Schnellere Zahlungen: Kanadas Big Six prüfen digitales Bankgeld
Sechs der größten kanadischen Banken untersuchen gemeinsam ein tokenisiertes Einlagensystem in kanadischen Dollar, das Zahlungen zwischen Finanzinstituten beschleunigen soll. Die sogenannten Big Six wollen damit regulierte Bankeinlagen in eine programmierbare Zahlungsinfrastruktur überführen – eine Verpflichtung zur tatsächlichen Ausgabe eines solchen digitalen Bankgelds besteht bislang jedoch nicht.
Meldung im Detail
Bank of Montreal, Canadian Imperial Bank of Commerce, National Bank of Canada, Royal Bank of Canada, Scotiabank und TD Bank Group bilden das Joint Venture, wie die TD Bank am Dienstag bekannt gab. Die erste Phase des Projekts konzentriert sich darauf, tokenisierte Einlagen effizient zwischen den teilnehmenden Instituten zu übertragen; weitere Banken könnten dem Vorhaben später beitreten.
Erklärtes Ziel sind schnellere, effizientere und programmierbare Zahlungen für kanadische Kunden, bei gleichzeitiger Wahrung von Finanzstabilität und aufsichtsrechtlicher Kontrolle. Ein ähnliches Muster institutionellen Infrastrukturaufbaus zeigt sich auch bei der Zusammenarbeit zwischen Kakao und Fireblocks im Stablecoin-Bereich, wo regulierte Zahlungsschienen ebenfalls schrittweise aufgebaut werden.
Hintergrund & Kontext
Tokenisierte Einlagen sind digitale Darstellungen von Geld, das bereits bei einer Bank gehalten wird – im Unterschied zu Stablecoins, die von einem Krypto-Unternehmen ausgegeben werden. Ein gemeinsames System könnte kanadischen Banken erlauben, rund um die Uhr programmierbare Zahlungen zu testen, während Kundengelder im regulierten Bankensystem verbleiben.
Kanada verfügt bereits über konkrete Präzedenzfälle: Im März schlossen die Bank of Canada, RBC und TD das Projekt Samara ab, bei dem eine Anleihe im Wert von 100 Millionen kanadischen Dollar (rund 71 Millionen US-Dollar) auf einem Distributed Ledger ausgegeben, gehandelt und abgewickelt wurde – unter Einsatz tokenisierter kanadischer Großhandelsdollar. Im Mai kündigten zudem Shopify und die National Bank of Canada ein reguliertes digitales Kanada-Dollar-Projekt an, das durchgehend operieren soll. Ähnliche Fragen zur grenzüberschreitenden Abwicklung mit digitalen Zentralbankgeldern stellen sich derzeit auch im mBridge-Testlauf mit Saudi-Arabien.
Reaktionen & Zitate
Die TD Bank teilte die Initiative im Namen des Konsortiums mit und beschreibt die erste Phase als Übertragung tokenisierter Einlagen zwischen kanadischen Finanzinstituten. In der gemeinsamen Erklärung verknüpfen die Banken dieses Ziel mit dem langfristigen Vorhaben, sich später mit weiteren, aufkommenden Digital-Asset-Initiativen zu vernetzen. Ein wörtliches Zitat einzelner Bankvertreter liegt bislang nicht vor.
Markteinordnung & Ausblick
Die Initiative erweitert die Zahlungsanwendung im wachsenden Bereich tokenisierter Finanzmärkte Kanadas. Statt CAD-Aktivitäten auf Blockchain-Netzwerken ausschließlich Stablecoin-Emittenten zu überlassen, wollen die Big Six ein gemeinsames Modell für digitales Geld innerhalb des regulierten Bankensystems erkunden.
International bewegt sich Kanada damit in einem Feld, in dem US-Banken bereits eigene oder gemeinsame tokenisierte Einlagen-Angebote verfolgen und Swift Tests für 24/7-grenzüberschreitende Zahlungen mit Banken auf sechs Kontinenten durchführt. Eine vergleichbare Dynamik zeigt sich im regulierten Stablecoin-Zahlungsverkehr, etwa bei der jüngsten Series-A-Finanzierung von dtcpay über 25 Millionen US-Dollar. Eine konkrete Blockchain-Plattform, ein Technologiepartner oder ein Zeitplan für den kommerziellen Betrieb sind für das kanadische Projekt bislang nicht benannt.