Itaú testet komplette Abwicklung tokenisierter Anlagen
Itaú Unibanco, gemessen an der Marktkapitalisierung größte Bank Lateinamerikas, steigt in ein Tokenisierungs-Pilotprojekt der brasilianischen Finanzmarktvereinigung ANBIMA ein. Zusammen mit dem Infrastrukturanbieter OpenAssets testet die Bank den vollständigen Lebenszyklus tokenisierter festverzinslicher Wertpapiere und Investmentfonds – von der Emission über den Handel bis zur Abwicklung.
Was der Pilot konkret abdeckt
Laut der Ankündigung von OpenAssets vom 11. August entwickeln die beiden Partner technische Proof-of-Concepts und prüfen Architektur, Standards und Compliance-Anforderungen für tokenisierte Investments. Im Fokus stehen Debentures, eine in Brasilien verbreitete Form von Unternehmensanleihen, sowie Investmentfonds mit unterschiedlichen Eigentums-, Handels- und Verwaltungsstrukturen.
Mehr als 50 Finanz- und Kapitalmarktorganisationen sind an ANBIMAs Programm beteiligt. Ergänzenden Angaben zufolge wählte ANBIMA im April aus 39 eingereichten Vorschlägen 20 Use Cases für die praktische Testphase aus; die Tests laufen auf einem privaten, permissionierten DLT-Netzwerk in einer simulierten Umgebung ohne reale Finanztransaktionen.
Itaús Vorerfahrung aus dem Drex-Piloten
Itaú war bereits 2023 Teil des Drex-Piloten der brasilianischen Zentralbank, der Transaktionen mit tokenisiertem Geld und Finanzanlagen testete. Weitere Großbanken wie Bradesco, Santander Brasil, BTG Pactual, Banco do Brasil, Banco BV und die Entwicklungsbank BNDES bauen laut früherer Berichterstattung von crypto.news ebenfalls Kapazitäten für tokenisierte Wertpapiere auf. Auch der Börsenbetreiber B3 prüft den Einsatz von Distributed-Ledger-Systemen in Kapitalmärkten.
Private Initiativen ergänzen das Bild: Der Verbriefer VERT Capital kündigte im Juli 2025 an, bis zu 1 Milliarde US-Dollar an Schulden und Forderungen auf dem XDC Network zu platzieren, während Mercado Bitcoin 200 Millionen US-Dollar an festverzinslichen und Aktienprodukten auf dem XRP Ledger tokenisieren will.
OpenAssets-Chef sieht Brasilien als Testfeld
OpenAssets-Chairman und CEO Gabor Gurbacs beschreibt die Initiative als Versuch zu klären, wie tokenisierte Assets innerhalb der Rahmenwerke und Standards emittiert, abgewickelt und verwaltet werden können, die Finanzinstitute benötigen. Brasilien bezeichnet er als „forward-looking“ und als naheliegenden Ort, um Tokenisierung von der Erprobung in die Produktion zu überführen.
OpenAssets, früher unter dem Namen Pointsville aktiv, sammelte 2025 eine Finanzierungsrunde über 10 Millionen US-Dollar ein. Angeführt von Valor Capital Group beteiligten sich auch Tether sowie Mitglieder der Gründerfamilie von Itaú Unibanco als Investoren.
Parallelen zum US-Modell bei der DTCC
In den USA verfolgt die Depository Trust & Clearing Corporation ähnliche Fragestellungen zu Custody, Abwicklung und rechtlich anerkanntem Eigentum. Ihre Arbeitsgruppe umfasst über 50 Unternehmen, darunter BlackRock, JPMorgan, Goldman Sachs und Nasdaq, mit einem vollständigen Service-Start, der für Oktober 2026 anvisiert ist. Ein SEC-No-Action-Letter erlaubt der DTCC-Tochter DTC bereits, einen definierten Tokenisierungsdienst für drei Jahre anzubieten – ein regulatorischer Bezugspunkt, an dem sich auch der brasilianische Pilot orientieren dürfte.
Itaú bringt in den ANBIMA-Piloten ein Geschäft ein, das laut S&P Global mehr als 562 Milliarden US-Dollar an Gesamtvermögen umfasst. Ob daraus konkrete Marktprodukte entstehen, hängt vom Ausgang der laufenden technischen und regulatorischen Tests ab.