Glassnode-Daten: Quantencomputer-Risiko konzentriert sich auf Exchange-Wallets

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Steffen Bösweich ist Redakteur und Hauptautor bei Cryptonews DE. Seit mehreren Jahren schreibt er über Kryptowährungen und berichtet täglich über aktuelle Entwicklungen im Kryptomarkt. Er legt...

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6,04 Millionen BTC mit offenem Public Key – Exchanges im Zentrum des Risikos


Glassnode-Daten zeigen, dass 6,04 Millionen Bitcoin – gleichbedeutend mit 30,2 Prozent des umlaufenden Angebots – aktuell in Wallets mit bereits offengelegten Public Keys liegen. Damit ist das Quantencomputer-Risiko bei Bitcoin kein abstraktes Protokollproblem, sondern ein messbares Custody-Phänomen, das sich auf on-chain abrufbare Adressen konzentriert.

Der größte Druck entsteht auf Ebene der Kryptobörsen: Rund 50 Prozent aller bei labeled Exchanges verwahrten Bitcoin gelten als exponiert, gegenüber weniger als 30 Prozent des nicht-börslichen Angebots. Die operative Risikogruppe umfasst 4,12 Millionen BTC, die direkt auf schlechte Wallet-Hygiene zurückzuführen sind – etwa Adresswiederverwendung oder fehlerhafte Change-Output-Rotation.

Binance, Gemini, WisdomTree: Die Risikoverteilung ist dramatisch ungleich


Die Unterschiede zwischen einzelnen Custodians sind erheblich. Binance hält laut Glassnode 85 Prozent seiner labeled Bitcoin-Bestände in Adressen mit offengelegten Public Keys. Bei einem Gesamtbestand von über 40 Milliarden US-Dollar an Bitcoin auf der Plattform – gemäß DeFiLlama-Daten – entfallen davon mehr als 34 Milliarden US-Dollar auf die exponierte Kategorie.

Bitfinex, Crypto.com und Gemini weisen jeweils 100 Prozent ihrer labeled Bestände als exponiert aus. WisdomTree als Bitcoin-ETF-Anbieter liegt ebenfalls bei rund 100 Prozent, Grayscale bei etwa 50 Prozent. Am anderen Ende des Spektrums steht Coinbase mit einer Public-Key-Exponierung von lediglich 5 Prozent, Fidelity hält sich bei rund 2 Prozent. Regierungswallets der USA, Großbritanniens und El Salvadors zeigen laut Glassnode null Quantenexponierung mit Sicherheitsraten von über 99 Prozent.

Robinhood und Revolut melden in ihren labeled Wallets Exponierungsquoten von nahezu 100 Prozent. Der Anteil operativ sicherer Exchange-Bestände ist seit 2018 von 55 Prozent auf heute rund 45 Prozent gesunken – ein Trend, der den zunehmenden Druck auf Wallet-Infrastrukturen wachsender Handelsplattformen widerspiegelt.

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Zeitfenster unklar – aber die strukturelle Schwachstelle ist heute messbar


Die eigentliche kryptografische Bedrohung bleibt mittelfristig theoretisch. Für das Brechen einer einzelnen Bitcoin-ECDSA-Signatur wären nach aktuellen wissenschaftlichen Schätzungen Millionen fehlerkorrigierter logischer Qubits erforderlich – eine Größenordnung, die nach Einschätzung von Chen et al. (2021) weit außerhalb der Roadmaps dieses Jahrzehnts liegt. Ein von Michele Mosca viel zitierter Review in IEEE Security & Privacy nennt ein 15-bis-20-Jahresfenster für praktische Bedrohungen gegen verbreitete Public-Key-Kryptografie als konservative, aber plausible Daumenregel.

Das ändert nichts daran, dass die Exponierung bereits heute on-chain sichtbar und damit prinzipiell planbar ist. Bitcoin-Core-Entwickler und Sicherheitsforscher betonen seit Jahren, dass der größte Hebel nicht auf Protokollebene liegt, sondern im Wallet-Verhalten von Custodians. Jede Börse kann ihren Risikowert unmittelbar reduzieren, indem sie Guthaben auf frische Adressen migriert, verwendete Wallets außer Betrieb nimmt und interne Prozesse zur Change-Output-Rotation verschärft.

Ein systemisches Upgrade von Bitcoin auf post-quanten-sichere Signaturen – etwa auf Basis der vom NIST finalisierten Standards CRYSTALS-Dilithium oder CRYSTALS-Kyber – würde dagegen eine jahrelange Koordination zwischen Entwicklern, Minern, Node-Betreibern und Custodians erfordern. Entsprechende Soft-Fork-Konzepte für Post-Quantum-Skripttypen werden in der Bitcoin-Entwicklercommunity bereits diskutiert, ein konkreter Upgrade-Pfad steht jedoch nicht fest.

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Custody-Risiko und regulatorische Implikationen für institutionelle Anleger


Für institutionelle Investoren und deutsche Anleger unter MiCA-Regulierung gewinnt die Frage der Verwahrungsqualität zunehmend an Relevanz. Die Europäische Zentralbank wies bereits 2022 darauf hin, dass Verwahrer Migrationspläne auf post-quanten-sichere Schemata vorbereiten sollten – auch ohne unmittelbaren regulatorischen Zwang. Vor dem Hintergrund wachsender institutioneller Bitcoin-Positionen dürfte die Frage der Wallet-Hygiene in Custody-Prüfungen künftig stärker gewichtet werden.

Das Glassnode-Datenset liefert dabei erstmals ein strukturiertes, on-chain verifizierbares Bild der Risikoverteilung. Die Spreizung zwischen einem Coinbase-Wert von 5 Prozent und einem WisdomTree-Wert von 100 Prozent lässt sich nicht durch unterschiedliche Liquiditätsanforderungen erklären – sie ist das Resultat interner Architekturentscheidungen und Adressrotationsrichtlinien.

Ob führende Custodians künftig explizite Angaben zur Public-Key-Exponierung in ihre Transparenzberichte aufnehmen werden, bleibt offen. Klar ist: Die Analyse macht das Quantencomputer-Risiko bei Bitcoin zu einem messbaren Custody-Qualitätsmerkmal – lange bevor ein leistungsfähiger Quantenprozessor tatsächlich existiert.

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