Circle-Aktie crasht um 20 %: Das ist der Grund

Die Circle-Aktie bricht heute um rund 20 Prozent ein und gehört damit zu den großen Verlierern im Krypto- und Fintech-Sektor. Der Abverkauf trifft einen der wichtigsten Stablecoin-Emittenten der Welt, dessen Geschäftsmodell stark vom Erfolg des USDC abhängt.
Der einfache Grund: Mit Open USD kündigt ein mächtiges Konsortium einen direkten Rivalen an. Visa, Mastercard, Stripe, Coinbase, BlackRock, Google und zahlreiche weitere Unternehmen wollen gemeinsam einen neuen Dollar-Stablecoin etablieren. Anleger fürchten deshalb, dass Circle künftig Marktanteile, Wachstum und vor allem lukrative Reserveerträge verlieren könnte. Ganz so eindeutig ist die Lage jedoch nicht, denn USDC bleibt aktuell tief im Markt verankert.
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Circle unter Druck: Open USD greift das USDC-Geschäftsmodell an
Auslöser des Kurssturzes ist die Vorstellung von Open USD durch Open Standard. Dahinter steht ein breites Konsortium mit mehr als 140 Unternehmen, darunter Visa, Mastercard, Coinbase, Stripe und BlackRock. Der neue Stablecoin soll später im Jahr live gehen und unter anderem auf Base, Solana und weiteren Netzwerken verfügbar sein. Damit entsteht kein kleiner Krypto-Experimentaltoken, sondern ein ernstzunehmender Versuch, Stablecoins stärker in globale Zahlungs-, Handels- und Finanzinfrastrukturen einzubetten.
Für Circle ist das deshalb problematisch, weil USDC zwar als regulierter, institutioneller Stablecoin sehr stark positioniert ist, das Geschäftsmodell aber sensibel auf Wettbewerb reagiert. Circle verdient vor allem an den Erträgen aus den Reserven, die den USDC decken. Wenn ein neuer Stablecoin große Distributionspartner anzieht und Unternehmen wirtschaftlich stärker beteiligt, könnte das die Attraktivität von USDC für Zahlungsanbieter, Börsen, Fintechs und Händler verringern.
Besonders brisant ist das Modell von Open USD. Unternehmen sollen Open USD kostenlos prägen und einlösen können, ohne harte Volumenbegrenzungen. Zudem sollen Reserveerträge nach Kosten beziehungsweise Managementgebühren mit Partnern geteilt werden. Das unterscheidet sich deutlich vom klassischen Stablecoin-Modell, bei dem der Emittent einen großen Teil der Zinserträge vereinnahmt. Genau hier liegt die Sorge der Börse: Wenn die Partner bei Open USD ökonomisch stärker partizipieren, könnten sie einen Anreiz haben, das neue Netzwerk aktiv zu fördern.
Überreaktion oder echte Gefahr? Warum USDC trotzdem stark bleibt
Trotz des massiven Abverkaufs ist die Lage nicht nur negativ. Analysten bezeichneten den Selloff mitunter als Überreaktion und verwiesen darauf, dass die Marktposition und Liquidität von USDC schwer zu replizieren seien. Dieser Punkt ist wichtig: Stablecoins leben nicht nur von bekannten Partnernamen, sondern von Vertrauen, Liquidität, Börsenintegration, regulatorischer Akzeptanz, DeFi-Nutzung und internationaler Verfügbarkeit. In diesen Bereichen hat Circle über Jahre eine starke Infrastruktur aufgebaut.
USDC ist heute einer der wichtigsten regulierten Dollar-Stablecoins und nach Tethers USDT der zentrale institutionelle Stablecoin im Kryptomarkt. Laut Berichten lag der USDC-Umlauf zuletzt bei rund 73,6 Milliarden US-Dollar. Damit besitzt Circle einen erheblichen Netzwerkeffekt: Je mehr Börsen, Wallets, Zahlungsdienste und Unternehmen USDC nutzen, desto schwieriger wird es für neue Konkurrenten, diese Liquidität kurzfristig umzulenken.
Circle-Chef Jeremy Allaire reagierte ebenfalls betont ruhig. Er erklärte, Stablecoins seien eine der größten Marktchancen weltweit, USDC bleibe aus seiner Sicht der vertrauenswürdigste und institutionell am stärksten adoptierte Stablecoin. Zugleich begrüßte er Wettbewerb und kündigte an, Circle werde weiter in neue Netzwerke, Interoperabilität, Banken- und Payment-Integrationen sowie Stablecoin-Infrastruktur investieren.
Damit bleibt die Aktie ein klassischer Bewertungs- und Wettbewerbsfall. Kurzfristig preist der Markt ein, dass Open USD Circle Margen und Wachstum kosten könnte. Langfristig entscheidet jedoch, ob das Konsortium aus bekannten Namen tatsächlich echte Nutzung erzeugt. Bis dahin bleibt USDC der etablierte Platzhirsch im regulierten Stablecoin-Segment.
Der Einbruch zeigt vor allem: Anleger bewerten Circle nicht mehr nur als Gewinner des Stablecoin-Booms, sondern zunehmend als Unternehmen in einem härter werdenden Verdrängungswettbewerb.
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