Mehr als 700 Vertriebspartner erhalten Zugang zu Kryptowertpapieren
Die Fondsbörse Deutschland Beteiligungsmakler AG und das Münchner Fintech Gubbi AG bringen Kryptowertpapiere stärker in den professionellen deutschen Finanzvertrieb. Es handelt sich nicht um eine neue Handelsplattform für Bitcoin oder andere Kryptowährungen, sondern um die Anbindung digitaler Wertpapiere an bestehende Vertriebsstrukturen.
Fondsbörse Deutschland kooperiert mit Gubbi
Im Zentrum der Kooperation steht der GDX Primary Market von Gubbi, eine Plattform, über die sich digitale Wertpapiere bereits bei der Erstemission anbieten lassen. Durch die Partnerschaft erhalten mehr als 700 Vertriebspartner der Fondsbörse Deutschland Zugriff auf diese Infrastruktur.
Zu diesem Netzwerk zählen professionelle Marktteilnehmer mit direktem Zugang zu Anlegern – Banken, Maklerpools und Finanzberater könnten Kryptowertpapiere künftig leichter in ihre eigenen Beratungsprozesse integrieren. Einen regulierten Zweitmarkt wollen die Unternehmen zu einem späteren Zeitpunkt nachreichen, einen konkreten Starttermin nennen sie dafür bislang nicht.
Kryptowertpapiere im rechtlichen und vertrieblichen Kontext
Rechtlich verankert ist die Emission über das elektronische Wertpapiergesetz (eWpG), das seit Juni 2021 in Kraft ist. Es erlaubt die Ausgabe von Wertpapieren ohne klassische physische Urkunde – stattdessen erfolgt die Eintragung in ein elektronisches Register, das Daten vor unbefugter Löschung und nachträglicher Veränderung schützt.
Ein Kryptowertpapier ist damit ein reguliertes Wertpapier mit digitaler Registerführung – und unterscheidet sich klar von Bitcoin, das kein elektronisches Wertpapier nach dem eWpG ist. Dieser Unterschied ist auch für den Markt tokenisierter Aktien relevant, wo ähnliche Fragen zur regulatorischen Einordnung digitaler Vermögenswerte auftreten.
Die Fondsbörse Deutschland selbst gehört zur BÖAG Börsen AG und nicht zur Deutsche Börse Group. Sie ist seit 2004 im Bereich alternativer Investments aktiv und verfügt laut eigenen Angaben bereits über digitale Prozesse für Zeichnung, Abwicklung und Verbuchung.
Der geplante Zweitmarkt als nächster Schritt
Bislang endet der digitale Prozess bei vielen Kryptowertpapieren mit der Emission. Anleger können zeichnen, doch nicht immer gibt es danach einen liquiden Markt zum Weiterverkauf.
Genau hier setzen Fondsbörse und Gubbi an: Die Primärmarkt-Infrastruktur des GDX soll mit der vorhandenen Zweitmarkterfahrung der Fondsbörse gekoppelt werden. Ein funktionierender Sekundärmarkt könnte die Liquidität erhöhen und den praktischen Nutzen der Tokenisierung deutlich verbessern – zunächst bleibt der Fokus aber auf dem Zugang zum Primärmarkt.
Tokenisierung rückt in bestehende Marktstrukturen
Die technische Möglichkeit zur Emission digitaler Wertpapiere besteht in Deutschland schon länger. Entscheidend ist laut der Mitteilung, ob diese Produkte auch Anleger erreichen und anschließend handelbar bleiben – genau darauf zielt die neue Kooperation.
Der GDX Primary Market liefert die digitale Emissions-Infrastruktur, die Fondsbörse ihr Netzwerk aus mehr als 700 Vertriebspartnern sowie ihre Zweitmarkterfahrung. Sollte der geplante Sekundärmarkt später starten, würden digitale Emission, professioneller Vertrieb und anschließender Handel stärker miteinander verbunden – ein Schritt, der auch vor dem Hintergrund des wachsenden Interesses an tokenisierten Real-World-Assets an Bedeutung gewinnen dürfte.
Es geht damit weniger um einen neuen Kryptohandel in Deutschland als um die nächste Integrationsstufe tokenisierter Wertpapiere in den bereits regulierten Finanzmarkt.
Quelle: Bitcoinfoundation.org