Bitcoin-Warnsignal: Strategy reagiert auf Kritik

Zuletzt richtete sich der Fokus im Bitcoin-Markt stark auf Strategy, Michael Saylor und die Vorzugsaktie STRC. Der deutliche Kursrutsch von STRC unter den Nennwert von 100 US-Dollar löste Zweifel aus, ob das bisherige Modell aus Bitcoin-Käufen, Kapitalerhöhungen und hohen Dividendenzahlungen noch tragfähig ist.
Besonders brisant: Während Bitcoin selbst schwächelt, steigen bei Strategy die laufenden Verpflichtungen aus Dividenden und Zinsen. CryptoQuant verschärfte daraufhin die Kritik deutlich und forderte einen Strategiewechsel. Nun reagiert Strategy mit einem neuen Kapitalrahmen, der erstmals auch Bitcoin-Verkäufe ausdrücklich erlaubt.
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CryptoQuant warnt: Strategy muss Bitcoin-Käufe stoppen
CryptoQuant stellte zuletzt eine harte Diagnose: Strategy sei finanziell überdehnt und müsse vorerst aufhören, weiter Bitcoin zu kaufen. Der zentrale Kritikpunkt betrifft STRC, die variable Vorzugsaktie des Unternehmens. Diese sollte sich eigentlich nahe am Nennwert von 100 US-Dollar bewegen, fiel zuletzt jedoch deutlich darunter. Laut CryptoQuant rutschte STRC zeitweise bis auf 82,50 US-Dollar und notierte damit 17,5 Prozent unter Parität. Das wurde als Warnsignal verstanden, weil STRC ein wichtiges Finanzierungsinstrument für Strategy ist.
Besonders problematisch ist laut Analyse die stark gesunkene Liquiditätsdeckung. Die jährlichen Dividendenverpflichtungen seien auf rund 1,2 Milliarden US-Dollar gestiegen, während die Cash-Reserve 2026 deutlich gefallen sei. Dadurch sei die Dividendenabdeckung von mehr als sieben Jahren auf nur noch rund 14 Monate eingebrochen. CryptoQuant forderte deshalb, Strategy solle den Fokus von aggressiver Bitcoin-Akkumulation auf Bilanzstabilität verlagern und die Cash-Reserve wieder in Richtung 2,8 Milliarden US-Dollar aufbauen.
Der zweite Kritikpunkt betrifft das Timing der Bitcoin-Käufe. CryptoQuant argumentiert, dass viele der seit 2024 gekauften Bitcoin-Positionen im aktuellen Bärenmarkt unter Wasser liegen. Ein erzwungener BTC-Verkauf wäre deshalb besonders ungünstig, weil er Verluste realisieren und zugleich das Vertrauen in Saylors Langfriststrategie beschädigen könnte. Genau deshalb lautete die Forderung: keine weiteren Käufe um jeden Preis, sondern mehr Disziplin, mehr Reserven und ein systematischerer Ansatz beim Einsatz von Kapital.
Strategy reagiert: Bitcoin-Verkäufe, Reserveaufbau und Rückkäufe
Strategy hat nun tatsächlich auf den Druck reagiert und ein neues „Digital Credit Capital Framework“ vorgestellt. Dieses umfasst fünf Bausteine: eine USD-Reservepolitik, eine neue STRC-Dividendenpolitik, ein Rückkaufprogramm für digitale Kredittitel, ein Rückkaufprogramm für MSTR-Aktien und ein Bitcoin-Monetarisierungsprogramm. Damit vollzieht das Unternehmen einen bemerkenswerten Schwenk. Bisher stand Strategy fast ausschließlich für Kapitalaufnahme und Bitcoin-Käufe. Nun geht es stärker um Liquidität, Kreditqualität und aktives Bilanzmanagement.
Konkret meldete Strategy eine USD-Reserve von rund 2,55 Milliarden US-Dollar. Diese soll ausschließlich zur Zahlung von Vorzugsdividenden und Zinsen genutzt werden dürfen. Bei erwarteten jährlichen Dividenden- und Zinszahlungen von etwa 1,76 Milliarden US-Dollar entspricht das einer Deckung von 17,4 Monaten. Zusätzlich legte der Verwaltungsrat eine Mindestreserve von zwölf Monaten fest. Durch eine autorisierte Bitcoin-Monetarisierung von bis zu 1,25 Milliarden US-Dollar steigt die theoretische Liquiditätsdeckung laut Unternehmen auf rund 3,8 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 25,9 Monate.
Für STRC wurde zudem die jährliche Dividende ab Juli auf 12 Prozent angehoben. Damit will Strategy den Kurs langfristig wieder näher an die Zielspanne von 99 bis 100 US-Dollar bringen. Gleichzeitig autorisierte das Unternehmen Rückkäufe von bis zu 1 Milliarde US-Dollar bei Digital-Credit-Wertpapieren und weitere 1 Milliarde US-Dollar bei MSTR-Aktien. Besonders wichtig: Diese Programme müssen nicht genutzt werden, geben Strategy aber Flexibilität, wenn eigene Wertpapiere deutlich unter ihrem inneren Wert handeln.
Am Markt wird dies als Zäsur gewertet. Strategy bleibt zwar offiziell Bitcoin-orientiert, entfernt sich aber vom reinen „Never sell Bitcoin“-Narrativ. Künftig können BTC verkauft werden, wenn dies günstiger erscheint als neue Aktien auszugeben.
Kurzfristig stärkt das die Bilanz und adressiert genau die Kritik von CryptoQuant. Langfristig bleibt jedoch die entscheidende Frage, ob Strategy damit Vertrauen zurückgewinnt – oder ob der Markt den Schritt als Zeichen wertet, dass das bisherige Bitcoin-Treasury-Modell unter Bärenmarktbedingungen an seine Grenzen stößt.
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