Jack Dorseys Block offenbart 2,2 Milliarden Dollar Bitcoin in der Bilanz

Block Inc. hat am 28. April 2026 in seinem ersten Proof-of-Reserves-Bericht Gesamtbestände von 28.355 BTC im Wert von rund 2,2 Milliarden Dollar offengelegt – davon 19.357 BTC als Kundengelder und 8.997 BTC im eigenen Corporate-Treasury. Die Prüfung wurde durch unabhängige Drittprüfer bestätigt und ist über kryptografische On-Chain-Signaturen öffentlich nachvollziehbar.
Die Offenlegung ist mehr als eine Transparenzgeste: Sie reiht sich in eine wachsende Gruppe börsennotierter Unternehmen ein, die Bitcoin systematisch als Bilanzreserve führen – und stellt die Frage, ob Proof-of-Reserves als Governance-Standard für Unternehmenstreasurien zukunftsfähig ist oder ob die Sicherheitsbedenken prominenter Kritiker wie Michael Saylor das Modell grundsätzlich in Frage stellen.
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- Gesamtbestand: 28.355 BTC im Wert von ca. 2,2 Milliarden Dollar (Stand: März 2026)
- Kundengelder: 19.357 BTC (~1,5 Milliarden Dollar), separat geführt und verifikabel
- Corporate-Treasury: 8.997 BTC (~692,3 Millionen Dollar), eigenständige Bilanzposition
- Ranking: 14. größtes Bitcoin-Corporate-Treasury weltweit laut BitcoinTreasuries.net
- Vergleich: Strategy hält über 500.000 BTC; Metaplanet hat seinen Bestand zuletzt auf über 40.000 BTC ausgebaut
- Ausblick: Q1-2026-Ergebnisse mit vollständigen Bitcoin-Metriken folgen am 7. Mai 2026
Block: Proof-of-Reserves als Governance-Signal
Die Struktur des Berichts verdient besondere Aufmerksamkeit. Block trennt Kundengelder und Eigenbestand explizit – ein Ansatz, der direkt auf die Fehler der FTX-Ära reagiert, wo Kundenvermögen und Unternehmenskapital vermischt wurden. Block formuliert es konkret: „Menschen sollten nicht darauf vertrauen müssen, dass ihre Bitcoin vorhanden sind – sie sollten es verifizieren können.”
Die Bestände seien laut Unternehmensangabe „aktiv kontrolliert, nicht nur historisch beobachtet” – eine Abgrenzung zu Proof-of-Reserves-Ansätzen, die lediglich historische Wallet-Adressen offenlegen, ohne Kontrolle über die Schlüssel nachzuweisen. Jack Dorsey hat die Veröffentlichung persönlich auf X angekündigt und damit die strategische Bedeutung der Transparenzoffensive unterstrichen.
Die gegenläufige Position vertritt MicroStrategy-Chairman Michael Saylor, der Proof-of-Reserves im Mai 2025 als Sicherheitsrisiko bezeichnete: Das Veröffentlichen von Wallet-Adressen sei vergleichbar damit, Adressen und Telefonnummern aller eigenen Kinder öffentlich zu machen. Saylor sieht darin keinen Vertrauensgewinn, sondern eine Schwächung von Emittenten, Verwahrern und Investoren gleichermaßen – und weist darauf hin, dass ein reiner Asset-Nachweis keine Aussage über Verbindlichkeiten ermögliche.

Block im Kontext der Corporate Bitcoin-Treasuries
Mit 8.997 BTC im Eigenbestand belegt Block Rang 14 der größten Unternehmenstreasurien – knapp hinter Trump Media, aber weit entfernt von den dominanten Playern. Strategy, das von Saylor geführte Unternehmen, hält inzwischen über 500.000 BTC und definiert damit eine eigene Kategorie institutioneller Bitcoin-Akkumulation. Metaplanet aus Japan hat seinen Bestand durch aggressive Anleiheemissionen auf über 40.000 BTC ausgebaut und gilt als Tier-1-Verfolger in der Asia-Pacific-Region.

Block ist dagegen ein Tier-2-Halter – bedeutend als Vertrauenssignal, aber nicht als dominante Nachfragekraft am Spotmarkt. Die strategische Relevanz liegt weniger in der schieren Größe als in der Branchenposition: Als Betreiber von Square und Cash App hält Block Bitcoin nicht nur als Finanzanlage, sondern als integralen Bestandteil seiner Produktinfrastruktur.
Sollte sich der Trend zur Corporate-Bitcoin-Adoption in 2026 weiter beschleunigen, könnte Block als Modell für Fintech-Unternehmen dienen, die Bitcoin-Bestände mit operativer Nutzung kombinieren – ein strukturell anderes Argument als die reine Treasury-Reserve-Strategie von Strategy. Auch institutionelle Investoren, die Zugang zu regulierten Krypto-Vehikeln suchen, dürften diesen Ansatz zunehmend als Referenzmodell betrachten.
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Bilanzrisiken und Marktvertrauen: Zwei Seiten einer Position
Corporate-Bitcoin-Treasuries sind bilanziell anspruchsvoll. Block meldete für Q4 2025 einen Nettogewinn von 115,7 Millionen Dollar – ein drastischer Rückgang gegenüber den 1,9 Milliarden Dollar im Q4 2024, was teilweise auf volatile Bitcoin-Neubewertungen zurückzuführen ist. Im Q3 2025 verzeichnete das Unternehmen allein durch Remeasurement-Verluste auf seine BTC-Position einen Buchverlust von 59 Millionen Dollar.
Metaplanet, oft als Referenzfall für aggressive Bitcoin-Treasury-Strategien zitiert, hat ähnliche Volatilität erfahren: Signifikante Abschreibungen auf BTC-Positionen haben die operativen Gewinne in einzelnen Quartalen vollständig aufgezehrt. Die Marktrealität ist, dass Bitcoin-Treasuries bei fallenden Kursen erheblichen Buchwertdruck erzeugen – ein Faktor, den BaFin-regulierte Anleger und MiCA-konforme Institutionen bei der Portfoliobewertung berücksichtigen müssen.
Die Gegenseite ist das Vertrauenssignal: Ein Proof-of-Reserves-Bericht mit Third-Party-Audit und on-chain-verifizierbaren Signaturen ist qualitativ ein anderes Instrument als eine einfache Bilanzfußnote. Für institutionelle Gegenparteien, die Block als Infrastrukturanbieter nutzen, schafft die Transparenz eine nachprüfbare Grundlage – und differenziert Block klar von weniger offenen Wettbewerbern.
Kursimpuls oder strukturelles Nachfragesignal?
Bitcoin notiert im Umfeld der Disclosure-Veröffentlichung in einer Konsolidierungsphase nach dem Anstieg auf neue Jahreshöchststände. Corporate-Treasury-Meldungen wie die von Block funktionieren in der Regel nicht als unmittelbarer Preiskatalysator – der direkte Kaufdruck durch 8.997 BTC ist im Verhältnis zum globalen Handelsvolumen marginal. Der Wirkungsmechanismus ist ein anderer: Sie verdichten die Nachfragestruktur durch langfristig gebundene Bestände und erhöhen die Glaubwürdigkeit von Bitcoin als institutionelle Anlageklasse.

Bullisches Szenario: Sollten weitere Fintech-Unternehmen dem Block-Modell folgen und Proof-of-Reserves als Standard etablieren, könnte dies einen messbaren Anstieg der gehaltenen, nicht zirkulierenden Bitcoin-Bestände auslösen – mit mittelfristig stützender Wirkung auf den Preis. Bärisches Szenario: Ein makroökonomischer Schock, kombiniert mit erzwungenen Verkäufen aus Corporate-Treasuries unter Buchwertdruck, könnte genau diese Positionen als zusätzliche Angebotsquelle in den Markt bringen.
Die Q1-2026-Ergebnisse am 7. Mai werden zeigen, ob Block seinen BTC-Bestand im laufenden Quartal weiter ausgebaut hat – und ob die Bitcoin-Revenue über Cash App die operative Abhängigkeit vom BTC-Preis weiter vertieft. Im Q3 2025 machte Bitcoin-Umsatz bereits knapp ein Drittel der Gesamterlöse von 6,11 Milliarden Dollar aus.
