Tokenisierung als Liquiditäts-Mythos: Experten dämpfen Erwartungen auf der PBW 2026
Auf der Paris Blockchain Week haben Branchenexperten am 17. April 2026 eine deutliche Warnung vor zu hohen Erwartungen an die Tokenisierung von Sachwerten ausgesprochen. Während der Markt für Real-World Assets (RWAs) im letzten Jahr massiv gewachsen ist, betonten Führungskräfte von Ondo Finance und Tether, dass das reine Onchain-Bringen von illiquiden Gütern wie Immobilien oder Privatkrediten nicht „magisch“ für Handelsaktivität sorgt. Liquidität entsteht nicht durch die technologische Verpackung, sondern durch eine bestehende Nachfrage und funktionierende Zweitmärkte.
Wachstum ja, Markttiefe nein
Die Zahlen der Analyseplattform RWA.xyz verdeutlichen das Dilemma: Zwar verdreifachte sich der Gesamtwert tokenisierter RWAs (ohne Stablecoins) innerhalb eines Jahres von 8,8 Milliarden USD auf rund 29,9 Milliarden USD. Dieses Wachstum konzentriert sich jedoch fast ausschließlich auf bereits hochliquide Instrumente wie US-Staatsanleihen und Rohstoffe. Nischenbereiche wie tokenisierte Immobilien konnten zwar prozentual stark zulegen – von 35 Millionen USD auf 296 Millionen USD –, machen aber weiterhin nur einen Bruchteil des Gesamtmarktes aus. Ein hohes Emissionsvolumen ist kein Beleg für Liquidität, wenn der anschließende Handel auf den Zweitmärkten dünn bleibt.
Fokus auf standardisierte Instrumente
Francesco Ranieri Fabracci, Leiter der Tokenisierungs-Expansion bei Tether, stellte klar, dass nur eine begrenzte Auswahl an Instrumenten, darunter Geldmarktfonds und Stablecoins, eine konsistente Liquidität in tokenisierten Märkten erreichen wird. Er widersprach damit der populären Erzählung, dass die Blockchain-Technologie strukturelle Handelshemmnisse schwer beweglicher Assets einfach auflösen könne. Assets, die „offline“ schwer zu veräußern sind, bleiben dies oft auch im digitalen Gewand, solange kein breiter Zugang für Käufer und Verkäufer geschaffen wird.
Herausforderungen jenseits der Technologie
Die Diskussion verschiebt sich nun zunehmend von der reinen technologischen Machbarkeit hin zur Frage der Markteffizienz. Um echte Liquidität für private Kredite oder Sachwerte zu erzeugen, bedarf es mehr als nur eines Tokens: Es braucht regulatorische Klarheit, standardisierte Bewertungsmethoden und eine breitere institutionelle Beteiligung. Solange diese Faktoren fehlen, bleibt die Tokenisierung für illiquide Assets primär ein Instrument für eine effizientere Verwaltung und Emission, aber kein Allheilmittel für den schnellen Wiederverkauf.
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