Sammelklage gegen BitMEX: 622 BTC und Vorwurf manipulierter Liquidationen

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Apr. 2026
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Steffen Bösweich ist Redakteur und Hauptautor bei Cryptonews DE. Seit mehreren Jahren schreibt er über Kryptowährungen und berichtet täglich über aktuelle Entwicklungen im Kryptomarkt. Er legt...

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BitMEX, die einst dominante Bitcoin-Derivatebörse, wird am selben Tag mit einer Sammelklage konfrontiert, an dem die Plattform ihre bevorstehende Schließung ankündigt. Die Klage, eingereicht am 24. Juli 2026 beim US District Court für den Southern District of New York, fordert die Rückgabe von insgesamt 622,66 BTC, die Kläger durch angeblich manipulierte Zwangsliquidationen verloren haben sollen.

Vorwurf: Privilegierter Handelszugang und gezielte Serverausfälle

Hinter der proposed class action – also einer noch nicht zertifizierten Sammelklage, die zunächst eine gerichtliche Genehmigung zur Repräsentation einer breiteren Klägergruppe benötigt – stehen BKX Services Inc. und der Einzelkläger David Namdar. BKX beansprucht Verluste von mindestens 305,81 BTC, Namdar von mehr als 316,85 BTC.

Die Klage wirft BitMEX vor, einen internen Trading Desk betrieben zu haben, der Zugriff auf nicht-öffentliche Kundendaten hatte und während sogenannter Server-Freezes weiter handeln konnte – also in Phasen, in denen reguläre Nutzer keinen Zugang zu ihren Positionen erhielten. BitMEX erlaubte Kunden laut Klageschrift Hebel von bis zu 100x auf ihre Sicherheiten. Wenn Positionen zwangsliquidiert wurden, soll der verbleibende Überschuss der BTC-Sicherheiten in den Versicherungsfonds der Plattform geflossen sein – zum direkten Vorteil von BitMEX.

Screenshot of the BitMEX trading platform interface showing a Bitcoin USDT candlestick chart and order book

Die Kläger vertreten US-Kunden, die seit dem 23. Juli 2018 BTC-Swap-Produkte auf BitMEX gehandelt haben. Sie fordern neben der Rückgabe der angeblich einbehaltenen Bitcoin auch Schadens- und Strafzahlungen.

BitMEX weist Vorwürfe zurück – und kündigt Schließung an

Ein Sprecher von BitMEX wies die Klage gegenüber Cointelegraph als opportunistisch zurück. Die Plattform habe in ihrer Geschichte viele solcher Forderungen erfolgreich abgewehrt und wolle sich auch diesmal entschieden verteidigen. Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den konkreten Liquidationsvorwürfen blieb dabei aus.

Parallel zur Klage gab BitMEX bekannt, den Betrieb am 23. September 2026 vollständig einzustellen – nach elf Jahren am Markt. Die Entscheidung folgt einem strategischen Review durch den Eigentümer HDR Global Trading. Neue Registrierungen werden nicht mehr angenommen; ab dem 26. August dürfen keine neuen Positionen mehr eröffnet werden. Nutzer mit verbliebenen Guthaben sollten die Fristen zur Positionsschließung und Mittelabhebung genau im Blick behalten.

Die Klage knüpft an eine frühere Sammelklage aus dem Jahr 2020 an, in der Händler ähnliche Vorwürfe erhoben hatten. Jenes Verfahren, das Ansprüche unter dem Commodity Exchange Act geltend machte, wurde am 30. Juni 2025 ohne Präjudiz freiwillig zurückgezogen – steht also einer erneuten Klage nicht im Weg.

Markteinordnung: BMEX kollabiert, Derivate-Landschaft verschiebt sich

Der BMEX-Token, das Utility-Token der Plattform, verlor infolge der Schließungsankündigung rund 90 Prozent seines Wertes. Das ist weniger Marktreaktion als Endabrechnung: Bei einer vollständigen Betriebseinstellung verliert ein plattformgebundenes Utility-Token jede Funktion.

A gold Bitcoin physical coin reflecting on a surface with a red and green candlestick price chart in the background
Photo by Rafael Minguet Delgado on Pexels

BitMEX war einst Marktführer im Bitcoin-Perpetual-Swap-Segment. Dass die Plattform nun gleichzeitig eine Sammelklage über sechs Stellenzahlen in BTC und die eigene Liquidation zu managen hat, illustriert den vollständigen Reputationsverlust, der sich nach dem „Black Thursday“ im März 2020 – als Serverausfälle während des Crashs zu massiven unfreiwilligen Liquidationen führten – beschleunigt hatte. Dezentrale Derivateplattformen haben seitdem erhebliche Marktanteile gewonnen, wie etwa der jüngste Open-Interest-Rekord bei Hyperliquid zeigt.

Ob die Sammelklage zur Klassenzertifizierung zugelassen wird und ob weitere Kläger hinzukommen, entscheidet das Gericht im Southern District of New York. Für verbleibende BitMEX-Nutzer bleibt die Kernfrage eine operative: Positionen schließen und Kapital abziehen, bevor die Plattform am 23. September den Betrieb einstellt.

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