TradFi verdrängt OG-Holder: Warum der nächste Bitcoin-Zyklus anders wird
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Der nächste parabolische Bitcoin-Zyklus hängt nicht mehr von Retail-Euphorie oder Whale-Akkumulation ab – das ist die Kernthese von Ki Young Ju, CEO von CryptoQuant. Laut Ju haben institutionelle Akteure aus dem traditionellen Finanzsektor die sogenannten OG-Holder als dominante Markttreiber strukturell abgelöst, was das Tempo und die Mechanik künftiger Zyklen fundamental verändert.
Strukturwandel: TradFi übernimmt das Steuer
Ju argumentiert, dass TradFi-Akteure – Pensionsfonds, Vermögensverwalter, börsennotierte Unternehmen und regulierte Finanzprodukte – heute das Angebotsregime des Bitcoin-Markts dominieren. Diese Akteure agieren langsamer, dafür aber mit deutlich tieferem Kapital als die frühen Cycle-Trader. Der Übergang ist nicht abrupt, sondern das Ergebnis eines mehrstufigen Integrationsprozesses seit Ende 2020.
Wesentliche Meilensteine waren MicroStrategys erste BTC-Käufe im August 2020, Teslas kurze Allokation 2021 und – als entscheidender Katalysator – der Start der US-amerikanischen Spot-Bitcoin-ETFs Anfang 2024. Seither fließt ein wachsender Anteil des umlaufenden Angebots in regulierte Vehikel, die nach anderen Rendite- und Risikokriterien verwaltet werden als das klassische Retail-Portfolio.
Ju beschreibt diesen Zustand mit einem Satz, der programmatisch klingt: „Crypto investors are becoming value investors.“ Gemeint ist damit eine Fundamentalisierung des Markts, getrieben durch reale Cashflow-Strukturen und institutionelle Due-Diligence-Prozesse – nicht durch Momentum-Trading oder Social-Media-Zyklen.
On-Chain-Fundamentals vs. Preisniveau: Die ungewöhnliche Divergenz
Besonders auffällig ist die Diskrepanz, die Ju in den aktuellen On-Chain-Metriken identifiziert. Trotz eines anhaltend schwachen Preisniveaus beschreibt er die Fundamentaldaten als „die stärksten seit sieben Jahren“ – eine Divergenz zwischen MVRV (Market Value to Realized Value) und NUPL (Net Unrealized Profit/Loss), die er in dieser Ausprägung noch nicht beobachtet hat.
Sein Modell, das beide Metriken in einer einheitlichen PnL-Trendlinie verdichtet, zeigt einen Peak rund um Mitte 2025 und seitdem eine rückläufige Bewegung. Historisch folgen auf solche Akkumulationsphasen mit negativem PnL-Trend Erholungsphasen von rund 18 Monaten – was Jus These stützt, dass die aktuelle Bärephase, die er mit Oktober 2025 datiert, erst in das frühe Jahr 2027 ausläuft.
Genau hier liegt die analytische Spannung: Institutionelle Akteure wie Fidelity haben eigene Katalysatoren für eine frühere Erholung identifiziert, während Jus Modell auf strukturelle Zeitverzögerungen durch langsamere institutionelle Allokationsprozesse hinweist. Beide Positionen sind durch Datenpunkte gestützt – sie unterscheiden sich im zentralen Annahmenset.
Das interne Signal: Wenn CryptoQuants eigener Indikator widerspricht
Am 12. Mai flippte CryptoQuants eigener Bull-Bear Cycle Indicator erstmals seit März 2023 auf bullisch – ein Signal, das in der Vergangenheit konstruktive Marktphasen eingeleitet hat. Das stellt Jus makrostrukturelle Bear-Einschätzung nicht grundsätzlich infrage, schärft aber die Debatte: Kann eine institutionell getriebene Allokationswelle die historische 18-Monats-Faustregel verkürzen?
Ju selbst räumt diese Spannung implizit ein. Sein Hauptargument ist nicht, dass eine Erholung ausbleibt – sondern dass das Tempo des nächsten parabolischen Bitcoin-Zyklus direkt an die Tiefe der institutionellen Allokation geknüpft ist. Ohne substanzielle neue TradFi-Zuflüsse bleibt das Aufwärtspotenzial strukturell begrenzt, unabhängig davon, was kurzfristige Indikatoren anzeigen.

Tokenisierung als Katalysator: HelloTrade, Robinhood und die Regulierungslandschaft
Ju verweist in seiner Analyse konkret auf HelloTrade – eine dezentrale Handelsplattform für tokenisierte Aktien und Anleihen, entwickelt von ehemaligen Mitgliedern des BlackRock-IBIT-Teams. HelloTrade ist damit ein unmittelbares Produkt der TradFi-Krypto-Konvergenz: erfahrene institutionelle Architekten, die DeFi-Infrastruktur für regulierte Asset-Klassen bauen.
Parallel dazu plant Robinhood – laut Aussagen von CEO Vlad Tenev – tokenisierte Privatmarktanteile anzubieten, was den Zugang zu illiquiden Assetklassen demokratisieren würde. Diese Initiativen operieren jedoch in einem fragmentierten Regulierungsrahmen: In den USA fehlt noch ein kohärentes RWA-Tokenisierungsregime (RWA steht für Real-World Assets, also tokenisierte Abbilder realer Vermögenswerte), während die Hong Kong Monetary Authority mit einem Fünf-Jahres-Tokenisierungsplan über 40 Initiativen in Dateninfrastruktur, KI und Finanztokenisierung koordiniert.
Für institutionelle Investoren ist diese Regulierungsdivergenz kein Detail, sondern ein Allokationshindernis. Solange kein verlässlicher regulatorischer Rahmen für tokenisierte Wertpapiere existiert, bleibt das Kapital auf der Seitenlinie – genau jenes Kapital, das Jus nächsten Bitcoin-Zyklus anstoßen soll. Die aktuelle ETF-Fluss-Dynamik und der Druck durch die Fed-Politik verstärken diesen Effekt zusätzlich.
Zwei Szenarien: Tiefe Allokation oder verlängerter Seitwärtsmarkt
Im Bull-Szenario beschleunigen TradFi-Akteure ihre Bitcoin- und RWA-Allokation erheblich – getrieben durch regulatorische Klarheit in den USA und Hong Kong, weiteres Wachstum bei Spot-ETF-Zuflüssen und die Reifung von Plattformen wie HelloTrade. In diesem Fall könnte Jus 2027-Horizont deutlich unterschritten werden, wobei der parabolische Anstieg bereits im zweiten Halbjahr 2026 einsetzt. Invalidierungsbedingung: ausbleibende Regulierungsfortschritte oder eine makroökonomische Schockwelle, die institutionelle Risikobudgets komprimiert.
Im Basis-Szenario verläuft die institutionelle Allokation graduell und ohne Beschleunigung. Der Bitcoin-Kurs stabilisiert sich in einer Range, die fundamentale Unterstützung bietet, aber keine parabolische Phase einleitet. MicroStrategys – intern als „Strategy“ geführtes – kontinuierliches Akkumulationsmodell fungiert als Anker, nicht als Treiber. Jus 18-Monats-Modell greift, und der nächste parabolic Move liegt frühestens Anfang 2027.
Im Bear-Szenario bleiben institutionelle Zuflüsse hinter den Erwartungen zurück, regulatorische Unsicherheit in Schlüsselmärkten vertieft sich, und die PnL-Erosion hält länger an als historische Zyklen nahelegen. Dieses Szenario ist das unwahrscheinlichste, aber nicht ausschließbar – vor allem wenn globale Liquiditätsbedingungen sich durch Fed-Politik oder geopolitische Schocks verschlechtern.
Fazit: Institutionelle Tiefe entscheidet über Zyklusgeschwindigkeit
Ki Young Jus Analyse bei CryptoQuant ist kein klassischer Bärenmarkt-Call – sie ist ein struktureller Befund. Der nächste Bitcoin-Zyklus wird nicht durch Retail-FOMO ausgelöst, sondern durch die Tiefe und Geschwindigkeit institutioneller TradFi-Allokation, verstärkt durch RWA-Tokenisierungsinfrastruktur und regulatorische Klarheit. Die entscheidende Variable ist daher nicht der Preis selbst, sondern das Tempo, mit dem Kapital aus klassischen Finanzmärkten in Bitcoin und tokenisierte Assetklassen fließt.
Plattformen wie LiquidChain positionieren sich in genau diesem Kontext – als Infrastruktur für die nächste Welle institutioneller On-Chain-Aktivität. Ob das Ziel 2026 oder 2027 ist, hängt letztlich davon ab, wie schnell dieser regulatorische und institutionelle Konvergenzprozess Fahrt aufnimmt.
