SEC-Konsultation: Rahmenwerk für Krypto- und Event-ETFs bis 2027 geplant

Die U.S. Securities and Exchange Commission (SEC) hat eine formale Konsultation zu sogenannten „novel ETFs“ eröffnet – neuartigen börsengehandelten Fonds, die Krypto-Assets und ereignisbasierte Kontrakte abbilden. Die Behörde reagiert damit auf eine Zulassungswelle, die unter SEC-Chef Paul Atkins seit April 2025 mehrere Dutzend Krypto-ETFs jenseits von Bitcoin und Ethereum auf den Markt gebracht hat.
Vom Einzelverfahren zum Rahmenwerk
Der regulatorische Kontext ist entscheidend: Atkins‘ Vorgänger Gary Gensler hatte Bitcoin- und Ethereum-Spot-ETFs im Rahmen individueller 19b-4-Verfahren zugelassen – einem aufwendigen Regeländerungsprozess, der Genehmigungszeiten von bis zu 270 Tagen erzeugte. Im Jahr 2025 führte die SEC generische Listing-Standards für spotbasierte Krypto-ETPs auf Nasdaq, Cboe BZX und NYSE Arca ein, wodurch die Genehmigungszeit auf 75 Tage oder weniger sank. Seitdem sind ETFs auf Solana (SOL) und Dogecoin (DOGE) live – Produkte, die unter dem alten Regime jahrelang hätten warten müssen.
Das neue Konsultationsverfahren zielt darauf ab, diesen Rahmen zu kodifizieren und auf weitere Produktkategorien auszudehnen. Die SEC fragt unter anderem, ob ein standardisiertes Zulassungsverfahren auf novel ETFs angewendet werden sollte und ob solche Fonds als Investmentgesellschaften registriert werden müssten. Der breitere regulatorische Schwenk in Washington – einschließlich laufender Gesetzgebungsvorhaben im Kongress – liefert den politischen Rückenwind für diese Öffnung.
Prediction-Market-ETFs: Die härtere Nuss
Komplizierter liegt der Fall bei Prediction-Market-ETFs – Produkten, die an politische oder wirtschaftliche Ereignisse wie Wahlen, Rezessionen oder Entlassungswellen gekoppelt sind. Mehr als zwei Dutzend solcher Fonds, darunter Produkte von Roundhill Investments, Bitwise und GraniteShares, wurden von der SEC kurz vor Ablauf der automatischen 75-Tage-Wirksamkeitsfrist durch Zusatzfragen blockiert. Die Behörde verlangt detaillierte Angaben zu Bewertungsmechanismus, Abwicklung der Event-Kontrakte und Anlegeroffenlegung.

Im Hintergrund steht eine ungeklärte Klassifikationsfrage: Handelt es sich um Wertpapiere, Derivate oder Glücksspielprodukte? Genau diese Abgrenzung blockiert die Zulassung. Branchenbeobachter zeichnen eine Parallele zur jahrelangen Hängepartie vor den Spot-Bitcoin-ETFs, wo Marktnachfrage und Rechtsgrundlage lange auseinanderliefen. Emittenten wie Roundhill und Bitwise betonen öffentlich, die SEC habe ihre Produkte nicht abgelehnt, sondern lediglich Klärungsbedarf angemeldet – ein Signal, dass sie auf letztliche Zulassung setzen.
Markteinordnung: 2027 als realistischer Horizont
Jaret Seiberg, Managing Director beim Washington Research Group von TD Cowen, beschreibt die Konsultation als Vorläufer konkreter Regeländerungen: „We view this request for comment as leading, as soon as 2027, to the SEC permitting a broader array of ETFs including those based on event contracts, crypto assets and single-stock strategies.“ Das ist kein aggressiver Zeitplan – 60 Tage Kommentarfrist, anschließend Auswertung, dann Regelgebung.
Der Marktkontext ist dabei weniger komfortabel als der regulatorische Rahmen vermuten lässt. Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten im Juni 2026 mit 4,5 Milliarden US-Dollar an Abflüssen ihren schlechtesten Monat seit Auflage – Bitcoin notiert aktuell bei 58.810 US-Dollar, Ethereum bei 1.578 US-Dollar. Die institutionelle Nachfrage nach Krypto-ETF-Produkten bleibt strukturell intakt, steht kurzfristig aber unter Druck durch makroökonomische Unsicherheit und nachlassendes Momentum. Sollte die SEC bis 2027 ein belastbares Rahmenwerk für novel ETFs verabschieden, dürfte das Produktuniversum erheblich wachsen – die Frage ist, welche Marktverfassung dann herrscht.