanzsystemen.
Payward strukturiert seine Strategie in vier Säulen: Handel über Kraken, Banking, Vermögensverwaltung und Payward Services als B2B-Infrastruktursparte. Kraken selbst verfügt laut Sethi über rund 6,6 Millionen finanzierte Konten mit Vermögenswerten zwischen 40 und 50 Milliarden US-Dollar, verteilt auf mehr als 190 Länder und Gebiete. Rund um diese Konten baut Payward Angebote wie Karten, Kredite, Derivate und tokenisierte Aktien aus, ergänzt durch Kraken Financial, eine in Wyoming zugelassene Special Depository Institution. Ähnlich wie ein Krypto-Finanzdienstleister, der zuletzt in Brokerage- und Clearing-Infrastruktur expandierte, setzt Payward damit auf regulierte Zusatzdienste statt auf reinen Handel als Umsatztreiber.

Sethi und Architect Partners sehen eine neue Infrastruktur-Ebene
Die Investmentbank Architect Partners ordnet Paywards Vorgehen als eigenständiges Modell ein: Statt alle Produkte unter der Kraken-Marke zu bündeln, entwickle das Unternehmen einen regulierten Infrastruktur-Stack, der mehrere Marken, Kundensegmente und Partnerkanäle gleichzeitig bedienen kann. Genau darin unterscheide sich Payward von Wettbewerbern, die auf eine einzige „Everything Exchange“ setzen.
Praktisch zeigt sich das bei Payward Services, das Banken, Fintechs, Brokerhäusern und Krypto-Plattformen über einen gemeinsamen Satz von APIs Zugriff auf Verwahrung, Liquidität, Compliance, Risikomanagement, Zahlungen und Abwicklung gibt. Nach Angaben von Sethi entwickeln mindestens 25 Unternehmen derzeit Produkte auf dieser Infrastruktur, darunter auch Hyperliquid. Der Ansatz erinnert an Modelle, bei denen ein Kryptoanbieter seine Technologie als B2B-Lösung für ein größeres Bankennetz bereitstellt, statt ausschließlich auf Endkunden zu zielen.
Vom Börsenwettbewerb zur Finanzinfrastruktur
Beim reinen Spot-Handelsvolumen bleibt Kraken deutlich kleiner als die größten Wettbewerber. Nach Daten von CoinGecko lag der durchschnittliche tägliche Spot-Handel in den ersten vier Monaten des Jahres 2026 bei rund 1,1 Milliarden US-Dollar, während Binance im zweiten Quartal 2026 einen Anteil von 38,7 Prozent am Spot-Volumen der zehn größten zentralisierten Börsen kontrollierte und Coinbase im ersten Quartal 2026 einen Anteil von 8,6 Prozent am gesamten Kryptohandelsvolumen meldete.
Genau hier liegt der Kern von Paywards Strategie: Statt den Handelsanteil direkt anzugreifen, will das Unternehmen zur Infrastruktur werden, auf der auch fremde Marken und Finanzunternehmen aufsetzen – ähnlich wie es Anbieter regulierter Stablecoin-Zahlungen mit frischem Kapital vorantreiben. Als nächster überprüfbarer Meilenstein gilt der geplante Start der Nasdaq Equity Tokens im zweiten Quartal 2027 sowie der weitere Ausbau von Payward Services, wobei die regulatorische Freigabe in beiden Fällen noch aussteht.
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