Stablecoins zu klein für US-Schulden: Lepard widerspricht Bessent-Lesart

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Der Digital Asset Market Clarity Act gilt bei Anhängern von US-Finanzminister Scott Bessent als Baustein zur Stabilisierung des amerikanischen Staatsanleihemarkts. Investmentmanager Lawrence Lepard, Autor von „The Big Print“, widerspricht dieser Lesart mit einer einfachen Rechnung: Selbst eine verabschiedete Gesetzgebung ändert aus seiner Sicht nichts daran, dass Stablecoins strukturell zu klein sind, um die jährliche Refinanzierung von über 8 Billionen US-Dollar spürbar zu entlasten. Genau diese Kapazitätslücke steht im Zentrum seiner Kritik.

Lepards Rechnung: 255 Milliarden gegen 8 Billionen

Lepard erklärte in sozialen Netzwerken, unter Bessent-Anhängern verbreite sich die Annahme, dass die Verabschiedung des Clarity Act Stablecoins automatisch zu einer Rettung für den Markt für US-Staatsanleihen machen werde. Diese Annahme sei aus seiner Sicht nicht belegt.

Er verweist darauf, dass die Marktkapitalisierung von Stablecoins bei 255 Milliarden US-Dollar liege. Diese Stablecoins seien größtenteils durch Treasuries gedeckt, die Circle und Tether kaufen. Nach Lepards Angaben war der Wert seit Januar rückläufig, als er bei 263 Milliarden US-Dollar gelegen habe.

3D rendered digital coins featuring USDT, USDC, and other currency symbols on a futuristic blue tech background

Diese Summe setzt Lepard in Relation zum jährlichen Refinanzierungsbedarf des US-Finanzministeriums von mehr als 8 Billionen US-Dollar. Eine Deckung von knapp 3 Prozent sei nicht ausreichend. Er verglich die Größenordnung zudem mit DOGE und betonte, dass es neben einer möglichen Verabschiedung des Clarity Act eines starken Wachstums bedürfte.

Warum die Nachfrage strukturell fehlt

Auch in dem von Lepard beschriebenen Szenario, in dem der Clarity Act alle Hürden überwindet und die für eine Verabschiedung im Senat nötigen 60 Stimmen erhält, würde sich die grundlegende Größenordnung nicht ändern. Seine Kritik richtet sich damit weniger gegen die Wirkung regulatorischer Klarheit als gegen die Differenz zwischen dem derzeitigen Stablecoin-Volumen und dem Refinanzierungsbedarf.

Nach Einschätzung der im Ausgangsbericht zitierten Analysten dürfte ein klarer regulatorischer Rahmen die Nachfrage nach Zahlungs-Stablecoins erhöhen. Lepards Argumentation zufolge erscheint jedoch eine Ausweitung, die die Nachfrage nach US-Staatsschulden wesentlich ausgleicht, angesichts der aktuellen Ausgangslage unrealistisch.

Hinzu kommt eine langfristige Verschiebung auf der Käuferseite des Treasury-Markts. Der Anteil der von ausländischen Akteuren gehaltenen US-Staatsschulden sank laut Bericht von 57 Prozent nach der Finanzkrise auf 32 Prozent im Jahr 2025. Wenn die Nachfrage nach US-Schuldtiteln stabil bleiben soll, müssten deshalb zusätzliche Liquiditätsquellen gefunden werden. Stablecoins allein könnten diese Aufgabe nach Lepards Berechnung nicht erfüllen.

Coinbase sieht Potenzial über die gesamte Zinskurve

Nicht alle Marktteilnehmer gewichten den möglichen Effekt von Stablecoins gleich. Faryar Shirzad, Chief Policy Officer bei Coinbase, erklärte, Dollar-Stablecoins wandelten die wachsende ausländische Nachfrage nach digitalen Dollar in Nachfrage nach US-Staatsanleihen um. Nach seiner Darstellung werde diese Nachfrage entlang der gesamten Zinskurve benötigt.

Portrait of Faryar Shirzad, Chief Policy Officer at Coinbase
Faryar Shirzad serves as the Chief Policy Officer for Coinbase.

Der Unterschied zwischen beiden Positionen liegt vor allem in der Größenordnung. Während Shirzad den möglichen Nachfragekanal für US-Staatsanleihen hervorhebt, konzentriert sich Lepard auf dessen derzeitige Reichweite. Die Debatte dreht sich damit um die Frage, ob ein wachsender Stablecoin-Markt einen ausreichend großen Beitrag zur Nachfrage nach US-Staatsschulden leisten kann.

Einordnung der Debatte

Die strukturelle Herausforderung bleibt in Lepards Darstellung unabhängig vom möglichen Ausgang der Clarity-Act-Debatte bestehen: Die USA müssen jährlich Schulden im Billionenbereich refinanzieren, während der Anteil ausländischer Halter an den US-Staatsschulden zurückgegangen ist.

Der Clarity Act wird in diesem Zusammenhang als Gesetzesvorhaben für digitale Vermögenswerte diskutiert. Lepards Argument liefert vor allem eine Einordnung der Größenverhältnisse: Selbst bei einer Verabschiedung des Gesetzes würde die Lücke zwischen dem Stablecoin-Volumen und dem jährlichen Refinanzierungsbedarf nicht automatisch verschwinden. Die Frage nach zusätzlichen, tragfähigen Käuferstrukturen für US-Staatsschulden bliebe damit bestehen.

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