Warum Zentralbanken Gold vertrauen – und Bitcoin (noch) nicht
Zentralbanken testen Blockchain, entwickeln digitale Währungen und erforschen tokenisierte Assets. Doch wenn es um die Sicherung nationaler Reserven geht, greifen fast alle auf dasselbe uralte Metall zurück. Was Bitcoin fehlt, um mit Gold mithalten zu können.
Die Welt der Zentralbanken ist mitten im digitalen Wandel – und trotzdem bleibt Gold das dominierende Reserveasset der Notenbanken weltweit. Dieser scheinbare Widerspruch erklärt sich aus den grundlegend anderen Anforderungen, die Zentralbanken an Reserveassets stellen. Während private Investoren Volatilität in Kauf nehmen, um höhere Renditen zu erzielen, sind Notenbanken primär auf Liquidität, Stabilität und Glaubwürdigkeit ausgerichtet. Reserven müssen Kriege, Sanktionen, Bankenkrisen und geopolitische Schocks überstehen – und genau in diesen extremen Szenarien hat Gold über Jahrhunderte seine Verlässlichkeit bewiesen.
Was Gold auszeichnet – und was Krypto noch nicht liefert
Golds entscheidender Vorteil ist nicht technologischer, sondern historischer Natur: Zentralbanken besitzen jahrzehntelange Erfahrungsdaten darüber, wie sich Gold in Inflationsphasen, Konflikten und Finanzkrisen verhält. Gold ist an keinen Emittenten gebunden, unterliegt keiner Unternehmensinsolvenz und kann physisch im eigenen Land gelagert werden – unabhängig von Softwarenetzwerken, ausländischen Zahlungsinfrastrukturen oder Counterparty-Risiken. Die Immobilisierung russischer Zentralbankreserven nach dem Einmarsch in die Ukraine hat dieses Argument schärfer gemacht als je zuvor: Wer Reserven im Ausland hält, kann sie unter Sanktionsdruck verlieren. Physisches Gold im eigenen Tresor nicht. Der Weltwährungsfonds zählt monetäres Gold explizit zu den offiziellen Reserveassets, und die Europäische Zentralbank berichtete 2024, dass Gold zum zweitgrößten globalen Reserveasset nach dem US-Dollar aufgestiegen ist.
Bitcoins Hürden auf dem Weg zum Reserveasset
Bitcoin hat in institutionellen Kreisen erheblich an Interesse gewonnen – doch die spezifischen Anforderungen der Reserveverwaltung erfüllt es bislang nicht. Volatilität bleibt das zentrale Problem: Starke Kursschwankungen machen Bitcoin für Portfolios ungeeignet, die primär auf Liquiditätserhalt und externe Zahlungsfähigkeit ausgerichtet sind. Hinzu kommen rechtliche Unsicherheiten bei Verwahrung, Besteuerung und Klassifizierung, die je nach Jurisdiktion stark variieren. Operationelle und Cybersicherheitsrisiken, Abhängigkeit von funktionierenden Netzwerken und die kurze Praxisgeschichte in multiplen Krisen runden das Bild ab. Der Schweizer Nationalbank-Präsident Martin Schlegel lehnte Bitcoin als Reserveasset im April 2025 mit Verweis auf Volatilität und unzureichende Marktliquidität ab – eine Position, die die Weltbank teilt.
