Tschechiens Zentralbankchef warnt: Bitcoin zu riskant für staatliche Reserven
Die tschechische Nationalbank hat Bitcoin intensiv analysiert, sogar praktisch getestet – und trotzdem entschieden, die Kryptowährung vorerst nicht in ihre offiziellen Devisenreserven aufzunehmen. Notenbankchef Aleš Michl erklärt auf der Bitcoin Conference 2026, warum.
Die tschechische Nationalbank nimmt im globalen Zentralbankgefüge eine bemerkenswerte Sonderstellung ein: Sie ist die erste Notenbank weltweit, die Bitcoin zu Testzwecken direkt erworben hat. Im Oktober 2025 genehmigte der Bankrat ein Testportfolio im Umfang von einer Million US-Dollar, das neben Bitcoin auch einen US-Dollar-Stablecoin sowie eine tokenisierte Einlage umfasste. Ziel war es, praktische Erfahrungen mit Blockchain-basierten Vermögenswerten zu sammeln und eine fundierte Entscheidungsgrundlage für die Reservepolitik zu schaffen. Eine im Februar 2026 veröffentlichte interne Studie kam dabei zu einem durchaus positiven Befund: Bitcoin könnte durch seine geringe langfristige Korrelation mit klassischen Anlageklassen die Portfoliorendite verbessern, ohne das Gesamtrisiko wesentlich zu erhöhen.
Hohe Renditen, aber auch das Risiko eines Totalverlustes
Trotz dieser ermutigenden Ergebnisse zog Notenbankchef Aleš Michl auf der Bitcoin Conference 2026 in Las Vegas eine klare Grenze. Die Volatilität von Bitcoin liege weit über der anderer Vermögenswerte, und im Extremfall könne der Preis auf null fallen – ein Szenario, das Michl ausdrücklich nicht ausschloss. Gleichzeitig räumte er ein, dass Bitcoin historisch sehr hohe Renditen geliefert habe und in seiner Liquidität mit Venture Capital vergleichbar sei, nur deutlich zugänglicher. Selbst eine kleine Bitcoin-Allokation könne die Portfoliorendite stärker steigern als eine vergleichbare Goldposition – und das bei annähernd gleichem Gesamtrisiko. Dennoch entschied der Bankrat im Februar 2026, Bitcoin vorerst nicht in die offiziellen Devisenreserven aufzunehmen. Die Kursschwankungen und Extremrisiken seien für eine Zentralbank, die zur Stabilität verpflichtet ist, derzeit schlicht zu groß.
Der teuerste Kaffee der Welt
Michl ließ seinen Auftritt in Las Vegas mit einer persönlichen Anekdote ausklingen, die die Bitcoin-Geschichte auf charmante Weise zusammenfasst: Bei seiner ersten Bitcoin-Transaktion kaufte er einen Kaffee – der ihn heute, gemessen am damaligen BTC-Kurs, rund 350 US-Dollar gekostet hätte. Die Geschichte illustriert, was Bitcoin sowohl faszinierend als auch herausfordernd macht: eine Wertentwicklung, die selbst erfahrene Finanzprofis immer wieder überrascht – und eine Volatilität, die Zentralbanken vorerst auf Abstand hält.
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