Bitcoin vor Trendwende? On-Chain-Nachfrage bleibt der Knackpunkt
Bitcoin bewegt sich derzeit in einem Markt, der laut CryptoQuant-CEO Ki Young Ju überwiegend von Terminkontrakten getragen wird. Das Open Interest steigt, doch die zugrunde liegende Nachfrage auf der Blockchain fällt weiter. Im Zentrum seiner jüngsten On-Chain-Einschätzung steht damit die Diskrepanz zwischen Derivatemarkt und Spot-Aktivität.
Ki Young Jus Einschätzung im Detail
Ki Young Ju schrieb am 27. April in einem Beitrag auf X, dass sich Bitcoin derzeit in einem futures-getriebenen Markt befinde. Das Open Interest nehme zu, doch die Kennzahl Apparent Demand verharre im Nettorückgang. Dies gelte trotz Zuflüssen in Bitcoin-ETFs, also börsengehandelte Fonds, und trotz weiterer Käufe von Michael Saylor.
Apparent Demand ist eine On-Chain-Kennzahl, die Faktoren wie neu in den Markt fließendes Kapital und steigende gehaltene Bestände abbildet. Sie dient dazu, Trends bei der zugrunde liegenden Nachfrage einzuschätzen. Ju verwies zudem auf vergangene Marktzyklen, in denen Bärenmärkte typischerweise erst dann endeten, wenn sich die Nachfrage im Spot- und Futures-Markt gleichzeitig erholte.
Spot und Futures: Die Nachfrage bleibt entscheidend
Das steigende Open Interest und der Nettorückgang der On-Chain-Nachfrage beschreiben nach dieser Einordnung einen Markt, in dem Derivate derzeit eine wichtige Rolle spielen. Zugleich bleibt eine Erholung der Spot-Nachfrage eine zentrale Variable für den nächsten möglichen Trendwechsel.
Die ETF-Zuflüsse stehen dabei neben der schwachen Entwicklung der Apparent-Demand-Kennzahl. Damit bleibt die Frage relevant, ob sich die Nachfrage auf Kettenebene zusammen mit der Aktivität im Futures-Markt erholt. Nach dem von Ju angeführten Muster vergangener Zyklen wäre eine gleichzeitige Erholung beider Bereiche für eine strukturelle Trendwende maßgeblich.
Technisches Bild bleibt gemischt
Die kurzfristige Einschätzung fällt neutral aus, mit einem Konfidenzniveau von 61 Prozent. Der RSI, der Relative Strength Index, steht bei 61,7, und der MACD, der Moving Average Convergence Divergence, ist bullish. Rückläufiges Handelsvolumen und negative Funding-Raten begrenzen jedoch die Anschlusskäufe. Gelingt Bitcoin ein Ausbruch über 80.000 US-Dollar mit anschließender Konsolidierung, liegt das nächste Ziel laut Prognose bei 82.500 US-Dollar. Scheitert der Ausbruch, wird ein Rückfall unter 75.000 US-Dollar mit einer Korrektur in Richtung 72.500 US-Dollar erwartet.
Mittelfristig fällt das Bild mit einer Konfidenz von 64 Prozent negativ aus. Trotz ETF-Zuflüssen bleibt die On-Chain-Nachfrage im Nettorückgang. Der Bericht wertet dies als Phase, in der die Nachhaltigkeit von durch Futures-Leverage getragenen Gewinnen nachlässt. Der Kurs notiert zwar über dem 20-Tage-, aber unter dem 200-Tage-Durchschnitt. Bei einer Konsolidierung über 80.000 US-Dollar wird eine Erholung auf 84.000 US-Dollar erwartet; bei einem Scheitern sieht die Prognose einen Rückgang auf 73.000 US-Dollar mit einem Retest von 69.000 US-Dollar vor.
Langfristig entscheidet die Spot-Nachfrage
Die langfristige Einschätzung bleibt mit 58 Prozent Konfidenz neutral. Ein struktureller Trendwechsel lässt sich nach der Analyse vergangener Zyklen erst bestätigen, wenn Spot- und Futures-Nachfrage gleichzeitig anziehen. Der aktuelle MACD-Vorteil und institutionelles Interesse liefern zwar Unterstützung, die schwache On-Chain-Nachfrage bleibt jedoch ein Faktor, der eine langfristige Neubewertung verzögert.
Erholt sich Bitcoin auf 85.000 US-Dollar, erwartet die Prognose eine Ausdehnung in Richtung 90.000 US-Dollar. Scheitert diese Erholung, wird ein Rückfall unter 70.000 US-Dollar bis auf 64.000 US-Dollar projiziert. Die Entwicklung der Spot-Nachfrage bleibt damit neben den Futures-Daten und institutionellem Interesse ein wesentlicher Beobachtungspunkt.
Worauf es jetzt ankommt
Entscheidend bleibt, ob sich die Apparent-Demand-Kennzahl in den kommenden Wochen stabilisiert oder weiter fällt. Die von Ju angeführte Erfahrung aus vergangenen Zyklen unterstreicht dabei die Bedeutung einer gleichzeitigen Erholung von Spot- und Futures-Nachfrage. Solange diese Erholung nicht zu beobachten ist, bleibt die Entwicklung der zugrunde liegenden Nachfrage ein zentraler Faktor für die weitere Markteinschätzung.